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Full text of "Die Deutsche Frau - Dienerin oder Gefaehrtin"

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©te 



©eutfdje ftrau 



Wienerin ober ®ef cfyvtin 



©te ©eutfcf)e grau 

Wienerin ot>cr ©efäjjrtin 



»on 



£ena "SBellingbufen 



6. U§ 8. Saufenb 



1933 
Subenborffö Söerfag, ©.m.b.Jp., SttüttctKti 2 SK3B 



Mt Üittyt, 
tnöfcefon&ere baö ber ttberfe^tmg in frembe ©prägen, 
bejwtf ftd) ber 93erlag »otr. 

€op^rt0^t b> Eubenborffö Söcrlag 9Jlün^en. 



Äunfl im £>ru<( ©mb£ Wunden 



deinen SUnbern jugeeignet 



3 n |» a 1 1: 

©eiie 

(Ein mutterlofeS Q3o« 5 

Sie grau in ber germanifc&en grüfoeit 6 

Sic Seutfc&e grau unter bem Gpnagogengefe^ ... 24 

Sie 5>eutf<$e grau im Mittelalter 33 

2)a3 greifceitfe&nen ber 35eutf<$en grau 44 

2>ie 3Befen£»erfd)teben£eit öon <2ftann unb grau 

unb ü)re 23ebeutung für Sippe unb Q3otf .... 54 

2lufga6en unb Stellung ber grau im ȧlfif^en 3)eutf<$tanb 64 



(Ein tmitferlofeS Sßolt 

„9DJ ännermad;enbte©efd)id)te!" 

3ft babet freiließ nur an emjetne überragenbe ^Perfönlt^fet« 
ten gebad)t,bie mädjtig eingriffen in ba$9lab ber QBeltgefd)id)te 
unb 3<$rbunberten i^r ©epräge gaben, fo ift bteS m&oxt — er- 
weitert aufgefaßt — bod) ebenfo wabjr. ©enn in berSat, feitme&r 
al$15003a&ren,geftalten in unferem Sanbe, in anberen Sänbern 
meift fd)on länger, faft ausna&melog Männer bie ©efd)id)te, 
unb ba$ trägt wobj in ftarfem "SÄaße bie gftitfdmlb, baß fie fo 
machtgierig, blutig unb graufam würbe. — (E$ mußte fid) 
rächen, baß bie 3Weigefd)ted)tlid) gefd>affene QBelt etngefd>led)t« 
lid) geführt würbe, t>a$ man bamit göttlichem 3BoEen juwiber 
wirfte, baß man bem 33oKe bie Butter nafcm. 2>a3 
tonnte, — trofc aller fcoljen ©aben be£ Cannes», — pu. 
n\d)t§ anberem führen als jum Q3erfaH auf aßen ©ebie« 
ten: politifd), wirtfd)aftlid), futtureH unb üor allem aud) 
gtauben^mäßig. — 2Bie eine Sippe md)t gebenden fann, wenn ü)r 
bie Butter febjt, ober ü)r (Einfluß untergraben wirb, fo aud) 
nid)t ein Q3olt. 3f* & bod> ebenfo eine Sd)idfal$gemeinfd)aft 
wie bie Sippe unb bebarf barum beiber (Eltern. — ©anj gewiß 
Jjätte ein »orwiegenb ober au$fd)ließlid) »on grauen geführter 
Staat ebenfo, wenn aud) in anberer 2lrt, Verfall gejeitigt wie 
ber einfeitig geführte <3Jiannerftaat. — <2ftann unb grau finb 
eine fid) ergänjenbe (Einheit. 3fcre Q3erfd)ieben^eit ift gott- unb 
naturgewoßt. QBo fie aufammenwirfen, ba gebenden Sippe unb 
Q3otf, wo nur ein (kltemteit fid) auSwirfen fann, ba leiben unb 
öerwaifen fie. 3Bir ©eutfdje finb ein mutteroerwaifteg Q3olf. 
2)a3 ift unfer tieffteä £eib, baß aUeß anbere im ©efotge fyatte. 

2Bir waren eß nict)t immer. (Ein Q3erfenfen in bie Vergangen- 
heit wirb unS ein 23itb ber öeimat entrollen, wie fie einftmatS 
War, at$ bie 2)eutfd»e grau ibrem Q3olfe nod) Butter fein 
burfte, al$ fie nod) gleid>gead)tet neben bem Spanne ftanb 
unb in (Ergänjung be3 SOtanneS gum Segen »on Sippe unb 
93otf mit ü)m sufammenwirfte; unb wie anber$ eß würbe, al$ 
frembeS QBefen, frembe fielen unb ©ebanfen bie artgemäße 
germanifdje grauenwertung »erbrängten ober überwucherten. 
2Bie bamit ber (Einfluß ber grau auf ba§ Votföteben aufhörte, 
wie er auf bie Sippe befdjränlt unb aud) ba, burdj ü)re ^in« 
berbewertung, f>erabgebrüdt würbe. 

Über bie SafyxfyvixtietU frinweg werben unfere toten Stynen 



uni fagen, bafj in ber (Entmündigung ber grau unb in ber 2tui» 
fdjattung ibrei 2ßirfeni auf baß Q3otf ber tteffte ©runb unferei 
9liebergangei liegt. 

Q3iete, ber in 2lbnen»erad)tung grofjgejogenen Seutfdjen, h>er« 
ben antworten: baß 23itb ber Q3orjeit ift bunfet. 2)ie germa« 
nifdje grau war greiwitb, baß geraubt mürbe unb ati Sfta»in 
bie 2lrbeit tun mufjte, toä&renb bie Männer fid) auf ber 3agb 
ober beim 'DEftet ^urjweit fd>afften. — Obwobl bie öorgefd)id)t- 
lid>en "SÄufeen ber großen Stäbte 2tuffd)lujj barüber geben, 
bafj biei eine ungeheure £üge ift, wirb fie nod) heute mit 
Softem »erbreitet. — *2)aß hat feinen gang beftimmten ©runb, 
ber jebem erfiebtfid) wirb, ber unbefangen bie SBabrbett fud)t. 
2)iefe £üge gefd)id)tltd) ju Wtberlegen, bamit ber greibeit unb 
^Äenfdjenwürbe ber ©eutfdjen grau unb ber Sßiebergefunbung 
bei <23otfei ju bienen, ift ber Sinn biefer Sd)rift. "SÄödjte fie 
mitbetfen, bem 2)eutfd)en Q3olte bie Butter jurüctäugeben. 

£>ie grau m ber germatttfcfyen grü^ett 

60 lange unfer 93oIf feine natürltdje, gottgewollte (Eigenart 
Übte, war ei gefunb. (Ei ftanb im (Einflang mit bem Sinn 
feinet Seini. (Ei backte, glaubte unb banbelte, wie ei fein 
23lut, feine SSßefeniart ibm »orfdjrieb. 2lli bann aber, »or mebr 
ali 2000 Sabren, römifdjer ©eift unb römifdje Sitten in baß 
germanifd)e QBalbtanb einbrangen, würbe ei anberi. — (Ein 
gefunbei 9?atur»olf pergiftete fid) an frember QBefeniart. Sang» 
fam unb jebrenb wirfte bai ©ift. So lange baß Q3otf nod) 
feinen arteigenen ©tauben behielt, no<$ in feiner Vergangen» 
beit wurjelte unb Stbnenebrung pflegte, »erjüngte ei fid) immer 
Wieber an ibr unb bebauptete im Wefentlidjen feine natur- 
gegebene 2lrt. Siefe 9lad)t aber fenfte fid; über bie öeimat, ali 
— cor etwa 1000 3abren — baß grembe aud) auf ben ©tauben 
übergriff, ati bie greibeit beß ©enfeni aufborte, unb bai 23anb 
jur 93ergangenbeit gewaltfam abgefdmitten würbe. 

3ener glammenftofj, auf bem ber „fromme" Subwig alle 
S)id)tungen unb (Erinnerungen »on unferei Q3otfei £trfprung 
unb Q3ergangenbeit »erbrennen liefj, war wobt unfere fdjidfat- 
fdjwerfte Sonnenwenbe. Sein Q3ater, ber Sad)fenmörber 5?art, 
ber erfte papftgefrimte „römifebe ®aifer ©eutfd)er Nation", 
hatte fie mit »iet Sorgfalt fammetn laffen. 9?aci)bem fo bai 
SBiffen um bie eigene ©efd)id)te »ernidjtet war, tonnten iln« 
Wabrbeiten baß teuftifd>e SBerf »oßenben. 9la<$ Wenigen ©e« 



fcbledjterfolgen tonnte man nun ben2)eutfcben®inbernt>ortügen, 
baf) ü)re Sinnen fulturlofe, baibnadte SBilblinge unb Säufer 
gewefen feien unb bte germanifebe grau baS gefned)tete Slrbeit- 
tier biß Cannes. Qod) eß tft ein göttticbeS ©efe§, bafj bie 
SBabrbeit immer wieber fiegbaft bleibt, tt)ie bie Sonne über bie 
bunfelfte unb längfte 9?ad)t. Itnb fo finb un$ — aller Q3ernid)- 
tung, Q3erleumbung unb bem frommen §affe jum Srotj — 
3eugniffe ermatten geblieben, bie unwibertegltcben 2luffd)lufj 
geben über bie germanifd>e Q3orjeit. 

(Eine foldje Hrfunbe ift baß ©rab oor 7000 Sauren. ©a<§ ^ei- 
matlicbe SJftoor unb ber Sarg auß bem §otj t>cr Seutfdjen (Eicfye 
baben bie Soten unfereS Q3olfe3 fo treu bewabrt, baf} ü)r 33ilb 
beute wieber lebenbig oor unö erffebt. 9iid)t als ein Q3otf ber 
23arbaren, fonbern al$ ein Q3otf b<>ber Kultur, bag — au3 tie- 
fem Sd)önbeitfe^nen — ebetfte Slunft geftaltete unb fidj im (Ein- 
Hang mit feinem Sdjöribeitftnn ju lleiben wufjte. 5)a3 ©rab 
Wiberlegt aueb, bie anbere £üge, bie £üge oon ber Sftaoerei ber 
germanifdjen grau. (ES fagt un3, bafj bie grau, ebenfo wie ber 
Wann, mit ber QSaffe am ©urt unb neben bem Krieger be- 
graben würbe, ©in 3eidjen, bafj and) fie perfönlidje greibeit 
unb SBürbe genofj unb Setbft»erantwortung b_atU. «üEflan fafc in 
u)r alfo nidjt bie SOlagb unb Wienerin, fonbern ben gleichwerti- 
gen ©efabrten unb QSaffengenoffen beß VRanneß. 

2)a$ ©rab fagt bie < 22>abtb.tit. 2)ie Oorgefd)ict)tIict)en 'TOufeen 
bergen fie, unb fie wirb and) nod) bnxd) anbere ilrfunben be- 
tätigt. 3ebem Seutfdjen ®inbe foDte fie $eute oertraut fein. — 
(Eine fotebe weitere Hrtunbe, bie ebenfo auoertäffig ift, ift ber 
rbmifdje SdjriftfteHer Sacitu3. Q3on feiner „©ermania" blieb 
„jufäHig" ein einiges 23änbd)en erbalten, baß ein Wand) im 
älteften 23enebiftinerttofter 9lorbbeutfd)tanb$, im Softer Sor- 
oep, »or ber 93ernid)tung bexoabtt bat — Zatitnß ergäbt biev 
baß ©leidje wie ba§ ©rab. (Er fagt in feiner „©ermania" 1 ): 

„(Eine Mitgift bringt nid)t bie grau bem 9D?anne, fonbern 
ber <2Jcann ber grau. 2)ie ©aben finb nidjt ßiebbabereien, fon- 
bern 9linber, ein gejaumteS %)§ unb ein Sdjilb mit grame 
unb Schwert, ©ie 23raut bringt and) Ü)rerfeit3 bem ^anne 
ein QBaffenftüd ju. ©ergteidjen ©aben gelten für ba$ ftärffte 
23anb, für beilige 23räud)e gebeimni^ooöer 23ebeutung, für bie 
Sdjirmgötter beß Q.bebnnbeß. ©amit bie ©attin nid)t wäbne, 
fie ftebe aufjerbalb fcetben&after ©efinnung unb ber SBedjfel« 

') @erm«ni«, Äopttel 18. 



fälle be§ $riege$, erinnert fie gtct<3t) ber feierliche beginn tyrer 
(Ebe baran, bajj fie al$ ©efabrtin be3 Cannes in Silben unb 
©efa^ren fomme unb fein Scbidfat unb feine QBagniffe in 
®rieg unb ^rieben ju teilen babe alä fein freier ©enofj." 

Sacitug, ber Nömer, wollte al$ geinb unferem Q3olfe gewifj 
fein fiobtieb fingen. 2lud) »erben feine Angaben nod) burd) 
»eitere Slrfunben beftätigt, bie baS meerumfdjtungene 33lanb 
bewabrte. (E3 finb bie$ bie 23rud)ftüde ber (Ebba. S)ie (Ebba er» 
jäblt »on ebenfo »teten 2lfinnen wie 2tf en. — S)iefe £id>tgeftatten 
ber germanifdjen Q3orijeit, bie fie aucr) ©ötter nannten, würben 
n\ä)t alß perfönlicr)e ©ottbeit gewertet. Sie waren eine bid)* 
terifdje Stmfteibung ober Q3erbitblid>ung ber Naffeeigenfdjaften 
unfereS Q3otfe3 ober aucr) ber Naturgewalten, fo wie fie »on 
tbnen bamal$ erfannt würben. 

SacttuS f treibt: „(E3 entfpridjt nid)t ber germanifdjen 2tn- 
febauung »on ber Soweit ber Simmtifd>en, f* c 8Wifd>en dauern 
einjuferfern ober »on ibnen 23ilber mit menfcr)licr)en 3ügen ju 
madjen." 2lud) £acitu§ Wiberlegt bamit baß dt>riftticf>c ^ctrdjen 
»on betn ©öttertult unferer Q3orfabren. — Sitte QBefen^tige 
beß germanifcr)en SEBetbeS waren ben Slfinnen gegeben, unb fie 
galten ben Slfen gleid). 

2113 böd)fte 2lfin, bie gteidjfam alle germanifd)— weibliche 
(Eigenart in fid) »ereinigte, ebrten fie g r e t a, aud) grigga ober 
Stauja genannt. 33Bir tragen »on ibr ben Namen grauen. 
Sie ift bie liebenbe, forgenbe ©attin unb Butter, bie bem Seim 
Sonne unb QBärme fpenbet, bie greube toeüt wnb ladjenben 
®inbern £eben fdjenft. Sie ift bie unermüblicr)e SauSfrau, bie 
ber 3ugenb bie greube am ©uten, SBabren unb Schönen gibt, 
fie jur Netribeif ber Sitten fübrt unb für (Ebre unb Setbentum 
begeiftert. Sie tvafyt über Sreue unb (Eib, ift ibrem Q3olfe Sei- 
ferin unb warnt eß »or brobenbem Unbeit. 

Neben ibr fteben bie Slfinnen ber £iebe, SDßinna unb 
£oba, nad) benen noer; tyute Spinne unb Verlobung ibre 
Namen tragen. 

(S>ai>a, bie 2lfin ber SÜinbertofen. Sie jeigt ben grauen, 
bie baß retd>e ©lud ber Sftutterfdjaft entbebren muffen, wie fie 
burd) ©ebefreubigfeit an ben (Eblen beS Sßolhß fid) 2tu3gleicf) 
fd>affen tonnen für bie Sötte i&reS Sd)idfat3. 

Scita, bie Srstin. (Ein 2tmt, für baß unfere 2tbnen bie 
grau in ü)rer forgenben unb felbftlofen "SÄütterlicbfeit alß be» 
fonberS befähigt erachteten. 

£ e b n a , bie Sitfe, Nat unb Stütje ibrem Q3ot!e ift. 

8 




II ufere 211) tun »or 3500 3 öftren 



('Ältere l ^ r c n $ c i « i 1 ) 



33 c t fl c i d> i * 1 1 i d) t » 9H u f c u m , Jj .1 1 1 e 



Q3erwabre, bie bem 2tfen Q3orfafj bei ©erid)t beigeorb» 
net ift unb gegen einfeitige unb ungerechte <2ftännerurteile <23er» 
Wahrung einlegt, ©in ßinftuf}, ben man ber grau aud) »Mig 
genommen bat. 

90? afj. Sie preift bie fitttidje 23efonneri&eit ber germani* 
fd>en grau, ü)r rid)ttge3 Spalten, ba$ alles 2lnftöfjige unb 
Unmäßige oermeibet. „Sftuoter aller tugenbe" wirb bie 9!Jiafj 
nod) in einem ©ebid)t be3 12. 3abrfmnbert3 genannt, ba3 ü?r 
genribmet ift. Sftan fönnte nod) oiele anbere aufarten. So 
ift aud) 

Saga, bie ©öttin ber (Erjä^Iung, ein QBeib unb »erbilblid)t 
bie S?unft be3 (ErjäbtenS, bie epifdje 23egabung ber germani» 
fdjen grau. — "2öie 33lumen, bie in ber Sonne Warfen, ibrc 
bunten SMcfye öffnen, fo erfd)loffen ftd) bie tieften gäbigfeiten 
be$ germanifdjen QSeibeS feinem 'Sötte, fo lange e£ fid) beffen 
©letd)ad)tung unb (Sprung erfreute. 

Seine fcelbifdjen. (Bigenfdjaften oerbttbtidjen bie 2ßatftiren. 
Sie ftreiten gegen ben geinb, befreien ©efangene, fdjütjen ben 
gelben im Stampf unb geleiten ü)n nad) QBat^aK. Sie lehren 
un§, bafj bie germanifdje grau ba$ £>etbentum über ben Sob 
bjnau$, aud) in ben fommenben ©efd)led)tertt, fyodjfyalten foß. 
©a$ betbifd)e kämpfen unb Sterben ber ©ermaninnen ^aben 
bie 9?ömer in ben Kriegen mit norbtfdjen Q3ötfern erlebt, unb 
tief erfd)üttert ^aben fie baoon bertdjtet. 

©te (Ebba gibt nod) weitere 23eweife tyo^er germanifdjer 
grauenwertung, oor allem in ü)rem ScfyßpfungmptboS. ©ie 
Sd)öpfungfage unfere3 23tute3 läßt nid)t — wie bie orienta» 
lifcfye — bie grau al§ minberwertig entftanben fein, fonbern 
als bem <2ftanne gleidjwerttg, nur wefenSoerfdjieben oon ü)m. 
So ftnb nad) ber (Ebba 9Kann wie grau aus unbewußten <23or* 
ftufen ber <2ftenfd)en, au3 23äumen geworben, atfo gleid)Wertig; 
aber auS oerfdneben gearteten 23äumen. ©er ^tftann auS bem 
garten, unbeugfamen &0I5 ber (Efd>e, ba3 2ßeib auS bem Wei- 
djen, fdjmiegfamen 9)oii ber (Erle, greilid), unfere ©eutfdjen 
®inber boren nid)t3 oon biefem wunberöoßen, germanifd;en 
23ilbgleid)ni3 ber ©leidjwertigfeit, aber 28efen3»erfd)iebenbeif 
ber beiben ©efd)led)ter, bie fid) eben burd) biefe gottgewollte 
Q3erfd)iebenbeit gegenfeitig ergangen unb ausgleichen foHen. 

2lu§ biefer (ErtenntniS »erteilten bie ©ermanen bie "pfttdjten 
ber Sippen« unb Q3otf3er&altung auf 9!ftann unb grau, ©er 
9Dcann bätter unb betber, mit ftarfem "DKadjtwiHen unb fübtcr 
Wägenbem 93erftanb, barum beffer geeignet, baä £eben nad) 



aufjen ju geftalten. Sic Sfrau weidjer unb reid)er im ©emttt, 
tiefer im Seelenleben, unb behalt) beffer befähigt, nad) innen 
gu Wirten — in bie Siefe, auf bie Seele bei SSinbei, auf bie 
Seele ü)rei 33otfei. — Unb biefe gäbigfeit gab ben grauen 
bai fyofye 2lmt, bai ©otterteben ju werfen unb ju ftärfen unb fo, 
burcb, götttid} geridjtetei Streben, bem Q3olfe fittlid>en Sott ju 
geben. ©enn unfere Sinnen wußten gar wobt, bafj Sittenrein» 
beit 9lüdgrat bei Q3olfei ift. Sie (£bba erjäblt, bafj ei bie 
9iornen finb, bie jeben borgen bie 2Beltenefd)e aui bem Quell 
bei QBerbeni, ber unter ü)rer QBurjel fprubelt, befprengten, 
bamit fie wadjfe unb gebeü)e. Sie "2ßeltenefd)e war ein bid>» 
terifdjei 23itb germanifd}»religiöfer QBettenfdjau. Sie dornen 
finb ei aud), bie am gaben ber (Ewigfett fpinnen. ©er Sinn 
bief er yjlqfye ift, bafj bie germanifdje grau, — aui n)rer 33erwur* 
jetung in ber Q3ergangenbeit ü)rei QJotfei, — bie ©egenwart »er» 
ftebt unb ben 5Beg in bie 3ufunft weift, ber ü)rem Q3olfe Seit 
»erfpridjt. Sie fannte unb tünbete feine ©efd)id)te. Sacitui be- 
tätigt aud) ^iex, xoai bie (Ebba erjäblt. (Er fdjreibt 1 ): 

,,©ie ©ermanen fdjreiben bem QBeibe ein ^eittge^, bobei 
SBiffen ju, beibalb richten fie ftd) aud) nad) u)rem 9late unb er- 
warten oon iljr 2lntwort auf allerlei Sd)idfalifragen. So b,aben 
wir 9?ömer unter bem »erewigten Q3efpafian nod) alle jene Q3e» 
leba gefeben, bie weit unb breit ali ein göttlicfyei QBefen galt. 
So fyaben fie juoor aud) 2llbruna unb anbere öere^rt. ©od) ift 
biei Weber Schmeichelei nod) Vergötterung." 

Sie ©ermanen ernannten febr Wobt, bafj bie grau in ibrem 
^Kutterfcbaftinftinft fdjärfer bie ©efabren fiebt, bie bem Q3olfe 
broben, ali ber argtofere, fetbftfidjere 'JJcann. Sie wufjten, bafj 
fie aui ibrer 3ufunftfd)au retdje, überfinnlidje (Erfenntnii 
fdjöpft. So taufdjten fie banfbar unb ebrfurd)tooH bem Wate 
ber Butter. 

Sie bieWen bai 2Betb barum aud; für beffer befäbigt, bem 
Q3otte ©ottwederin unb ©ottfünberin ju fein ali ben 9iÄann. 
©er ftarfe ^[Jiadjtwille bei SJftannei fübrt auf retigiöfem ©ebiet 
nur ju tetdjt jur Überbeblicbjeit unb ju befpotifdjem ^riefter« 
tum. 'prieftertum aber butbete unb ertrug germanifdjer greibeit» 
brang nid)t. Sein ©utfein wollte ein freiwiHigei fein, unab« 
bängig oon £obn unb Strafe. 9Zur fo war ei nad) feiner Stuf- 
faffung wertüoQ. „^Jiebr gelten bei ibnen gute Sitten ali an- 
beriwo gute ©efefce", fdjreibt Sacitui. 

*) Sacüu«: ©ermania. 

10 



®lug unb wißbegierig, empfänglid) für aHe$ <5d)öne unb 
feinfinnig, lebte bie germanifdje grau in ber feelifdjen ©oft« 
unb 9Zatur»erbunbenReit wie ftc un£ bie 2Berfe »on 2)r. ^Äa« 
t&ilbe fiubenborff Reute wiebergeben. — Q,ß ift woRl nicRt 
möglid), bafj ein Q3olf, baß feinen grauen fomit RöcRffe SBürbe 
gab, fie gleichzeitig jur Wienerin, pr 6fla»m unb sunt Slrbeit« 
tier erniebrigte. — 993enn nod) Reute, frotj befferen QBtffenS, 
fotcfye £ügen »erbreitet »erben, finb bie ©rünbe bafür nur ju 
burd)fid)tig. 

Solche, bem ©ermanen btufmäfjige grauenwertung, fd)tofj 
fäuflidje £iebe unb Vielweiberei au§. 5)a3 betätigen überein« 
ftimmenb bie aeitgenöffifcRen 23erid)te über bie germanifcRen 
Q3ötfer. 6ie toben alle beren RoRe SittlicRfeit. 60 fdjreibt 
SacituS 1 ): 

„35ie (Eben »erben in ©ermanien ftreng heilig gehalten, 
unb in feinem fünfte »erbtenen bie germanifd)en Sitten grö» 
fjereg £ob", unb: „3)e§ ©ermanen (ERe ift ftrenge, er ift ber 
einzige 9iicRtrömer, ber einem einzigen QBeibe bie Sxeue Rält." 
— 3n Reitiger greiwilligfeit würbe bie Sreue »on beiben ©Re- 
gatten gegeben. (E3 beburfte baju feinet ©elübbeS unb feinet 
®niefalte$ »or bem "priefter, aud) feinet gefetjlicRen (ERefontraf« 
teß. Sreue »erträgt feinen 3wang. Sßirb fie erjWungen, fo ift 
fie wertlos. 3Ber bie Sreue nicRt freiwillig gibt, wirb fie 
gwanggweife ficRer aucR nid)t Ratten. 2lud> ift WoRl nicRtg un« 
würbiger für (Ehegatten, aiß fid) gegenfeitig ju überwachen, 
greilid), unfere 2tRnen fannten nod) feine boppelte <3Roral, bie 
bem 'DOlanne erlaubt, toaß fie ber grau »erbietet. Sie fam mit 
bem grembgeift 3U un$. Vielweiberei bebeutet öerabfe^ung beß 
QBeibeö »on ber Sd)idfat$gefäRrtin jum Spietjeug ober jur 
SKaoin. Sie ift ebenfo, wie bie fäuflicRe £iebe, orientatifcRer 
SBüftenftil, ber ©eutfd>e Männer unb grauen in gleicher QBeife 
entehrt, ©ar »iele feffelt er in leblanger, trauriger ©enügfam« 
feit, jum Schaben ber Q3olf$gefunbRett. 2>er 2tufentRaft in 9c"ie« 
berungen macRt fie unfähig, nod) feelifcRe unb geiftige SBaRfoer« 
fcRmetjung ju erftreben. Vier fid) im Sumpfe woRtfüRtte, ben 
lodt feine SöRenluft meRr. Um baß Reiltgfte ©lud beß £eben$ 
betrügt er fid; felbft. 

2>ie fittlid>e SelbffbeRerrfdmng, bie ber ©ermane übte, er« 
Rieft ü)n gefunb unb ftarf. Sacituö bericRtet: 

„Spät erft gelangt ber 3üngting jum £iebe$erteben, baRer 

*) „©etmonta." 

11 



feine unerfd)öpfte SDfomneSfraft. 2tud) mit ber Q3ermäbjung ber 
3ungfrauen eilt man nid)t. Sie leben in ber gleichen QBeife. 
60 paart fid£> 3üngling unb Jungfrau erft in ber güHe ber 
3a&re, unb bie Sdjar ber ®inber gibt 3eugni3 r>on ber Q3ol(- 
traft ber (Eltern." 1 ) ©letdjieS befunbet (Eäfar in feinen ®rieg:»- 
berieten. 2lud) er ift erftaunt unb ergriffen oon germanifdjer 
Sittenreinf>eit. (Er fdjreibt 2 ): ,,©ie ©ermanen erachten e$ at3 
Sdjanbe, fid) »or bem swanjigften 3a^re (ber Seit be$ (El)e- 
fd)fuffe$) bem anberen ©efd)ted)t ju natyen. ©abei leben fie gar 
nid)t etwa getrennt »oneinanber. Sie baben gemeinfam, nur mit 
fursen gellen befleibet, in ben gtüffen." 

2tn ber Sitte be$ fpäten &etraten$ f;at unfer Q3otf nod) lange 
feftge&alten. ©er ©id)ter ber ©ietrid)$flud)t (1260-1287) fagt, 
bafj »or ber Seit feinet §elben ©ietwart Weber ^Jiann nod) 
SBeib »or bretfjig Sauren heiraten burfte. ©a$ fei nun leiber 
nid)t me^r 33raud), unb bie QBett jeige bie folgen, #$nlicrj 
äußert fid) 3o&<"vne3 Turner, 300 Safyte fpäter, in feinem ©e- 
bidjt: „Q3on (Eetidjä StabtSnutj unb befdjwerben." ©te djrifftidje 
3eit f)<xt mit biefer germanifdjen Sitte gebrochen. — ©er norbifdje 
Genfer; reift fpäter ai§ ber Sübtänber unb bleibt audj> länger 
jung. 3a, er bleibt in feinem Sergen jeitleben^ ein fonnenfro^cä 
®inb, wenn gottwadje (Eltern unb (Erjiefcer tym feine 9latürtid)- 
feit bewahren. 

©ie 23erid)te oon Sacitui unb (Eäfar über bie Sittenretnf;eit 
ber ©ermanen taffen fid) nod) burd) anbere römifdje Schrift* 
fteller ergäben, ^rocop ergäbtt 3 ), bafj Sotita einen ©oten bin- 
rid)ten tieft, at3 er fid) ungebü&rlid) gegen ein neapotitamfdieS 
^äbd)en benahm unb fein Vermögen bem ^ftäbdjen gab. — 
Selbft ber römifdje 23ifd>of Sil»ianu3 »on 9Xaffüia beftätigt 
nod) im fünften 3<$i1>unbert bie Stttenrein&eit ber germani- 
fd)en Q3ö(fer unb fdjreibt*): „3nmitten ber fd)anu)aften ©er- 
manen finb wir (rbmiferje (E^riften) fd)amlo$. 3d> behaupte nod) 
mef)r: Hnfere QBolluft beleibigt fogar bie ©ermanen. Unter ben 
©oten gibt e$ feine gotifdjen 23ubier. 9htr bie 9lömer bürfen 
unter it;nen, gemäfj ber Meinung, bie über bie 2trt biefeS Vol- 
tes f;errfd)t, wottüftig fein. 2Bir (römifd)e Stiften) lieben bie 
Sdjamlofigfeit, bie ©ermanen üerftudjen fie; wir ftieben bie 
®eufd$eit, Jene lieben fie; bie 23ubjerei gilt bei jenen at§ 33er- 

*) (Bermama 20. 

») De bello gallico 6, 21. 

3 ) Bellum got. IV, 6, ©. 20. 

*) „De gubernatione Dei", 7, 24. 

12 



brechen unb fd)liefjt »on ber Q3olfögemeinfd>aft au3, bei un$ 
ift fie eine Sugenb." Itnb weiter 1 ): „SBo ©oten ^errfdjen, finb 
nur nod) bie 9?ömer unäüd)tig, wo aber bie Q3anbalen £errfd>en, 
finb e3 felbft bie 9lömer nidjt me£r: So ftarf wirft tyt (Eifer 
für Sittenrein&eit, fo ifire ftrenge 3ud)t, nid)t nur, bafj fie felbft 
teufd) finb, fonbern, um etwas 9Zeue3 ju metben, etwaä ün« 
gtaublid)e$, ettoaä beinahe ttnerprteS: fie £aben fogar bie 
9lömer feufd) gemacht. " SBenn trotjbem 3erftörungwut mit 
Q3anbali3mu3 beaeidjnet wirb, fo ift ba$ ebenfo bewufjte Q3er- 
leumbung, wie alle bie anberen Sägen über bie norbifdjen "Söl- 
ler. Sie ftammt au$ ber gleichen jübifd>en ©iftqueHe, bie aud) 
im legten QBettfrieg bie ©reuellügen über bie 2)eutfd>en Sol« 
baten oerbreitete. 

3e weiter wir prütfgretfen in ber ©efd)id>te, umfo fiöber bie 
Stellung be$ QBeibeS, aud) bei ben anberen, »on norbifd»en 
2lu$wanberern emporgetragenen Kulturen. So fdjreibt *?)rofef« 
for 25eti$fd) in feinem jweiten 2tuffa$ über „33tbel unb Säbel" 
Oon ber fcofcen SBertung beg 3Beibe3 in ber altbabptonifdjen 
3eit unb fteUf fie in ©egenfat* ju ber btbtifdjen §erabwürbi- 
gung ber grau. — 2)er römifdje SdjriftfteHer 9tfcolau3 S)a- 
mafcenuS fdjreibt »on ben fipfiern: „S)ie Spfier e&ren bie 
grauen me&r als bie Banner, benennen fiel) nad) ber Butter 
unb pintertaffen ipr (Erbe ipren Softem." ©aäfetbe beftatigt 
Serobot auß ber oordjriftlidien 3eit. 3n feiner 9lömifd)en ©e» 
fdjidjte be$ StttertumS 2 ) fd)reibt <?)rofeffor <3Äommfen: „®ie 
grau ftanb ebenbürtig jur Seite beg Cannes, md)t, wie im 
fpäteren römifdjen 9led)t, auf ber Stufe ber S^inber." 35a3 war 
in jener »ordjriftlidjen 3eit, als „ber römifdje SerfuleS" nod; 
nid)t „oom orientaltfd>en ©ift oerjeprt war", wie ber 3«be 
Seine in feiner „©efd)idjte jur Religion" triumpbjerenb au$> 
plaubert. 

3n ben tetänbifdjen SagaS fepen wir Männer unb grauen 
in ftoljer (Ebenbürtigfeit nebeneinanber leben, fo wie fid) ba$ at$ 
felbfwerftänblid; au$ ber germanifd)en ©teid)bered)tigung be$ 
QBeibeS ergab, gret unb felbftbewufjt wirft bie grau im &eim, 
in ber &aUe unb im geftfaat. 3n jwanglofer gröptidjfeit feiern 
bie beiben ©efdjledjter ipre gemeinfamen gefte unb Sonnen- 
tage. Sie trinfen au§ bem gteidjen Sorn, fie baben gemeinfam, 
wie Säfar erjäplt. 2>ie grauen führen ipre klagen unb 



*) (Eieni« 1, 107. 
') SSanfc I. 



13 



SRedtfgftreitiglEetten, untertreiben 9?ed)t^urfunben, bewirtfdjaf» 
ten felbftanbig u)re ©üter, retten jum Sbjng, laufen ü)re Q33a» 
ren am Sd)iff$pla$, machen allein unb unbebjnbert weite 9tei- 
fen, aud) überä <2fteer, fahren bewaffnet mit ben Normannen 
jur See. (Ein abttgeä, fübneS grauengefdjledjt erftebj oor unte- 
ren 2tugen, oon |)öd)fter förperttcfyer Südjtigfeit, ©ewanbt&eit 
unb 2lu3bauer, 9letnbeit ber Seele unb ber ©efinmmg, weit» 
fdjauenb unb großäugig — oljme galfd) — aufrichtig, frei unb 
natürlich unb babei oon weiblicher 2lnmut unb Sd)imbeit. 

^procop erjä&lt oon betn & of>en, fcrjtanfen 2ßud>3, ber weiften 
Saut unb betn btonben Saar ber ©ermanninen 1 ) unb f djreibt, bafj 
felbft bie oerwö&nten Oftrömer taut i&r (Erftaunen äußerten 
über bie Sd)ön&ett ber ©otinnen unb Q3anbatinnen 2 ). 3)a3 
^enngeicljen ber norbtfcfyen grauen war tyr langet, blonbeä 
Saar. Sie ©ermaninnen Waren ftolä auf biefen Scfymud. 
Setge Z$xo\tmä Softer würbe ai§ i>a$ fdjönfte 9Käbd)en oon 
33tanb gerühmt. Saju trug cor allem ü)r golbeneä Saar bei, 
ba$ in ber Sonne wie gefpomtene$ ©olb glänjte unb fie wie 
ein kantet umfüllte 11 ). 

«Dftan fagt mit 9*ect)t, bafj bie £iebe »on Seufzen <3Kenfd)en 
anberö empfunben wirb al§ »on anberen Q3ölfern, wie ja jebe$ 
93olf fein arteigene^ Seelenleben $at. 1 ) S)urc^ Seiftung fucf)f 
ber norbifdje Sftenfcb, bie ©unft be$ ©eliebten au gewinnen. 
2)ie germanifdje grau liebte im 9Eftanne ben greunb, ben Ver- 
trauten ü)rer Seele. Sfyte fiiebe war nid)t, wie bie be3 Süb« 
länberä, ein aufflammenbeS, fdmetl »erlobernbeä ©efttyl, fon- 
bern eine Straft, bie in ber Siefe be3 ©emüteS wuselte. Sie 
entfprang meift im Serjcn be$ QBeibeö, unb ber 9!flann 
empfing fie al§ 2tnerfenmmg feinet (EbelfinneS unb feiner Sä- 
ten, unb er »ergalt fie mit 3uneigung unb Sreue. 

2>ie fdjönften Sieber ber (Ebba, bie Selgilieber, erjagten t>on 
Sigrun, Sagend Soc&ter, wie fie Sdgi begegnet. Sie f)atte t^tt 
fd)on, al$ fie ü)n ba§ erfte <2Jial gefeben, »on ganjer Seele ge- 
liebt. 9iun ift fie Dom Q3ater einem anberen tarnte pgefagt. 
So Httii fie öcfgi: „Sern grimmen Söbbrobbr bin id) oertobt, 
aber bu allein foBft mein Siebfter fein; bocf; fefce id) »orau§, wie 
ber 3orn meiner greunbe fommen wirb. — 3n wenigen 9lact)- 
ten fiu)rt Söbbrobbr micr; f>eim, wenn bu midj nid)t retteft unb 

J ) *Pceccp: Bellum vandal. I, 2. 

s ) «ptocop: Bellum got. III, 1 unb bellum vand. II, 4. 

s ) ©unnlaugsfaga s. c. 4. 

«) 35t. «Dtat&tlbe Subenborff: „35er ©eele Ucforunfl unb 9B«fen", 95b. 1 Ut 3. 

14 



tbn gum §olmgang tabeft." So rebete fie, wie ibr gequälte^ 
§erj e§ ibr fagte, unb §etgi fröftetc fte: „Sorge nid)t um beineS 
Q3ater$ 3orn unb beine$ Stammet gembfdjaft, bu foUft bei 
mir leben, benn bu bift oon eblem ©efd)tect)t." — Sine unjäbt» 
bare <3ftenge »on Sdjiffen unb Pannen Ijat §öbbrobbr gefam» 
melt, and) Sigrun^ Q3ater unb 23rüber fielen ü)m bei. Sie 
Wollen yiatye nehmen an S)d$i, ber bie 33raut raubte. Um fie 
5U fd)üfcen unb ibr beijufteljen, b,atU öelgi Sigrun entführt. 
QBebrlofen grauen ju Reifen, war bem germamfd)en "SÄanne 
felbftoerftänbltdje ©bettat. &mä)tlo§ fämpft §etgt unb über» 
winbet bie SJeinbe alle; aber gefallen finb Sigrun^ Q3ater unb 
23rüber. 9lur einer blieb, 2>ag — ber ^rieben oerfpridjt unb 
ben £>elgi — Sigrun jutiebe — fronte. 23rautgtü<f unb £eib 
um bie Soten fämpfen in Sigrunö Seele. Selgi oermäblt fidj 
mit ü)r, unb fie fdjenft ibm Sityne, aber &etgi wirb nid)t alt. 
Söobt b.at ber überlebenbe 35ag ^rieben gefd>woren, aber bie 
Sippenradje ma^nt ifcn ftärfer. So tötit er &etgi in Obin$ Ijeiti» 
gern §a\n unb flagt fid) fetbft oor Sigrun an. 9leid)e3 QBergetb, 
ja ba3 Ijalbe 9leid), bietet er ber Sdjwefter aU 23ufje. — SSftit 
Q3erad)tung weift fie tbn ab. Zot ift ber tapfere öetgi, K>a3 öitft 
ibr ba ©olb unb 23efifj! ®er ©rab&ügel bedt ibn. Sigrun aber 
finbet feinen Sroft unb Selgi feine 9lube! 2lm Stbenb fommt er 
geritten unb täfjt fie bitten, 3U ü)m ju fommen. 3" ben ©rab» 
büget fteigt Sigrun hinunter, füfjt ben toten ©eliebten unb 
flagt: „(Einfalt finb beine §änbe, überall bift bu oon rotem 
23lute3tau benetjt, h)ie fann id) bir je Sübne bafür fdjaffen?" 
Öelgi antwortet ü)r: „2>u allein $aft Sdjulb baran. 3ebe beiner 
Sranen ift tt)ie 23tut auf meine 23ruft gefallen, falt unb fdjwer; 
aber niemanb foH mir ein Srauerlieb fingen, fdjaut er and) 
meine QBunben; benn bie weifje &a$entod)tet ift bei mir, bem 
Soten, im ©rabe." — 3m Morgengrauen mufj öelgi fort, er 
reitet xiad) QBat^aH. Sigrun bleibt allein. Q3ergeben3 fcarrt fie 
2tbenb für 2lbenb am ©rab&ügel auf ben ©eliebten. 23alb 
bringt ba§ öerjeleib ibr ben Sob. 23eibe aber leben weiter im 
£ieb, fo lange 2)eutfd)e Mütter ü)ren ®inbern oon germani» 

fd>en Selben fingen unb fagen 

2>ie Siebe in ben Selgiliebern ift freilief) anberS alß in ben 
heutigen £iebe$gefd)id)ten. (ES war bei ben ©ermanen einerlei, 
wer fie juerft geftanb, aud) bie grau genofj biefe greibeit. 2)ie 
Siebe be$ norbifdjen "SKanneö war feine weid)lid)e Slnbetung, 
feine oergänglidje Saune ober ein 9laufd) flüchtiger Stunben, 
wie ber Orientale fie liebt. Sie wud)3 tangfam, war tief unb 

15 



»erfcfywiegen wie i>a§ 9fteer, rein unb fpröbc tote 9lorblanb3 
Sd>nee. 23eleibigt ober bebro&t aber burcfybracf) bie jurücfge&at» 
tene ©tut ade ©ämme, beim SEJcanne wie beim QBeibe. 2)a3 
fünben bie norbifcben Sagen. 

23egeifterung unb Siebe erwecft in ber germanifcben grau nur 
ber eble, e^renfyafte 'Uftann. &at fie 2ld)tung »or iijm, fo folgt fie 
ü)m auch, ohne Siebe, wenn ba$ einmal gegebene QBort ober bie 
9?ücffict)t auf bie Sippe e$ forbern. öanbelt aber ber SSftann 
ehrlos, fo erftarrt i&re Siebe, unb fie fcfoeibet »on ü)m. 

©eirmunb fyattt Sfcurib unb ü)r einjährigem Socfytercben »er» 
laffen unb ibr fein ©elb gegeben, ba$ 5?inb ju galten. Sie läfjt 
ein Schiff bereit machen, fegelt ij)m nad) unb legt bei 9lad)t an 
feinem ftiltiegenben Skiffe an. ©amit ©eirmunb fie nict)t »er» 
folgen fann, täfjt fie fein Scbiff anbohren. l 2Bä&renb alle fd)la» 
fen, fetjt S^urib ba3 5?inb auf fein Sager, nimmt fein Scfjwert 
unb »erläfjt ü)n. — ©eirmunb wirb toad) unb ruft fie an; er bit- 
tet fie, ü)m fein Scfywert wieberjugeben, ©elb foHe fie genug t)<X' 
für £aben. 2tber Sburib antwortet: „2>u follft e§ niemals wieber 
bekommen, benn bu $aft biet) in »ielem nid)t eljrenliwft gegen 
mxä) gebalten, unb fo foH eS jWtfcfjen un$ ju (Enbe fein!" Sljurib 
heiratete fpäter ©ubmunb. (E§ fceifjt »on t&r: „Sie war eine 
gute grau, boben Sinnet unb »on überragenbem 3Befen." 

3n ben iStänbifdjen SagaS fommt e$ einige 9Jlate »or, bafj 
ein 9Kann ftd) fo weit »ergibt, bafj er feine grau fdjlägt. Sie 
räd)t ben Schlag ober flagt auf Sdjeibung, unb fie finbet Wedjt; 
benn i>a$ gefunbe germanifdje (Empftnben »erbot bem Spanne, 
feine förperticfye Überlegenheit fo ju mißbrauchen. @3 empörte 
ftd) über folcfye 9lof;eit. ®er ^elbifdje ©ermane fämpfte nur 
gegen ü)m an ®örperfraft gleichwertige ©egner. Scfywädjere 
ober QSßebrlofe anzugreifen, galt i£m feiger freuet. 

G.§ war eine fcfyöne unb Weife germanifebe Sitte, bafj man ben 
Södjtern feine Mitgift gab. So würben fie nicb,t um be3 Q3er» 
mögend willen, fonbern um ibrer 'perfönlidjfeit willen begehrt. 
Sie germanifdje (E£e war feine ®aufefce, bie 23raut feine 2Bare, 
bie »erfdjadjert würbe, wenn man e$ auefy fyute nod) »ietfacb, fo 
barftellt. 2)ie Mitgift brachte ber ^ann feiner 23raut als 
Sodjjeitgabe, fie blieb ibr eigen bis in ben Sob. CErft in ber 
fpäteren, cfyriftlicfjen 3eit famen bie 2tu3ftattungen auf. 

Um bie grau ju fcfyütjen, würbe ü)r ein ^Jiuntwalf gegeben. 
2)a3 Sßort SDfotnt bebeutet Scfyufc, nidjt dwa Q3ormunb, Wie 
man e$ fätfcf)lidt> auflegt. — 23i3 jur Seirat f;atte ber Q3ater 
bieg 2lmt; wenn er ftarb, ber 23ruber, in ber (E^e ber Qbatte. 

16 



©afür Ijatte er einen Seilanfprud) an ibr (Erbe. 2)a3 ^untredtf 
Würbe u)m genommen, wenn er feiner ©attin unwürbig begeg- 
nete. — gür biefe£ Sd)ut$red)t jaulte ber (Ehegatte eine Summe, 
bie aber fein &aufgetb War für bie 23rauf, fonbern eine (Enf» 
fdjäbigung bafür, bafj er ü)r (Erbgut »erwatten burfte. ©a$ 
cfyrifttidje <2ftärd)en oon ber &aufe^e wibertegt ber 9?ed)t3bjfto» 
rifer 9lid)arb Sdjröber 1 ), wenn er fd>reibt: „2)ie burcfygrei* 
fenbe 9leget ift, bafy fein QSeib wiber feinen QBiKen »erheiratet 
»erben fann." (Ebenfo fagt ber 'präbjftorifer ^rofeffor 9?edel 2 ): 
„2)ie <2ftäbd)en waren fotibarifd) mit if;rer Sippe, f;anbetten nur 
au3na£m3weife anberS als im (Einflang mit iljr, ftanben aber 
nidjt in ber öörigfeit ü;rer männlichen Q3erwanbten." 

2)ie 9?ed)t3gefd)id)te erwähnt aU ättefte gorm ber germani- 
fd>en (E^e bie SRaubef;e. SacituS, als ätfefter ©ewaf>r3mann, 
erwähnt fie nid)t. Sie ift aber gwcifettoö »orgefommen. Sprach 
bie Stimme be3 23lute3, wie bei Hermann unb SI?u3netba, 
willigte alfo bie 23raut ein, fo fann man ben 23rautraub nidtf 
greoet nennen. 23ei ben griefen würbe bie ©eraubte jwifdjen 
ü)re (Eltern unb ben (Entführer gefteHf. QBenn fie fid) ibm 5U« 
wanbte, war alles gefüljnt. 2Burbe fie gegen iljren eigenen SSil* 
len entführt, fo würbe fotd»e Zat aU eineä ber ftud)Würbtgften 
Q3erbred)en geafmbet. 3 ) 9?ad) iStänbtfdjem 9?ed)f traf nid)t nur 
ben 23rauträuber, fonbern aud) ben <2flitwtffer, fd;Werfte Strafe 
unb bie Olactje ber Sippe. 

3e weiter nad) Sorben, befto reiner bie Sitten, weit bie 
23lut3reint;eit bier länger erhalten blieb. 3)urd) feine meer» 
umfd)toffene Sage f;at 33tanb fid» germanifdje £eben£art 
am längften bewaf)r:L 9DWt 20 Sauren »erfügte bort ba3 
9)Mbd)en frei über fein Vermögen. 2lud) wenn e3 heiratete, 
blieb ba3 fo. 4 ) Sa3 norWegifdje gorftatbjnggefetj fagt, bafj 
„^ann wie grau it>r Q3ermögen fo lange fetbft per- 
Watten, a.U fie bie Straft §aben, auf bem §od)fit$ be$ §aufe3 
3U fitjen." 

23et ©üteroerfäufen, bie »on grauen Vorgenommen werben, 
ftebj aud) unter alemannifdjem, falifdjem unb langobarbifd>em 
9?ed)t bie ünterfdjrift ber grau in ben ürfunben »oran. — 

gür bie ©leid)Wertung ber germanifdjen grau jeugt aud) baß 
QBeljrgetb, baß für eine getötete grau ebenfo tyod) ift wie für 

') Dti*arb ©dirSber: ,,©efd>i*te be« e&elt*cn ©üferre#f8 in ®euifd)Ianb." 
s ) ©uftn« ültdtl: „Siebe unb (E$e bei ben \>oti)tiftliä)tn ©ermanen." 
») 2BiIbe: ©trafre*t ber ©ermanen, 829-849. 
*) Grägäs arfath, 4. 

2 17 



ben 9Kttnn. 5a, mandje Stamme aljnbeten biß Verlegung ber 
grau fcö&er als bie beS Cannes unb forberten ^öljere duften 1 ), 
fo bie 33a$em unb Sitemannen nod) einmal fo j)od), anbete gar 
breimat fo fcod). ©ermanifdjer (Ebetfinn gebot, ben grauen ju 
fjetfen unb fte ju fdjüijen. (Erft in ber djriftttdjen 3eit — unter 
bem ©tnftufj ber ®ird)e — würbe ber QBert ber grau bis ju 
einem ©rittet unter ben QSert beS Cannes ^eruntergefetjt. 2 ) 

QSeit baß 2Birtunggebiet ber germanifdjen grau nidjt an ber 
SauStüre aufhörte, fo würbe fie für u)re fco^en "pflidtfen an ber 
Sippe unb am Q3olf auef) entfprecfyenb oorgebilbet. Sie nimmt 
teil an ber fcofcen Kultur ü)rer Seit. Sie weifj t>on fcerrlidjen 
Selbentaten tfireS 33ot!eS ju fagen unb begeiftert für fie. Sie 
lernt unb leljrt, ernfte unb fro^e QSeifen ju fingen. Sie legt 
unb beutet bie 9?unen unb ritjt fie in baS Sotj ber 23ud>e 
(23ucf;ftaben), in Stein unb Metall. Sie entfaltet ü)ren Sdjßn» 
fyeitwiHen im QBirfen unb QSeben fteibfamer ©ewänber. Sie 
fermtüdt baß Seim unb bie SaHe, tpeifj Q3otfSfefte burd) Spiele, 
9leigen unb Sänge frob, unb fünftterifcf; 3U geftatten. Sie wirb 
für ü;r ^eiliges ^utteramt oorbereitet, inbem man il)r, wie bem 
3üngling, bie ^o&e Verantwortung bewufjt mad)t, ü)rem Q3otfe 
gefunbe ®tnber gu fdjenfen unb barum Körper unb Seele rein 
unb fraftooH ju ermatten. Sie wacfyt über bie 9)öb,e unb 9lein^eit 
ber Sitten im 93olfe. 9Wan fud)t ibren 9lat unb freut fid) i^rer 
gürforge. Sie §eitt tränte unb Q3erwunbete. So fünbet bie 

©tumSfage, ZbnU XI: „ SaUorba tiefe beim Kampfe 

©tumS gegen Slwrarin u;re grauen mitgeben — „wir wollen 
bie SBunben ber Männer Perbtnben, in benen nodj) £eben ift, 
aus welcher Sd>ar fie aud) finb". 2tber als fie borten tarn, fiel 
Sjwrarin burd) Wax; bie 2ld)fel war ü)m weggeriffen, bafj bie 
fiungen heraustraten. öaHorba aber öerbanb feine Söunbe unb 
fafj bei ü)m, biß ber^ampf oorbei war." — 2lud) bie grau lernte 
ben ©ebraud) ber QSaffen, ba fie biß SelbftfdmtjeS ja nod; me^r 
bebarf alß ber <2ßann. <2>aß Schwert gibt bie Butter bem ®na« 
ben. Über ü)rem %>la§ im &eim Rängen 2)old) unb Sd)itb, 
3eid;en i^rer QSeb^aftigteit. 

So ift fie bie fraftPoHe SebenS« unb Sd)idfalSgefctyrttn beS 
Cannes, mit bem fie greube unb ©efa^r im Seim unb im 
Kampfe teilt. §öd)fte 'pflidjten unb f>öd)fte 9*ed)te auf beiben 
Seiten, eine tebenSbeja^enbe ©emeinfdjaft ber Satenfreube. 



*) aBcdcrgoet ©efefce (ber griefen) 465, 23. 
2 ) ©ae^fenfptegel unb ©ifcnxibenfptegel. 



18 



%>d> in ben erffcn 3a$r^unberten ber römifd)-d)rifflid)en 
3eitred>mmg lebten fo bte Reiben ©efd)ted)ter, hrie au3 ben 
23erid)ten t>on Sacitu^, Säfar, ^ßxocop, <$>lutard) unb Satpia» 
nu3 J^eroorgeftf. 2)afj bei biefer gemeinfamen güjjrung fon 
^ann unb grau baß Q3ot! gebief» unb glüdttd) tvax, baß be* 
fagt aud) ber 23erid)t be3 ©efd)id)tfd)reiber3 Paulus 2)iaconu3 
oon ben germanifdjen £angobarben: „ilnb ba3 toar in ber Sat 
hmnberbar im 9?eid)e ber fiangobarben: 5Mne ©ewatttätigfeit 
ttuttbe begangen, feine geheimen 2lnfd)läge ttutrben gemadjt. 
9liemanb ttmrbe ungered)tertt>eife ju gronbienften gezwungen, 
niemanb ptünberte. 5)iebftaljl unb Räubereien fielen nid)t Por. 
3eber tonnte, ttrie e3 it>m gefiel, o^ne gurd)t unb Sorge leben." 

3n ©ottoerbunben^eit adtfeten bie germanifcfyen RaturPötfer 
— „nur fid) felbft gteid/' — in ^eiliger greittnHigteit u)re Sit» 
tengefeije, otme ©ebote. — Sie lebten bie "Sftorat, bie fid) au$ 
35eutfd)em ©otterlennen ergibt. Sie fugten Q3oHfomment)ett 
au3 eigener Straft — nidjit burcb, (Brtöfung — ju erringen, fo 
ttne iß baß ©utfein ber 2)eutfd>en Seele forbert. 1 ) 

©er ©ermane ging tobbrof>enben Stufgaben nid)f auß bem 
QSege au$ £eibfurd)t unb ©lüd^ttriHen, „um Schlimmerem ju 
»erlitten", toenn ba3 Sdjidfat ü)n cor fd)tt>ere ©ntfdjeibungen 
fteHte. Sftodjte ber Q2ßeg, ber Por u)m tag, aud) nod) fo teibPolt 
fein. 2>a3 fagen unß bie ©eutfdjen §etbenfagen, bie au3 (Er- 
tebtem gefdjöpft tourben, ü)re 9Mnner unb grauen. S)a biefe 
Sdjrift ber SBteberertoedung ber gotte^ftotjen, ^odjgemuten, 
germanifdjen grau gilt, feien cor allem bie grauen genannt. 

23 r u n H t b ! 9lur bem tapferff en, furd)ttofen Setben n>oHte 
23runt>ilb gehören, bem Siegfrieb. — SOWt innerem SSMber» 
ftreben fotgt fie bem 23urgunbertomg. 9iod> adjfet fie in iljm 
ben 9ftanne3mut. 2tt$ fie aber erfährt, bafj er fie mit £iff ge- 
wonnen unb betrogen rjat, ift baß 23anb jerfdjnitten. &ß §ätt 
23rmu)itb nid)t yflafyt, nid)t ©tanj, nid)t bie $rone ber 23ur« 
gunbertonigtn, ein toürbelofeS £eben ju erfragen. Sie räd)f bie 
erlittene Scfymad) unb fitt)nt ü)re 9lad)e mit bem greitob. Stuf 
SiegfriebS SJpferb ©rane fprengt fie in baß gtammenmeer, ba§ 
i|m beftattet. ^Biffenb unb tootlenb Ijat fie bieS (Enbe Porberei« 
Ut. £ieber tot aU in Sd;anbe leben! So benft 23rmu)itb. 

5? r i m $ 1 1 b ! Sie bjelt ben toten Siegfrieb im Sdjofj, ba$ 
Seuerfte, tt>a3 bie (£rbe für fie trug. 93on i|»r crga^tt bie (£bba: 
,,©od) ^rim^itb toeinte ni(^t. So tt>eb, tt?ar 5?rim^ilb, bod) 

*) ©r. «SKa^tlbe Subcnbcrff: „©eliftfdjöpfung." 

2* 19 



ßrimbjlb tonnte unb Wollte bod; immer nid)t weinen." (Erft al$ 
man SiegfriebS QSunben aufbedt, ba breiten tf>re Sränen wie 
ein Sturjbad) beröor. 

© u b r u n ! Q3on frembem S?ömg$fot;n geraubt, wirb if>r 
©tanj, 9Wad>t unb QBobJteben jugefagt, wenn fie feine QBer» 
bung erhört. 2)od) ©ubrun täfjt fid) lieber jahrelang bemütigen, 
tut Ijärtefte 2lrbeit, aber bie Sreue läfjt fie nictjt. ©reijebn Safyxe 
fcarrt ©ubrun beß Q3ertobten, bafj er fie in bie Seimat jurüd- 
füfcrt. 3n gleicher Sreue benft unb wirft ber ©eltebte all bie 
3a&re nur für i|>rc Befreiung. — ©röfje, 9leinl)eit unb (Ebel- 
finn jeidmen aud) ben geinb au§, ben 9lormannen^erjog: (Er 
liebt ©ubrun, aber er erjwingt fid) nidjt, wa$ fie vbm nid)t frei- 
willig gewäbrt, obwohl fie in feiner <3J£ad)t ift. ©ermanifdjeS 
©enfen fd)lofj fotdje ilntat au3. — (Ein f)ei)ve§ 23ilb unerfdjüt- 
tertidjer norbtfdjer Sreue ift baß ©ubrunlieb unb ein Sd)id- 
fal3bilb ber ©eutfdjen grau. 2öte ©ubrun würbe aud) fie burd) 
frembe (Smflüffe unb ©ewalten jur 9ftagb unb SDienerin er- 
niebrigt unb wartet barauf, bafj ber 2>eutfd)e <2ftann fie wieber 
$etnü)olt in ü)re einftmatige $oi)e Stellung in Sippe unb Q3oK, 
in germanifd>e grauenefjrung unb greifjeit! 

6 i g n e ! SBälfeS fonnige Sod)ter, in qualüolter (Ef)e bem 
finfteren, fcafjburdjfefcten, neiboollen ®önig Siggeir »erbunben, 
bem fie um beß Q3ater3 willen folgte. (Sr tötet burd) Q3errat 
unb 9tfebertrad)t ü)re gange Sippe. 9htr ein 23ruber bleibt ibr, 
ber in ben Sßalb entfommt. 2tuf Signe liegt baß fd>were 2lmt 
ber Sippenradje, t>aß unfere Sinnen mit fo erfd)ütternber Setbft- 
»erftänbtidtfeit übten, bem fie all ibr ©lüd^woßen unterorbne- 
ten. 3wei Söljne jtefrt fie oon Siggeir grofe. Sie gleichen ü)r 
Wobt äufjcrlict), aber fie baben baß neiboolle, finftere QBefen 
beß ©atten. 2>a« ift ibr tieffteS SBeb, bafj fie ben glud) ber 
9laffenmifd)ung an ü?rem eigenen 23tute erfahren mufj. Sie 
Weift, bafj biefe Sö^ne nie bie 9lad)e üoCjie|)en werben. So 
fd)idt fie fie in ben fieberen Sob unb gibt fid) unerfannt bem 
23ruber, um einen ed)ten 2Bälfen ju gebären, ber it;r jum 
9*äd>er unb 23efreier wirb. Q-ß winft Signe nad) ooHgogener 
Sippenradje greibeit unb ©lud. ©od) fdjwer laftet auf ü)r bie 
Sd^utb. Signe »ergibt nid)t, bafj fie tyrem ©atten untreu 
Würbe, unb biefen Sreubrud) will Signe fübnen. 2)a3 jwingt 
fie, 2lbfd)ieb ju nehmen oon allem, xoaß bie (Erbe i|)r Sd)öne§ 
nod) geben fonnte, »on bem ©lud, baß ü)r bie 2lrme entgegen- 
breitet. Sie tritt jurüd in baß brennenbe §au3 unb ftirbt frei- 
Willig ben glammentob. So geftaltet Signe im Sobe Q3oHfom« 

20 




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menfjeit burd) Selbfterlöfung. Sie bebaute freilid) nid)t, bafj 
aud) Sreue unfittttct) fein fann. 

Sreue ift SBefen^jug be3 ©ermatten. Sie würbe aber gar off 
ju feinem unb be3 S3olfe3 Q3erf;ängm3, weil fie blinb gehalten 
würbe. 2)a3 einmal gegebene QBort galt at3 binbenb, aud) wenn 
bie (Brfenntnte wad) würbe, bafj e3 an einen Hnwürbigen fettete 
unb bamit ba$ QBtbergöttltdje ftärfte. Hnfere geinbe tyaben fid) 
bie „©eutfdie Sreue" gar oft ju 92utjen gemacht unb ^aben 
2)eutfd)e 'UJienfdjen mit ©elübben gebunben, bie ©eutfdie Sreue» 
pflid)t für unlösbar f)ielt unb bie fo jum feelifdjen 3erbred>en 
Sinjelner unb jum Q3erberb be$ 33otfe$ führten. Sitttid) ift 
Sreue nur bann, wenn fie bem (£blen unb ©ötttidjen gilt. 

(E3 finb nid)t nur bie Selben be$ W()tf)o§, bie fold)e (Er- 
habenheit unb ©röfje lebten. Sie leudjtet aud) immer wieber in 
ber ©eutfdjen ©efd)id;te auf. Senfen wir an Sermann, bem wir 
am meiften »erbanfen. S)enn Ratten wir Hermann nid)t ge» 
t;abt, wir Ratten fd)on längft fein ©eutfcfylanb mef;r. 2>a3 weift 
aud) 9lom. (E3 f;at ben Seutoburger SBalb nie üergeffen. Ser* 
mann waren am üppigen 9lömerlwfe 9?eid)tum unb QBobJ« 
leben gewifj, wenn er bie 9)dmat »erriet; aber er bleibt % treu 
unb wirb i&r jum fetter unb 9läd)er. ©teidjc ©röfje lebte 
S^u^netba. SDem Safj ifcrer ganjen Sippe jum Ztofy war fie 
fein QBeib geworben, ©feid)e3 Senfen, gleidjeS «Junten für bie 
rombebroljte £>eimat oerbanb it;re Seelen. Sie war bjnauSge« 
wadjfen über tyten Q3ater, ben Segeft, ber bem Sermann ben 
Serjog^mantet neibete, ber sunt 9lömting würbe unb bie eigene 
Sod)ter bem geinbe übergab. 

3)a3 ift bie tiefe Sragif im £eben unfereS Q3olfe3, feitbem 
römifdier ©eift in ba3 germanifdje QSalblanb brang, bafj neben 
bem ^ermann aud) immer wieber ber Segeft ftanb, ber jum 
Verräter am greunb unb an ber 5)e\mat würbe. 

9?om hoffte, Sämann burd) bie 5?ned)tung feinet QBeibeä 
ju beugen, aber einem Sermann galt ba$ Sd)idfal ber Seimat 
t;öber als fein eigene^ tieffteä £eib — er fämpfte weiter, fo bafji 
9lom ba3 QSieberfommen mit bem Sdjwerte für immer oergafj. 

Sie ^inafot^ef in <2ftünd)en bmafyxt ein 23ilb, ba$ — in (£in- 
famfeit unb (Erhabenheit — SljuSnetbaS erfd)ütternbe$ Sdjidfal 
fünbet unb unoergefjtid) in bie ©eutfdje Seele greift. Q3iet 
fönnte ba3 S)eutfd)e Q3olf baraug fernen, ©en Sriumpb, über 
bie gefangene ©ermanin Wollte fefbft ber (Eäfar miterfeben. 
Sein SiegeSjubet erftirbt, feine 23lide fenfen fid) »or bem 
Stolj, oor ber föniglidjen 2Bürbe unb ber trotzigen Q3erad>tung 

21 



bcr einen 35eutfd)en grau in heften, — bie ü)r graufameS ©efd)id 
fo beberrfdjit unb ergaben fragt. „3for <3d)merj war ftumm; fie 
fmtte feine Sräne nod) 23itten", fdjreibt SacituS. Seiber festen 
„jufälltg" in feinen 2lnnaten bie ©teilen, bie über S^uSnelbct!» 
»eiteret (Ergeben 2luffd)lufj gaben. 2Bir fömten fo nur al§ 
Wabrfcbeinlid) annehmen, xoa§ ber 2>eutfd)e Sinter griebrid) 
Salm in bem Srauerfpiet: ©er Q=ed)ter oon ^aoenna 1 ) er» 
fd)üttemb fünbet. G.$ fanb freilid) nie ben QSeg auf bie 2)eut» 
fdjen 23üfmen. ©ermanen mad>en fid) ja tädjerlid)! SBobl wabr, 
bafj fo »iel ©röfje unb fotd;e (Er&abenbeit fd;led)t auf bie Bret- 
ter »on bleute pafjt. griebrid) £>alm erjäblt: SlmSnelba wirb ü)r 
Heiner Gobn genommen unb üon ben Römern jum ©labiator, 
gum g=ed)ter, erlogen. CErft als er 3üngting geworben ift, fie|)t 
fie ibn wieber. QBie fyatte fie biefen Sag all bie $ab.ve erfefmt! 
QSie web wirb ibr, al$ fie erfennen mufj, bafj ber (Sobn ü)r ein 
$rember geworben. 9lid)t3 weif} er oon Seimat unb Q3aterlanb, 
faum »erftebt er bie <2ftutterfprad)e. QSie foHte er aud), ba er 
bod) all bie 3abre ibren Solang fo feiten oernabm. 9?ur eines 
ift nod) ©eutfd) in ü)m geblieben, fein S^ampfeSmut. 2lber nid)t, 
um bie Butter ju befreien unb bie Seimt 5U räd>en, ttriH er 
fämpfen. 9tan, er will fid) al<§ römifdjer ged)ter oor bem 
Säfar berfortw«- — 33ergeblid) oerfudjt bie Butter, u)n jur 
gemeinfamen gludjt ju bewegen. Sie weif} um fein <5d)idfal. 
60 tötet fie ben fdjtafenben Sobn unb bann fid) felbft. 3br 
S)eutfd;er Stotj betvaf)Tk ibn baoor, bafe er unter ben 2lugen 
feiner Butter »or bem däfar fiel, wie fabtftifcber Wmerbaf} e3 

auSgefonnen i>atte. Unb 9lom$ SMfer triumphierte über 

£eid)en. QBenn bie römifd)en ©labiatoren in bie 2trena 

traten, fo wußten fie, bafj wobt feiner fie tebenb »erlief, unb 
bann grüfjten fie ben Säfar mit ber rechten &anb unb mit bem 
9luf: „Ave Caesar, morituri te salutant", bie SobgeWeibten 
grüben bidj, (Eäfar! — Unb Wenn bie norbifdjen S^reujfabrer 
nadj ber afiatifdjen QBüfte jogen, um t>a$ ©rab eines Suben 
gu befreien — fie wufjten aud), bafj nur wenige bie Seimat wie* 
berfaben, — bann grüßten fie bie römifeben 23ifd)öfe mit bem 

ßleidjen ©tabiatorengrufj. 

SBarum fagt man ben 2>eutfd)en SSinbern fo wenig ober mä)t§ 
öon ber ©röfje ibrer 2lbnen? Ob nid)t bie 2lugen ber Keinen 
©eutfd>en <2ftäbd>en tyU aufleuditen möchten, wenn man ü)nen 
»on biefer b,ob,en Seutfdjen grau erjagt, ob nid;t ü)r Q3orbitb 

*) SXeclam Söctlag» £")>ätg. 
22 



fie mit Straft unb ©icgtt>iHc erfüllen Wnnte, im Seben jebwebe$ 
Sd)idfal ju meiftern unb fie emporwadjfen ließe ju germanifdjer 
grauenwürbe! — Ober foHte %>a§ Q3orbitb einer Sarab unb 

Webdia baä beffer erreidjen? Itnb bie ©eutfdjen 3ungen, 

bie boren, wie S)ctmann ben üppigen Wmerbof fliegt, um bie 
£>eimat ju retten, ttrie er bie germanifcfyen Stamme jur (Einig» 
feit wedt, bie fie fiegreid) unb unüberwinbbar machte, fie möchte 
Wut unb tiefe Q3erbunbenbeit mit Q3olf unb §eimat burd)» 
glüben unb fie wobt $etbifd>er machen aU ba3 Q3orbitb ber Mb- 
tifcfyen 3uben. Sie mögen ben jübifdjen $inbern wertooH btei» 
ben, aber toa$ gef>en fie unfere 35eutfd>e 3ugenb an?! 

Sine 3ungfd>ar, bie ba$ tiefernfte Sdjidfat &ermann3 in ber 
Seele miterlebte, würbe fid) gewiß niemals ju foldjer Sinnen» 
fd)tnäbung b^rabwürbigen, wie farbentragenbe ©eutfd)e Stu* 
benten fie treiben, wenn fie fingen: „ilnb fein QSeib SbuSnetb' 
foff at$ wie ein &au3fnecf)t", — um bamit ibr übermäßigem 

Srinfen ju rechtfertigen. So malt man ber männlid>en 

3ugenb bie größte unb reinfte ©eutfdje grau! — 

(Seht unferen 2)eutfd)en ®inbern bie ©eutfdje ©e» 
f d) i d) t e alß ein beiligeä 23ud>. — 9lid)t in nüchternen 3ib- 
reSjabten, im trodenen unb toten 2tu$wenbigternen »on Sd)lad>» 
ten unb &aifergefd)led)tern, aud) nid)t in btinber 2lb"ent>ergot- 
tung, fonbern, unter QBertung aller boljen Sugenben unb »er« 
ibängnteüollen Sdnoädjen be$ ©eutfdjen 9*affeerbgute$, jur 23e« 
geifterung für ©röße unb (Ebelfinn unb, in (ErfenntniS begange* 
ner gebier, jur ernften 2d)xe für bie 3ulunft. 

„fiieber tot al$ Sita»", fo bad)te bie germanifd>e grau. SaS 
beftatigen römifdje SdjriftfteHer. So fdjreibt "plutard) 1 ) »on 
ben römifdjen kämpfen mit (Eimbern unb Teutonen: „Stuf ber 
SBagenburg fod)ten bie SBeiber nod) lange, im we&enben ©otb« 
baar, unb fämpften tetl$ gegen bie Wmer, teite gegen ü)re 
eigenen jurüdftutenben Männer, unb al§ fie aUei üertoren 
faben, töteten fie ü)re S^inber unb fid) fetbft. $ehte ergab fidi» 
in ©efangenfdjaft." 

greilid), ein Q3olf mit foldjen grauen war unüberwinblid). 
®a3 wußte 9lom unb erfannte ber 3ube, ber fd>on ju fener 
3eit „ba$ germent ber nationalen ©ecompofition" mar, wie 
ber ©efd)id)tforf<f)er <2)commfen 2 ) ü;n nennt. Sllfo ju 3)eutfd) 
ber Q3erwefungfeim, ber ba3 lateinifdje Q3otf fdjon bamatS 3er- 
fetjt unb entartet batte. 2)a3 oerjubete 9lom fab, febr wobi: 



*) <piu<ar<&: Marius, cap. 27. 

s ) SHcmmfen: „9iömtf«e @ef*t<&fe btt Altertum«." 



23 



btefe £etbifd)ett Q3ötfer be§ 9iorben3 waren mit bem ©cbwert 
nidjt 3U befiegen, aud) nid)t mit (Selb ju laufen. Sa mußten 
anbere bittet unb QSege erfonnen werben, um fie gu gatl §u 
bringen, geistige QSaffen! — Stnb 9lom erfann fie, benn cß 
toufete: „gjja^ant finb bie blonben öunbe 

unb t>erfd)mäben ©etb unb ©ut, 

jwinge nid)t mit folgen <2)litteln 

ben bebtirfniSarmen 9?orben, 

WtUft bu u)re fieiber tnedjten, 

mu§t bu ibre Seelen morben." 



£)te X)euffd?e grau unter bem @twaa,oa,ena,efe^ 

60 bxaö)U 9lom nun ftatt bem Schwerte baß ®reuj in bie 
2)eutfd)en QBälber, um fo bem 3)eutfd>en Q3otfe baß gleite 
Gcfyidfal ju bereiten, an bem eß felbft jerbrodjen war. 2)er }übi« 
fd)e Siebter Seine rannte bie ©rünbe, bie ben Q3erfaH be$ einfti» 
gen römifeben §etbett>otfe$ herbeigeführt batten. (Er fdjrieb 1 ): 
„^Babrtid) 9?om, ber §erfule§ unter ben Q3ölfern, würbe burd) 
baß jübifebe ©ift fo wirifam »erjebrt, bafj &elm unb öamifd) 
feinen weltenben ©Hebern entfanfen, unb feine <3d)tad)tftimme 
jum betenben "^faffengewimmer würbe." (Ebenfo ernannte fie 
gXuffoltni 2 ), alß er — t>or bem $rieg — bamalS nod; ein 3ün« 
ger 9tfe^fd>e3, in ©enf Q3anber»elbe entgegentrat, ber öon ben 
fosiatiftifeben 3been beß (Erlöfer3 unb öom fettigen Kommunis- 
mus fprad). 2)a antwortete ü)m ^uffotini ganj richtig: 

„3efu3 unb feine 3ünger finb fdjulbig, benn fie baben ben 
23au beß mäd)ttgen römifdjen 9leid)e§ untergraben. Sie baben 
bie 5?raft unb ben 9ftut getötet, bie 9?om groft unb bie 9lömer 
unfterblid) gemacht baben. 2lnfteße üon Kraft, 9ttut unb 9Jlänn- 
tid)feit baben fie ©emut, 2lrmut unb griebfertigfeit auf ben 
Sbron ber (Eäfaren erboben. ©ie '■ßlorai ber GtTaoen! Unb baß 
einft fo mächtige 9?om würbe »erfeuebt oon biefen fftaoifdjen 
Sebren unb war nid)t mebr imftanbe, ber »on Sorben berein- 
bredjenben glut ber 23arbaren ju wiberfteben. Steffen flage icb 

CEbriftu^ an." Unb 1929 üerfünbete ^uffolini öffentlich: 

„QBenn 9lom ftet) ntd)t beß (EbriftentumS angenommen fyätte, 
Wäre baß (Ebriftentum eine orientalifcfye Seite geblieben." — 



*) feilte: „®t\ä)ii)U jur SXeltgton." 
2 ) £. ». jfcmecfw: „II duce". 



24 



„^ofe StubJ fam al§ Spetri Stubl nad) 9lom", fcfyreibf im 
gleichen Sinne ber ^ir<^en^iftortJcr <£rof. ©r. QBolf. 1 ) — 

©a£ »erfinfenbe 9lom, »om 23lut unb ©eift be$ Oriente 3er» 
fetjt, e3 gitterte »or ben blonben liefen, bie in ifirer Sonnen- 
feJ)nfud;t immer ttrieber über bie 2llpen ftürmten. So nutfjte e§ 
fid) feinen anberen 9lat, fie abjuwebren, al$ bie Se^re aud) nad) 
bem 9lorben ju tragen, bie fo ttnrffam Straft unb §elbenmut ber 
9lömer jerftört fyatte. 

Q.§ ift tüobl fdrtoertid; ein 3ufaQ, bafj in jener 3eit, al3 ber 
gange germanifdje Sorben in aßen feinen Stämmen gegen 
9lom aufbrad) unb gewaltige Siege erfod)t, ein 'prieftertonjtt 
nad) 9licäa einberufen ttntrbe (325 n. (Ebr.), ba3 fefttegte, 
meldje oon ben adjtjig, äße oon 3uben niebergefdiriebenen 
(Eoangetien „göttliche Offenbarung" feien. Q3ier tourben baju 
beftimmt unb mit ber jübifd)en gamiliengefd)id)te be3 Sitten 
SeftamentS 5U einem in fid) untrennbaren 23ud>e »ereinigf. — 
©amit \)atte 3uba bie Söaffe gefunben, bie e3 jum 23e£errfd>er 
ber "SSctt madjte, tt)ie e§ ^Jiofe^ 2 ) ibm öerbeifjen t)atte. — Vflxt 
biefer QBaffe eroberte e§ fid) nun aud) ba$ germamfcfye 
Söatblanb. 

3n ba$ ©emanb ber 9lad)f gefüllt, tarnen bie <prieffer in 
unfere fonnenfrobe Seimat, mit bem gefreugigten ©ott. Unb fie 
fangen wie &tmmet3barfen potn „^rieben auf (Erben unb ben 
9!ftenfd)en ein2öoblgefatlen",unb fie wifperten toie mit Sauben« 
ftimmen: „Selig finb bie 23armber3igen, fetig finb bie grieb- 
fertigen, feiig finb bie Sanftmütigen". 2Bie fd>meid)ette fid) 
foldjer Sang in bie liebreiche, friebfrobe ©eutfcfye Seele, ®inb* 
tid) arglos unb gutgläubig laufdtfe fie ibm. greitid), gar oiete 
»erfdjloffen fid) ber fremben £ef)re. G.3 fd)ien ü)nen 5U lamm- 
fromm unb ju fd)af$gebulbig unb aud) »otf^erftörenb,ben^einb 
ju lieben; ju fegnen, ber einem fludjte, unb — gefdjlagen — aud) 
nod) bie anbere QBange barjubieten. Sie lebnten ben neuen ©tau- 
ben ab, ber fie au3 Q3otf unb Stamm berauSerlöfen trollte 3 ) unb 
iooHten an ibrem arteigenen ©enfen feftbatten, t>a$ ü)nen Vßui 
unb Straft unb ©otteSftotj gab. Sie fetten e3 nid)t für mögtid), 
bafj man jemanbem bie ^reibeit be3 ©eifteS nebmen fönnte, bie 
fie bod) aud; jebem gönnten. Sie fottten gar balb erfahren, t>a$ 
auf fie bie d)riftlid)e 23arm^eräigfeit unb 9iäd)ftentiebe feine 
Slnwenbung fanb, bafj man nod) anbere Sänge Ijatte, 00H §afj 

*) 3Botf: „Tfngewanbte £ird>engef*i<&te." 

3 )5.«9lofe« 7, 16. 

*) Offenbarung 3o&. ?, 9. 

25 



unb geinbfdjaft, bie felbft ©ippen trennten unb Sd>wefter gegen 
23ruber, ®inber gegen (Eltern t)e$ten: „2Ber nid)t Raffet Q3ater 
unb Butter, ber fann mein 3ünger nid)t fein!" 1 ) gür alle bie 
Starten, 2lufrec|)ten unb Sreuen im fianbe galten bie grau« 
famen 2Beifungen 2 ): „©od) jene meine geinbe, bie nid)t wol- 
len, bafj id) über fie fcerrfdjen fotlte, bringet fcer unb erfdjtaget fie 
»or mir." Sie gaben entarteten ©eutfdien t>a$ gute ©ewiffen, 
gegen t^r eigene^ 23tut, gegen vbre Q3olt3gefdmrifter ju wüten. 
Unb weiter: „3d> bin md)t getommen, ^rieben ju bringen, fon» 
bern ba§ Sd)Wert." 8 ) ,,3d) bin gefommen, ein geuer anjujünben, 
unb tva§ wollte id) lieber, benn e3 brennete fd>on. Hnb fo fyat 
e§ benn auet) immer wieber gebrannt, gebrannt bi§ in bie jüngfte 
3eit hinein. 

„QSie fiämmer fcaben wir un$ eingefd)lid)en, 
wie QBölfe baben wir gekauft, 
unb at§ Slbter finb wir wiebergeletyrt." — 
9lod) einmal ermahnte eine gotterfüUte germanifd)e Seherin 
ü)r Q3otf, feinen arteigenen ©tauben nidit aufjugeben. S^iota 
!am a\x§ 2llemannien unb warnte: „Saffet ben fremben ©ort 
nid)t ein, er bebmM QBettuntergang." 2)a3 Q3olf bJrte auf fie, 
benn nod) galt nid»t bie Söeifung be$ 3uben <paulu$: „(Einem 
2Beibe aber geftatte nid)t, bafj fie le&re." Wmifdjer "priefter- 
bafj braä>U Sbjota jum Sdjweigen. ©ie 23ifd)öfe in gjiainj 
perurteilten fie jum ente^renbften Sobe, ben eine grau erleiben 
tonnte. Sie würbe nadt ju Sobe gepeitfd)t. 2)ie ©e« 
fd)id)te ber 9leligion ber Siebe ift mit 23lut gefd)rieben. SBir 
benfen an bie 95000 Sllemannen, bie bei (Eannftatt gemorbet 
würben, an ben breiunbbreifjigjäbrigen Qßiberftanb ber 9lieber« 
fadjfen, bie fid) immer wieber um ibren §erjog 2Bibufinb 
fdjarten, weil fie tbren germanifdjen ©tauben nid)t laffen woll» 
ten, an bie tapferen friefifdjen 23auern, gegen bie aHeS nieber« 
raffige ©efinbel jum ^reujjug aufgeboten würbe, an bie Sau« 
fenbe ©eutfdier Selben, bie nad) ber Orientwüfte gelodt wür- 
ben, um frember 3been Witten unb bort t>erfd)mad)teten ober 
fielen, an bie S^inberfreujäüge, beren Opfer nad) Slfrita »er- 
fd>ad)ert würben, an bie in breifjigjäbrigem ©taubenSfampf 
»ernidjteten Millionen ©eutfdjer "Solfögefdjwifter, an bie 3af)t« 
tofen, bie ben graufamen glammentob fterben mußten ober um 
ü)re$ freiheitlichen 2)enfen$ willen in Werfern oerfdjmadjteten. 

') Sufa« 14, 26. 
») £ufa« 19, 27. 
') SBlattfräue 10, 34. 

26 



2Bir benfen an fie unb »ergeffen fie nid)t! — ©raf SoenSbroed) 
fi^rcibt: „©er 2Beg be$ 'papfttumS ift ein QBeg be3 ©rauen$ 
unb (Entfe^enS. 9?ed)t3 unb tinfg ift er eingefäumt »on Saufen- 
ben »on ©Weiterlaufen unb Saufenben »on SStutgerüften." 1 ) 

©ie ©ermanen Ratten feinen ^riefterftanb gefannf, ber eine 
£e§re at<» unumftöf)ttd)e 2öafcrl?eit »erfünbete unb bafür begabst 
ttmrbe. Sie Ratten aud) feinen perfönlidjien ©ott gefannt. ©ott» 
»erbunben lebten fie im gottburd)feelten QBettaH. ©ie grauen 
ttmren e$ getoefen, bie im "Solle t>a$ ©otterteben hüteten. ©a§ 
fonnten freilief; bie 'priefter nid)t ertragen, bie al3 SteH»ertre» 
ter 3e£o»a3 famen, jeneS 3e£o»a, ber bie 9Md)ftenliebe prebigte 
unb bod) feinen anberen neben fid) butbete. Sie grauen matten 
ja bie <3priefier entbefcrlid). 2lud) wad)ten fie über bie fitttidje 
Söfje unb 9leinf>eit be3 Q3olfe3. (Ein fittenreine$ Q3otf aber 
braucht feine (Ertöfung. ©ie Stellung ber grau in Sippe unb 
Q3otf mufjte barum erfdjüttert tt>erben. Sie entfprad) ja aud) gar 
nid)t ber neuen £e^re. Sie fagte gang anbere3 über i>a$ QBeib, 
at$ bie ©ermanen e3 lehrten unb lebten. — 

Sie Sßüfte ift teben^feinbtid), fie bringt fein fieben $er»or, 
fie b,afjt ba§ £eben. (Eine ber QSüfte entftammenbe £ef>re mufj 
barum aud) t>a§ QSeib baffen al3 bie Srägerin be3 feimenben 
£eben§. ©a3 ift »on ü)r folgerid)tig. — 2lnber3 ba$ fruchtbare, 
lebend» unb finberfro^e germanifdje £anb. (E3 fab, in ber (E£e* 
lofigfeit Unnatur. — So ift benn nad) ber jübifdjen Sd)öpfung* 
gefd)id)te bie grau bem <3Jcanne nidjt gleichwertig, nrie in bem 
9Dty)t^o3 unfere3 Q3olfeS, nein bie grau ift minbertoertig. 

©en ©eutfdjen &inbern tt)irb nun etn>a nid)t bie Schöpfung- 
fage ü)re3 eigenen 23lute$ erjäbjt. @.ä ttrirb ü)nen erft red)t nid)t$ 
erjagt »on ber naturttriffenfd)aftlid)en (Erfenntniä ber (Enthrid» 
lung aller fiebetoefen »om (EinjeHer bi$ hinauf jum ^Äenfdjen. 
2Bo ba3 »ereinjelt gefdjieb,:, t>a ttrirb aber »or allem »otlfommen 
gefdmnegen »on bem göttlichen Sinn, ben bie 'pbjtofopbin ber 
Seele ©r. 'Jftat&ilbe fiubenborff in ü)ren Seelenwerfen 2 ) biefem 
Slufftieg »on ber unbenmfjten llrjelle über ^flanse unb STicr bi$ 
jum gottbenmfjten <2Äenfd)en gab. 9*ein, bie ©eutfdjen ®inber 
lernen nod) fceute, bafj bie QBelt burd) ein allmächtige^ SBerbe 
eines aufjertoettlitfjen, perfönlidjen ©otteS, im Sempo eines 
Sechstagerennen^, entftanben fei, wobei bie 33äume unb ©räfer 
fdjon wudjfen, be»or eine Sonne an ben Simmet gelängt war. 

*) ©raf #oens6roed): „£>a« <!f)apfitum" , SQertag QSreiffopf unb Partei, Setpsig 
2 ) ©te^e 3(njeifle. 

27 



9iun, bie jübifdjcn '•Iftärdjenfdjretber finb Wofl fcfyon bamatS 
fdjfedjte Sanbwirte gewefen. — 

2lu3 fiebjn würbe ber erfte 9!ftenfdi) geformt; ober e$ blieb 
fein £efm mefir übrig, um bem 2lbam eine ©efäfyrtin ju 
machen. (Er follte aber bod) nidjt fo allein fein. — So na^m 
3ebot>a bem 2lbam eine 9?ippe, nad)bem er ü)n WobJ juuor 
eingefd)täfert Ijatte. ©iefe 9?ippe würbe ettt)aä verlängert unb 
umgeformt. <§.§ würbe eine fd)öne (£»a barauS, über bie 2lbam 
fid) fo freute, bafj er — barüber {ebenfalls — ben fdjweren (Ein- 
griff oergafj unb mit ber umgewanbelten 2tbam3rippe im ^ara» 
biefe febr glüdlid) war. ©od) ba$ Vergnügen follte nid)t lange 
bauern. 9tfet)fd)e fdjreibt: „3e&ooa würbe e3 mübe, immer ©ott 
ju fein, unb fo legte er fid) al$ Solange unter einen 23aum unb 

»erfüllte bie (E»a." ©ie Schlange jeigte ber (Eoa einen 

fdjönen Slpfel unb fagte ü)r, bafj er ttug madje. SHug fein, 
bad)te (E»a, ift etwaä ©ute£ unb ein Slpfet aud), unb fo afj fie 
ben Slpfel. 3n ü)rer ©ebefreubigfeit, wie fie grauen eigen ift 
ober bod) eigen fein follte, gab fie bem 2lbam aud) ba»on. ©er 
wtUen^ftarfe 2lbam lehnte ben 2lpfel nid)t ab, fonbern er afj 
fröljlid) mit. (Er wollte bod) aud) nid)t bumm bleiben; wenn 
man ü)m aud) bie ewige Seligfeit bafür oerfprad). ©amit war 
ba$ furdjtbare Ungtüd gefd)etyen, unter bem wir feute alle 
nod) leiben, ©a3 Slpfeleffen im 'parabieS würbe jur Sdjicf- 
fal^wenbe ber ^üienfdj^eit! ©a3 ift bie (Erbfünbe, bie wie ein 
glud) auf ü)r laftet bte auf ben heutigen Sag; benn bamit war 
bie Sünbe in bie SSelt gefommen. Unb baran ift (Eüa allein 
fd)ulb, obwohl 2lbam bod) mitgegeffen b.atte. 2tbam fd)ob fo» 
gar felbft bie Sd)utb ber (Eoa ju: „®a£ QBeib, ba$ bu mir 
gegeben fjaft, gab mir Don bem 23aume, unb id) afj." ©a3 
fätte freitid) ein Siegfrieb nie getan! — So muft (Eoa bafür 
geftraft werben, bafj fie bie Sünbe in bie QBett gebrad)t b,at. 
Unb wie beftraft? 3fr beiligfte$, naturgegebene^ 2lmt, if)r 
9!ftutteramt, wirb jur Strafe »erläftert: „'OTit Sdjmerjen follft 
bu Slinber gebären." 1 ) 2113 ob nid)t alle^ QSkrben mit Sd)tner* 
jen oerbunben wäre! 2113 ob nid)t ba$ ganje QSeftaD unter ben 
furdjtbarften 3Bel)en geworben! Sinb bod) aud) alle genialen 
QSerfe au3 tieffter (Erfd)ütterung ber Seele geboren. QBie fann 
e3 anber$ fein bei bem föd)ften ®unftwerf ber 9latur, beim 
9)ienfd)enfinb?! Um ba$ fo ju beuten, mufj man bie Sumpf» 
pfantafie be$ Oriente faben, bie ja benn aud) folgert, bafj ©e« 

*) 1. Sttofe« 3, 16. 

28 



burt ettva§ Unreines fei, wooon bie Butter fid) erft reinigen 
muffe. Slnb jwar, meint "iJKofe^, ift fie burd) bie ©eburt eine3 
( %lät>d)en§ 30 Sage länger unrein al$ burd) bie ©eburt einc$ 
Knaben. Srft wenn fie bem 'prtefter geopfert \)at r ift fie nrieber 
ein Doßroertiger ^enfd). ,,©ie 5?ird)e ift ein 3abjtifd/', fdjreibt 
Q3ictor &ugo. 

©a3 erbfünbige QBeib fann aucf> nur Sünbige3 ^erttorbrin» 
gen, folgert man. £lnb fo ift jeber Genfer; fünbig, weit er Dorn 
SBeibe geboren ift. Qßeit ba3 QSeib fo mtnberwertig unb fün- 
big ift, muf) e3 »om 'TOanne gefned)tet Werben. So Reifet e3 
benn im Sitten Seftament: „©ein SBiUe foH beinern 'TOanne 
unterworfen fein, unb er foß bein 5)err fein" 1 ), unb im 92euen 
Seftament: „3br "Söeiber feib Untertan euren Männern at3 
bem £>erm. ©enn ber 9)2ann ift ba3 öaupt be3 QBeibe3. 2 ) ©er 
3ube 'petru^ fagt weiter: „3^r QSeiber feib Untertan euren 
Männern in bem §errn, wie fid/3 gebührt. 8 ) ,,©a3 QBeib fei 
Untertan bem 9Cftanne, ber ©ewatt über eß fyat." Itnb ber 3ube 
'petruS: „©e^fetbigen gteidjen foHen bie QBeiber iJjren Män- 
nern Untertan fein." ilnb jebe ©eutfdje $rau, bie am Sodjseit* 
tage »or bem 'priefter fniet, mufj fid) ba§ r>on ü)m fagen taffen. 
Sßenn fie e3 fo gebulbig ertrug, fo barum, weit i^re Seete bem 
geliebten ^Lftanne gegenüber fo tinb^aft Weid) unb fdjmiegfam 
wirb, bafj fie fid) gerne freiwillig feinen QBünfdjen einorbnet 
unb feiner güljrung fügt. StnbererfeitS machte ber ©eutfdje 
9Kann nur in fettenen gälten oon ben 9led)ten ©ebraud), bie 
ibm bjer über feine grau gegeben finb; benn ber tyetbifdje 
©eutfdje fned)tet fein QBeib. ©a£ tun nur fold>e, bie fetbft 
S?ned)te finb, bie fid) fetbft »or ®ird)enbeamten, Q3orgefef}ten 
ober geheimen fiogenoberen beugen unb fo itjren ^enfdjenftots 
öerforen ^aben unb u)n barum aud) an anberen nicf)t ertragen. 

Hm einer Seelengemeinfdjaft jwifdjen <3ftann unb QSeib nod; 
grünbtidier oorjubeugen, mufe geinbfdjaft gefät werben jWifdjen 
^Äann unb Q23eib. Seite unb f)errfd)e! 

„QSeil bu auf bie Stimme beineS QSeibeS gehört £aft, fo fei 
berCErbboben oerftud)t um beinetwiHen." 4 ) ©enn, wo ber9Dfamn 
ber greunb be3 Q3Seibe3 ift, ba ift ber 'priefter at3 Seetforger 
überftüffig, ba erfd)tiefjt bie grau ü)re Seete bem geliebten 
9Äann unb nidjt bem fremben, etjelofen <priefter. ©er mufj aber 

*) 1. SttofeB 3, 16. 

s ) (Stf. 5, 23. 

! ) 1. <Petr. 2, 18. 

4 ) l.gnofe« 3, 17. 

29 



bod» überall babei fein. 25er beftimmt bod) bie S^opfja^I ber 
®inber unb nod> anbere§. ©arum mufj 3wietrad)t gefät unb 
ber gftcmn jur 9Seibe3perad)tung unb 2Beibe3fned)tung erjo» 
gen werben. So erft fann er aud) in ©efjetmbünbe getodt, fo erft 
entftttltd)t werben. 

2)a3 QSeib alfo minberwertig, erbfünbig, unrein, So unrein, 
bafj e3 nod) im "DDttttelatter bte £>oftie nur mit Sjanbfdmben be» 
rühren burfte. So unrein, bafj ber ^riefter e$ nid;t berühren 
foll 1 ): „Q3on bem ü)r mir aber gefdjrieben fydbt, antworte id>: 
(ES ift bem 9ftenfd)en gut, bafj er fein QBeib berübre." Q33a3 
^autuS ba nod) anfdjtiefjenb über bie (Ebe fd>retbt, t>a$ ift fo 
übet, bafj man e$ nid)t wiebergeben fann. ®a$ möge bie Seutfdje 
grau felbft nadjlefen unb fid) fragen, ob fie bann aus ©rünben 
ber 9letnlid)feit unb grauenwürbe nod) unter bem Spnagogen» 
gefetj weiterleben fann, ober nid)t lieber Don bem 9led)t be$ 
&ird)enau3tritte3 ©ebraud) madjen will, ba3 23i3mard ben 
2)eutfd>en 1873 ju ibrer Befreiung gab. 

SBeit ba3 QBeib nad) d)riftltd;er QSertung fo erbfünbig, un- 
rein unb minberwertig ift, fo ftritten fid) auf bem 5?onjit ju 
9tfcäa wochenlang bie ^riefter, ob ba§ QSeib wof)t überhaupt 
eine Seele ^dbe. (ES fanb fid) gerabe nod) eine Stimme 'vtfte^r- 
r;eit, bie ibm eine Seele genehmigte, fonft wäre e$ unter bie 
Siere gejcu)lt worben, benen ber 3ube ja bie Seele abf»rid)t. 
So ftreiten fid) nod) im adtfaefmten 3abrbunbert bie Slonjilien, 
ob baä QBeib ein »oüwertiger Genfer; fei. Sie mußten fid) babei 
felbft erft in grauenröde fteden, um Zeitig ju fein unb ba§ QBorf 
©ofteS ju fünben. (Ein fold) (Erleuchteter weift nad), bafj i>a§ 
weiblidje 5?inb im Mutterleib feine Seele 40 Sage fpäter be» 
fommt aU t>a§ männliche. (Sin anberer behauptet, bafj nod) nie 
ein (Engel at$ QBeib erfcfjien, unb batyer nur Männer (Enget 
feien, betrug taffe ba€ unreine SBeib nid)t in ben §immet. 
Se^batb müßten bie QBeiber bei ber 2tuferftebung erft ju Män- 
nern werben. gür bie grauen, bie auf eine 2tuferftet>ung QBert 
legen, ja immerhin eine troftreidje 2tu3fid)t, ba$ fie fid) nod) ein« 
mat in eine &errlid)feit oerwanbeln bürfen. 

3Beit ba§ QSeib fo minberwertig unb unrein, beS^atb (Ebe» 
tofigfeif beS 'priefterS. QSobjn biefeS wibernatürtidje ©ebot in 
bem einft fo fittenreinen ©eutfdjen Q3otfe führte, wetdje furcht- 
baren (Entarfungerfdjeinungen e3 im ©efotge fmtte, bie fid) aud) 
beute nod) ungeftraft auSwirfen, t>a$ wiffen wir. greilid) bie 

*) 1. Äot. 7. 

30 



fid£)crfte QBaffe, um bie Q3ötfer ju »ernteten. CErtffitttid)tc 9D2en- 
fd)en unb Q3ötfer finb abme^rarm. <2ftan fann fie be£errfd)en unb 
aud) ju ben furdjtbarften Q3erbred)en bemühen. — 2lud) bte 
9ftäbd)en fotten beffer eb,elo3 bleiben, toemt aud) auß onberen 
©rünben. So nur tonnen fie al$ 23raut Gfcrifti üon ü)rer (Erb- 
fünbigfeif erlöft merben. Q.ß maren meift gerabe bie ernften, 
gottfudjenben <2ftenfd)en, bie auf biefe Q3kife ber Q3otf3öermef)» 
rung »erloren gingen. Siegte bod) einmal bie 9?atur, unb eß 
mürbe ein 5?inb geboren, fo morbefen fie baß junge £eben. ©a3 
bemeifen bie jabjtofen ®inberffetettfunbe bei 92onnenftöftern. 

QSenn nun aber alle bie QSüftenaffefe lebten, fo gäbe eß ja 
batb fein Q3oI! mefyr, baß man befyerrfdjen tarnt, 9Cßan braucht 
aber bod) <2ftaffe. ©arum mufj bie ©ebärfä|)igfett be3 3Beibe3 
p ü)rem einsigen QSertmeffer gemacht merben. „Sie ttrirb aber 
fetig Werben burd) Slinberjeugen." 1 ) — 3f* fie aud) fonft 
Präger alter fiafter in ber QBelt, fo ift fie bod) jur gort* 
pftangung unentbe^rtid) — fonft gäbe eß ja batb aud) 
feine Männer mef;r. — 2llfo, je tjö^er bte S^opfjaljf ber 
®inber, befto tüdjttger bie grau. 2113 ob nid>t aud) grauen, 
benen ein 5?inb öerfagf btieb, Q2Bertt>oHe$ für ü)r Q3otf teiften 
tonnen. 2tud) bedeutet fotdje Wertung Raubbau an ber ©efunb* 
fieit unb 5?örperfraft ber grau. 3ugteid) ift bamit aud) bafür 
geforgt, bafj bie grau il)r tyeilige3 2tmt ber Seelforge an ber 
Sippe unb am Q3otf nid)t met)r erfüllen fann. ©enn eine fo au3= 
genügte grau finbet, befonberS in ber heutigen mtrtfd)aftttd)en 
9iotjeit, feine Straft mebx ber Sippe eine geierftunbe gu fd>en= 
fen. Sie ttnrb nod) md)t gemerft Ijaben, bafj „ber bjmmlifdje 
Q3ater fie alle ernähret". Sie meifj, bafj aud) bie fiitien auf bim 
gelbe nur madjfen, menn fie im fetten Slderboben ftetjen. 

93iele glauben, bafj biefe furchtbare 3Beibe3öerad)tung ber 
®ird)e burcfy bie ^arienoere^rung hrieber ausgeglichen ttnrb. 
Sie überfein babei, bafj bie ^arienüere^rung gerabe baß ©e» 
genteit üon ^uttere^rung bebeutet, ©enn eß wirb ja nur bie 
grau geehrt, bie unnatürtid) empfangen Jjaben foH; nur bie 
aEeine ift rein. QBeldje 23efd)impfung baß für jebe grau unb 
Butter bebeutet, machen fid) bie grauen toobj nid)t ftar. Sie 
fte^t im (Einftang mit ber jübifcfyen 2tuffaffung t>on ber Unrein» 
f)eit ber Sinne, biß QSerben^ unb ©ebärenS. Sie ttnberfprid)f 
©eutfdjem (Empfinben. 9kd) bem (Ebba^ptfto^ unferer 2tf)nen 
mar aüeß, ma$ au3 bem QueH biß 3Berben3 gefcfyöpft 



*) l.Sim. 2, 1?. 

31 



würbe, »on göttlicher 9?einl>eit. 3wet weifje Sd>wäne, fagfen 
fie, gießen ftumm i^rc ewigen Streife auf bem 2ßaffer be3 SXrb- 
brunnenS. 2lu3 bem ^eiligen Quell ift burd) jübifdje Seetenüer- 
giftung ber grofcfyfumpf geworben, au$ ben Sdjwänen ber Stordj, 
ber bie ®inber au§ bem Sumpfe ^>ott. ilnb bie 2>eutfd)en (Eltern 
fdjämen fic^» feiger, tyren ®inbern auf ernfte, ^eilige fragen eine 
Waf>re 2lntwort gu geben. So £olt fie fid) ba$ wißbegierige 5?inb 
bei anberen Unberufenen unb »ertommt häufig baran. 2)ie ^ut* 
ter wirb am beften nriffen, wie fie bem &inbe — feinem Stlter 
entfpredjenb — antwortet, beffer al§ ber eljetofe 'priefter, bem 
ba3 fettige SBerben unrein ift. 

2)a3 Hrdjriftentum rannte bie SEJlarienDeretyrung überbieS 
nidjt. 2tud) bie 23ibet weifj nid)t$ oon ü;r. 3m ©egenteit — 3ef«3 
fagt ju feiner Butter: „QBeib, Wa3 fmbe id) mit bir ju fdjaf* 
fen." 1 ) S)a$ Hingt wobi nid)t nad) 9D<luttere&rung. 

©ie bibtifdje QSeibe^oeradjtung Ijat unferem 33olfe bie But- 
ter genommen. — QSir wiffen, wie traurig eine mutteroerwaifte 
Sippe ift, unb bafj fie nid)t gebeten fann. Sin mutterlofeS 
Q3olf ift gewif) ebenfo traurig. — 3um ©lud lag bem ©eutfd)en 
bie Sldjtung üor ber Butter im 23lute, fo bafj er fie nod) §eute 
in ber 9ftefyrfyeit lebt. ©3 beburfte bei u)m baju feinet ©ebote3 
mit £o|m»erfpred)ungen wie beim 3uben. 2 ) ©ie graujeoereljrung 
ber ©ermanen War i|)r bid)terifd)er 2tu3brud. — ©a bie ©er- 
manen ftd) bie gtctujaDereljrung ebenfo wenig nehmen laffen 
Wollten Wie ü)re Feiertage: Q!Bei£nad)t, Oftara unb £>o^e 
StJcaien, üerfätfdjte unb orientatifierte man fie ebenfo wie 
i^re ^eiligen gefte. Vlad) bem 9J2pt|)0!» unferer SCbnen ftanb 
bie grauja in ber 'SJconbfidjel. Stuf ü)rem 2lrm i>klt fie if)r 
Södjterdjen, ba£, nad) feinem Q3ater Ob, „&teinob" be- 
nannt War. QBeil e$ fo fdjön war, nennt man nod) fjeute 
aUeS, toa$ liebreijenb unb foftbar ift, SHeinob nad) i§m. 
2lu3 ber grauja würbe bie 3übin <2ftaria, au3 bem &leinob 
ber 3"be $tfu§. — QBenn fymte norbifdje ©lauben^gemein» 
fd)aften ben umgelegten QBeg ge^en unb bie 9ftaria wieber 
in bie grauja umwanbeln, um erwadjenbe ©eutfcfye erneut ju 
binben, fo wirb ba§ ebenfo wenig »erfangen wie bie Q3erfud)e, 
3efu3 al3 23alber ober Slrier ju jeidmen, wenn man iljn aud) 
fogar in ber 9?cu)e twn ©o£lar beheimatetet. 8 ) 

*) W. 2, 4. 

2 ) 4. @ebo<. 

3 ) SZötelonb: „Httaatit, (Ebba unb SStbel." 

32 



©ie orientatifdje Q3ßüftenlef>re fagt: t>a€ QSeib minberwer- 
tig, ba3 QSeib fünbtg, ba§ QSeib untergeorbnet, bag QSeib un» 
rein. ©amit ba3 fo gefennjeidmete QSeib nid)t trotjbem wieber 
(Etnftufj gewinne auf Sippe unb 33olf, mufj if>m nod) Sdjwei* 
gen geboten werben. So fagf "pauluS: „(Einem SEßeibe aber 
geftatte nidjit, bafj fie leljre, aud) nid)t, bafj fie be3 ^anneä 
&err fei, fonbern ftille fei" 1 ), unb Wetter: Sin QBeib lerne in ber 
StiEe in aller llntertänigfeif) unb „(Eure SBeiber taffet fdjwei» 
gen in ber ©emeine; benn e$ foH ibnen nid)t jugetaffen werben, 
bafj fie reben, fonbern Untertan fein, wie aud) ba3©ejetj fagt." 3 ) 
©amit war aud) ber (Einflufj ber grau auf bie Sippe unter* 
graben. QSie foH ber So^m ben 9lat ber Butter achten, bie 
gar nict)f einmal ba3 9*ed)t \)at, politifd) eine eigene Meinung ju 
Jjaben. Zat er e3 trot>bem, bann, weil fein ©eutfd)e3 23luf bem 
jübifdjen ©efet} wiberfprad). So ift ba3 Q3erl)alten ber Sölime 
pr Butter jum QSertmeffer ü)re3 23lute3 unb ü)rer Seele ge» 
worben. — Stuf ba3 Q3oK3gefcr;e^en War barmt ber grau jeber 
(Einflufj genommen. 

fieiber ift biefe (Einteilung jur grau bis Ijeufe geblie* 
ben. (E3 ift nod) im fienjing 1933, auf ber in 23erlin eröff» 
neten 2lu3fteHung ,,©ie grau", betont worben, bafj bie grau 
ber ^olitil fern bleiben folle. ©a3 bebeutet, fie foH fiel) um t>a$ 
Q3otf£gefd)ef>en nid)t Himmern. Sie foH wieber „'JJtagb unb Sie» 
nerin" fein, tyiefj e3 aud;, ober: ber grau gehören bie <2Börter 
mit ®! ®inber, 5?ird>e, ®üd>e, Kleiber. — ©a$ ift Sönagogen* 
geift. ©er Geologe 'profeffor 9leinf>otb Seeberg fdjreibf ganj 
richtig: ,,©ie d>rifttid)e fietyre §at fid) in tfyrer Stuf f äff ung ber 
(Efce unb be3 ©efd)ted)t<§leben3 im ganzen bem 3ut>enfum an» 
gefd)toffen." 928 i r aber wollen © e u f f d) e fein! 

£te ®euffc^e grau im ^flitUlatUv 

QBeldje Q3erro^ung ber Q3otf3fitten biefer 2tu3fd)lufj ber 
grau oon ber ©eftaltung be3 Q3otf^gefd)e^en^ unb bie furd)t* 
bare Q3erläfterung ü)re3 ©efd)ted)t3 jur gotge Ratten, ba3 be* 
Weift un3 ein Q3ergteid) be3 d)riftlid)en Mittelalters mit ber 
früheren „^eibnifdjen" 3ett. 

2113 baS d>riftlid;e brennte Sa^rlmnbert baS 9ttbetungentieb 
nad) germanifdjen Überlieferungen bid)tefe, ba waren bie San- 

*) 1. Simol&eus 2, 12. 
2 ) 1. 5imot$euß 2, 11. 
') 1. £or. 14, 34. 

33 



ger fdjon fo entbeutfd)t, bafj fie ben Siegfrieb als einen (Satten 
barftellten, ber fein SEßetb f d)tug : „Siegfrieb fyat mir ben £eib 
gerbläut", unb fofctje^ Q3erf>alten mit germanifcfyem Sefbentum 
für »ereinbar fetten. 2tucb, tiefen fie SMmbjIb unb 23rmu)itb, 
bte ftotge QSalfüre, in bie 5?irc£)e gießen — jum 23eten! — 
greilid), bie ©eutfdjen &inber fotlen nid)t met>v wiffen, bafj 
eine SMmbJtb unb eine 23runfritb nie gebetet Ratten unb bod) 
fo gotteSftolj unb gottburd)fonnt Waren. — So trübte man 
germanifcfye Quellen unb fteßfe an bie Spi^e ber Selbenfagen 
bie abftofjenbe ©efd)id)te beS Sd)War3elben "Xßielanb 1 ) unb 
feine niebrige 9?eibing3tat an fpielenben $inbern unb ber gein- 
beStodjter. 2tud) im tiefften Slngtüd fdmfjte germanifdjeS £l)r- 
gefügt ben Selben oor fotd) fd>änblid)er Waty. 

(ES fiafte bei ben ©ermanen als fd)impflid) gegolten, wenn 
ein SWann feine grau fcfytug. Sie trennte fiel) oon i^m ober 
räd)te fid) für ben Sdjtag, unb baS Q3otf billigte fotd)eS Sun. 

®önig Olaf forberte oon Sigrib, feiner 23raut, fie folle fid) 
taufen laffen unb (Eljriftin werben. Sie aber fagte: „9ZiematS 
Will icb, meinen alten ©lauben aufgeben. 3d) will aber and) 
mit bir nid)t barüber rechten, wenn bu an ben ©ott glaubft, ber 
bir gefällt." ©a rief ®önig Olaf ooH 3orn: „QSie fottte \d) biet) 
betraten, bu t)etbnifd)e öünbin" unb fd)lug il)r feinen Sanb- 
fdjub. in3 ©efid)t. ©ann er^ob er fid) jum ©e^en. — &önig 
Olaf war (Efjrift. — Sigrib fagte: ,,©aS foH bir nod) einmal 
ben Sob bringen." Sigrib oermäblte fid) mit bem ©änenfönig, 
ber fte an Olaf räd)te. 3n ber Seefd)tad)t würbe Olaf befiegt 
unb fanb im 9fteer ben Zob. So oergalt bie germanifcfje Sfrau 
eine foldje Sdjanbtat. ©ie Meinung beS Golfes gab ü)r red)t, 
unb fie befam and) red)t. — dergleichen wir bamit baS Mit- 
telalter mit feinen berben hoffen- unb gaftnadjtfpielen jur 
3eit beS SanS Sad)S. ©a gilt eS als Q3olfSbeluftigung, wenn 
(Ehemänner ü)re grauen mit "prügelftrafen jäljmen. QBer feine 
grau nid)t fd)lug, ber galt als „<f>antoffetyelb", Wer fid) be- 
fonberS brutal ^eroortat, ber war ein „mannhafter" (Ehegatte. 
£tnb baß entartete, fttttid) oerfommene Q3otf tad)te baju unb 
nannte foldje 9lof>eit eine 'poffe. — ©ie gried)ifd)-ortl)oboje 
®ird)e forberte bis inS fieberte Sa^^unbert bie SOftPanb- 
lung ber grau, ©er „©omoftroj", ein ju biefer 3eit heraus- 
gegebener etbjfd)-retigiöfer QEegweifer oon 23ifd)of Sploefter 
forbert com <D!ftann als „fitttidje ^ftidjt: grau unb ßinber mit 

') STloc^ norbtfdjer 8«ff«"9 '«>" ©er«»«««. 

34 



ber ®mtte gu belehren." — 3" 23re3tau mufjfe ein im 14. 3<$i> 
Jjunbert tpegen 9*ol?eit »erflagter ©atte »erfpred)en, feine grau 
„nur nod) mit 9?uten gu gültigen unb ju [trafen, mie e$ 
jiemlid) ift, unb einem 23iebermann jufte^f nad) Sreu unb 
©tauben". (Ein ^affauer 9lecr;t3bud) be§ »ierje|)nten 3a|"> 
|unbert3 fagt: „QSaS ein 9Xann mit feiner §au3frau ju Ijan* 
betn t)at, barüber entfdjeibet fein toeltlid) ©erid)t, nur geiftlidje 
23ufje." — 3m altbaperifdjen (E|)ered)f fjetfjt e3: „2)a3 3üd)= 
tigungred)f fotoobi mit SBorten aU QBerfen ift ebenfalls ein 
2lu$flufj ber e£emänntid)en ©etoalt." ünb biefe 2luffaffung »er» 
tritt bie ®ird>e fjeute nod). 2)ie (Ef>eüorfd)riften für ©laubige: 
„Sie (Ef)e be3 Triften" 1 ) forbern: „©eine 23eftimmungen unb 
Slnorbnungen finb u)re 9?id;tfd)nur. 3f>r <3Xann ift t>a§ Saupt, 
ba§ leitet unb regiert. Sie folgt unb ift ge^orfam. Sie ift eine 
Softer Sarahs, inbem fie ifjren 9!ftann „&err" nennt. 2 ) 

(Ein feiner Q3ergteid) für eine Seutfcfye grau, bie 3übin 
Sara|), bie ü;r &atte, ber 3ubenftamm»ater Slbra^am, an frembe 
Könige üerfd)ad)erte. Q3BiIt fidt> bie Seutfcfye grau hrirflid) nod) 
länger unter t>a§ Spnagogengefet? beugen, fo ertrage fie audj 
oljne QSiberfprud), maS „Sic (El)e be3 Triften" nod) weiter 
bon ü)r, „ber Sarai)", »erlangt (ebenba S. 35 ff.): „Ober if>r 
<3ftann finbct greube baran, fie ju ärgern unb ju quälen, üiel» 
leidjt gar ju mif$anbeln — ttne groft ift bann bie ©efaf)r für 
fie, ü)m mit gleicher 9DWhtje ju bejahten, anftaft fict) nod) me^r 
unb nod) tiefer ju beugen: Sie |>ttt fidi) einmal it;m gegeben, 
unb fie bett>af>rt in Semut i^ren ^pla§, benn fie weifj, bafj fie 
fein ift unb fein b t e i b t , fo lange er lebt." ünb tt>a£ fagt ba$ 
23ürgerlid>e ©efetjbud)? (E3 gibt nur im gatle „grober" 
gftifjfjanbtung ber grau ba<§ 9led)t auf Sdjeibung (§ 1568). 
2Bo l)ier bie ©renje gebogen ttnrb jttrifdjen fogenannter „gro* 
ber" unb „leidjter" 9Jtff#anbtung, ba3 ift in bie &anb be$ 
männlid)en 9lid)ter3 gegeben. 

Sa3 germanifd)e 9led)t fannfe feine fird)lid)e (Einfegnung ber 
g^ c . _ 3 n ber »ordjriftticfyen 3eit gibt ber Q3ater ober 9ftunt-- 
ttalt ber 23rauf mit bem germanifdjen ©ruf}, bem Jjodjgerecften, 
fd)toertbett>affneten 2lrm, bie 23rautleute jufammen. QSenige, 
aber tief empfunbene QBorte erübrigten eine °Prebigt: „Sjalte 
Zeitig betn §eim." ©er 33rautfd»mud, ber tneten bie fird)tid)e 
(Einfegnung unentbehrlich erfdjeinen täfjt, ift ebenfo atfgermani» 



») 93ibel.S5ert«8 93ro<f&au8, (ElbetfetK 
') 1. <Pett. 3, 6. 



35 



fd>e3 23raud)tum wie ber fceibnifcfye ^olterabenb, ber nod) ^eutc 
o&ne Spricftcr mit ©eutfdjem groljfinn gefeiert wirb. 2lud) nod) 
ba3 niebergefdjriebene germanifdje 9led)t bjelt ben ^riefter bei 
ber (Etyefdjliefutng für entbe^rlid). 

Karl ber ©rofje (ber ©raufame), ber fo t>iel £lnljetl über ba3 
2)eutfd;e £anb gebraut f)at, oerfügte in ben Kapitularien üom 
3al?re 802 (cap. 35), bafj bie (Elje nur burd) bie ©eiftlid)feit unb 
bie weltlidje Obrigteit unb unter ftrd;tid)er (Etnfegnung ge» 
fditoffen werbe. (Er fetbft, ber fromme 23efef>rer, fyatk nur fieben 
grauen, feine Softer lebten in freier (Elje. (Er mar alfo ein ge- 
lehriger Sd)üler be3 „weifen" Galomo. Seine Q3erorbnung 
brang nid)t burd). ßrjbifdjof Konrab »on ©aijburg mufjte nod; 
1291 baß 3ugeftänbm3 machen, bie Kirche wolle aufrieben fein, 
Wenn nur bem Pfarrer bie gefd)loffene (Elje binnen <2)lonat3frift 
angezeigt »erbe. — (Erft nad) unb nad; l?at e§ bie Kirdje erreidjt, 
bafj ber <3)luntwalt burd; ben 'priefter erfetjt wirb, unb bie recb> 
üd)e (Ef>efd)ttefjung ftcE) »or ber &ird)entür unb »or bem <priefter 
»ou>g. S)er grau würbe ftatf bem 'JJtuntwalt, ber fie fd)ütjtc, 
ber 23eicf;t»ater gegeben. 2)a3 feeltfdje 23anb jwifdjen 9ftann unb 
grau würbe burd; bie 23eid;te jerftört, ber (Elje ü)re 2tbgefd;lof» 
fen|)eit unb 2Beii>e genommen. — QBelcfye gragen bem ^rie« 
fter erlaubt finb, unb wie bie grau jur öeudjelei unb Unwahr» 
jjeit gegen ben <2ftann erjogen wirb, t>a$ fagt bie fleine Scfyrift 
»on 2)r. 'TOatlnlbe fiubenborff: „Sin 23lid in bie <2Jloralte£re 
ber römifdjen &ird)e." 

2)ie germanifdje (E£e fonnfe mit beiberfeitigem (Sinüerftänb» 
ni3 oime (Schwierigkeiten gelöft werben. 3eber (Ehegatte na^tn 
fein Vermögen unb war wieber frei. QBar fie »or 3eugen ge- 
fdjloffen werben, fo würbe fie aud) »or 3eugen getöft. Sag 
QSHberwiHen, fd)led)te 23ef>anblung, (Efjebrud) ober 9ftorb»er» 
fud; »or, fo fd)ieb ba3 niebergefdjriebene germanifdje 9led)t bie 
(Etye. — 2)ie ®ird)e machte bie (E^e jum ©aframent unb erllärte 
fie im elften 3af"1umbert für unlöSlid). „(Efyen werben im Sirn* 
mel gefd;loffen" folgern 23linbgläubige, o^ne au bebenlen, bafj 
fie bamit ©ott ju einem jWeifettoS fe^r ungefd)ictten (EDeftifter 
erniebrigen unb »erantworttid; madjen für aÜ ba3 £eib un= 
gtücflidjer 23inbungen. 

2tud) (E^ebrud) löfte bie (Efce nic£)t. 2>ie ®ird>e allein entfd)ieb 
über iljre ©ültigfeit unb ifjr 23eftel)en, aber nid)t nad) ©rünben 
ber 9lein&eit unb 6itttid)feit. 3n 23apern liefj fie fogar ©träfe 
auf bie Trennung fefjen, wenn fie au3 QSiberwiHen »otogen 
Würbe. ©efd)iebene burften fid) nid;t wieber »erheiraten. 9lur 

36 



bei gürfttidjfeiten unb potitifdjen sperfönticfyfeiten galten an» 
bere ©runbfätje. 

2)a3 jwangtoS fröfjticfye 23eifammenfein ber beiben ©efcfytecf)» 
ter — wie e3 bei ben 2l|men üblich, war — työrte auf. ©egen 
i>a§ gemeinfame 23aben erlief fdjon 23onifaj (745) ein Ver- 
bot. 3n ben 23eid)tfpiegetn unb 23ufwrbmmgen wirb e§ at§ 
Sünbe beäeid)net. Gid) möglicfyft Wenig ju wafdjen, galt atß 
befonberS gottwobJgefäHig. 

®er ©ermane liebte äufjere unb innere 9?einKcf)feit, ror»er» 
ticfye 2tbprtung unb Betätigung in QSaffer unb £uft: gefunben 
©eift in gefunbem, geffä^ttem Körper. 2)a3 Mittelalter fjafjte 
unb befeinbete alle &örperfuttur. (Sin grofjeS Q3erbienft ber fyei» 
ligen (Etifabet|> foH gewefen fein, bafj fie fict) nie wufcf>; e§ §at 
if)re öeitigteit ganj befonberS erljöf)t. — (Ein fo ber £uft unb 
bem QSaffer entwöhnter Körper mufjte t>erweicf;ttd)en unb »er» 
fommen. 2)ie Sracfjf, bie ber £uft jeben 3utritt wehrte, trug 
nocf) ba$ irrige baju bei. 2lu3 einem rraftftrotjenben, wetter&ar« 
ten 9laturr>otc würbe ein Q3otf üerbilbeter, fcfywäcfyttcfjer <5tu= 
ben|>oder, unb mit bem förperiicfyen Q3erfaH ging ber feelifcfye 
unb fitttidje §anb in §anb. 

Sie 9?ein^eit in ber Sluffaffung gefeHigen 3ufammenfetn3 
Don Mann unb grau ging »erloren. S3ei ben heften fitjen 
Männer unb grauen jetjt getrennt. S)ie §au3frau i>at ben 
Öocfyfitj an ben 'priefter abgegeben. Sie fir>t jur Sinfen ü)re§ 
©atten, ber 'priefter jur 9led)ten. — (statt froher Q3otMieber 
unb 9?eigen, bie »on ber S^irctje unter Q3erbot gefteHt werben, 
leiten Neffen bie gefte ein unb Werben (E^oräle gefungen. ©ie 
Stauenfcpnfjeit wirb nad) ortentalifdjem 23raud) »erfüllt unb 
täfjt nur bie 2(ugen, 9lafe unb Munb frei, fo bafj IWrict) »on 
£id)tenftein (1257) in feinem grauenbud) fcfyreibt: „©leid) 
$tofterfcf)Weftern »erfüllen fie jetjt mit Schleiern unb 23inben 
QBangen, Munb unb Stirn bis auf bie 2lugen, unb wenn ficf) 
eine weltticf) unb Reiter fteibet, fo trägt fie wenigften3 ein ^a» 
ternofter at3 23ruftfpange, bamit bie Männer überall an ba3 
frömmeln erinnert werben." 

S)ie 'prebiger be3 Mittelalters 5eicf)nen ein traurige^ 23ifl> 
»on ber ©leicfygüttigfeit ber grauen in ber &ird)e. „Sie &ird)e 
Wirb baju benutzt, Matfd) auSjutaufcfjen unb um ju fe|>en unb 
gefefyen ju werben." 

S)a3 beweift, wie bie grembteljre jur 9)euä)eUx führte, weit 
fie nictit in ber Seutfctjen Seele wursefte. Steine natürliche fee* 
lengeborene grömmigfeit, fonbern ein unter artfremben Q3or» 

37 



bttbern anerzogenes grommfein. 3ft eS ba ein Sßunber, bafj fo 
»tele grauen baran entarteten, fatfd) unb fceudjterifd) würben. 
(Sie »ermod)ten ja nur unter Stufgabe tf)rer QBefenSart bie frem» 
ben Q3orbilber ju leben. ©te Männer eigneten ftd> jübifcfje 
grauenWertung an unb tonnten »on grauenfreunbfdjaft nidjt 
me^r rein unb grofj benfen. Itnb »on ben grauen matten fid) 
fdiliefelid) »tele ben orientattfdjen QBüffenftil ju eigen, nad) 
bem fie eingefdjätjt würben. Sie »errauften fid) wie Garaty, be» 
trogen wie 9lebefra, »erfühlten wie 3ubitb, unb (Eft^er, wenn 
fie aud) eine ©atita ober eine Satome in if>rer <?)cr»erfttät trofj 
allem ntd)t erreichten. — ,,©eutfd)e grauen, ©eutfdje Sreue", 
jubelt l)eute nod) baS ©eutfdjtanblieb. ©ie ©ubrun lebt nod), 
trotj taufenbjäfjriger ©efangenfdjaft! — QSie gefunb unb rein 
mufj bie ©eutfdje grauenfeete gewefen fein, bafj fie biefer (Enf= 
frembung unb Vergiftung fo lange ftanbbjett. 2lud) QBalt^er 
Don ber Q3ogelwetbe fingt nod) (Enbe beS zwölften 3^r^)un= 
bertS: „Sie finb beffer |)ier als ber anberen £änber grauen" unb 
„©eutfdje grauen finb engelfcfjön unb rein; t|)örid)t, wer fie 
fdjetten fann. Sugenbe unb red)te <2Äinne, wer bie fucfjen will, 
ber foll fotnmen in unfer £anb, ba ift Spinne »iel." greitid), 
ber 9iftinnebienft beS ^Mittelalters mit feiner füfjlidjen 6d)Wär» 
merei, bie fo weit ging, bafj bie 9litter baS SÜßafdjWaffer ber 
©etiebten austranken, fyatte mit germanifdjer grauenadjtung 
unb =ef>rung nid)tS mef>r gemein. (Er war romanifd)en UrfprungS. 
3n ben t>on foldjem (Einfluß unberührter gebliebenen flanbina» 
»ifd>en Sänbern fanb er basier aud) feinen (Eingang. ©aS (Elje» 
leben würbe burd) ben 9ftinnebienft nid)t »ertieft, fonbern 5er* 
fetjt, benn bie 9litterlid)feit machte ^alt »or ber eigenen SauS* 
tut unb ©attin. (Er war ben (Ehefrauen anberer gewibmet unb 
führte baju, bafj fid) bie (Ehemänner gegen bie eigene grau um» 
fo rüdfid)tlofer zeigten, je me^r fie fid) um „bie ©ante ü)reS 
Se^enS" bemühten, beren garben fie beim Surnier trugen, für 
bie fie fampften, bie fie mit SiebeSgaben überhäuften, unb Don 
ber fie, um fich, ju entfü^nen, fid) fogar in ben S^reu^ug fd)icfen 
tieften. ©aS 23ewufttfein eigener Sdjulb führte baju, bafj ber 
©bemann feine ©attin wie eine §aremSfrau »on einem Stuf» 
paffer, „Werfer", überwadjen lieft, ©er Siebter iltrid) »on 
£id)tenftein, ber fogar felbft fo weif ging, baft er feiner ©etieb» 
ten als 3eidjen feiner Opferbereitfcfyaft unb (Ergebenheit feinen 
abgetwdten ginger »ere^rte, bringt in feinem grauenbud) 
(1257) ein 3wiegefpräcr; jwifdjen einem 9lttter unb einer ©ame 
über ben Verfall ber ©efeUfdjaft. ©er 9litter wirft ben grauen 

38 



»or, fie fragen bie Sdmlb an bem 3urüd§ieben unb ber Q3er- 
ttrilberung ber Banner, benn fie ftofjen biefe ab, t>a fie faum 
i&ren ©rufj erttnbern unb auf fragen fpärlid) antworten, ©a 
fei e§ ju oerfteben, i>a$ bie Männer anbere Unterhaltung fudjen. 
©ie grau antwortet, bafj fie ja nid)t freunbltd) unb unbefangen 
fein fönnen. Sie wüßten, bafj iljnen t>a$ übet gebeutet wirb, 
unb wie man fd)on barum ben grauen bie (Ebre abfdjneibe. ©ie 
3eit fei langft oorüber, ba bie QSirtin ben ©äff mit 
freunblicrjem ©rufj unb ®ufj empfängt unb fid) in ben Sanj 
mifdjen barf. Unbefangene Seiterfeit wirb fatfd) aufgelegt, ba- 
rum Ratten fie biefe »erbannt. „2Bie »emacfjlaffigt mancher fein 
SBeib! ©en ganjen Sag liegt er auf ber 3agb, fpät febrt er 
beim, ttrirft fid) breit auf ben Sifd) unb »erlangt ba$ 23rett» 
fpiel." ilnb finb bie Männer nid)t auf ber 3agb, fo fitzen fie 
beim QSSeme unb lügen unb fdjwatjen oon ibren (Erfolgen bei 
ben grauen unb fdmetben ibnen bie (Etyre ab. 3eber rübmt fid) 
beffen, "mag u)m oon einer ju £iebe gefdjab. ©a$ war oorbem 
nid)t. QBer SWinnegunft errungen f)atfe, ber wufjte barüber ju 
fdjweigen. 1 ) ©er 9litfer ergebt neue Vorwürfe. QSenn bie 
Siebe nid)t me^r in alter 9leinbeit beftefjt, fo frage bie3 bie 
Sdndb, bafj fid) »iele grauen um ©efdjenfe ober gar um ©clb 
»erfaufen. ©ie grau antwortet mit einer febr fdjweren 2tnflage 
gegen bie oomebmen Männer unb fagt, bafj ein reine3 QSeib 
ü)nen nid)t gut fein fann, ba man wiffe, weldje unnatürlichen 
Safter unter ifmen wuchern. Q,§ gäbe nod) genug reine unb 
jüd)tige grauen, aber bie Männer Würfen fotd>e 'perlen nid)t 
ju fdjätjen. ©arauf weifj ber 9litter nid)t3 mebr ju erwibem. — 

(Ein 9lüdblid in bie germanifdje Q3orjeit geigt un3 erfcfyüf* 
fernb, Wobtn römifdjer ©eiff, unnatürliche 2l3fefe unb (Ebefofig» 
feit geführt f;aben. ©ie Männer oerrobj unb fittlid) üerfommen, 
bie grauen in grömmelei ober Siebertidjfeit ober in beibem 
»erfunfen. 2lHe ©idjter be3 üierjefmten unb fünfjefmfen 3a|>r= 
£unbert3, bie ernft ibre 3eit überfdjauen, urteilen in gleicher 
QBeife. 2ttle ffeEen fie bie ©egenwart in ©egenfafj jur Q3er= 

gangenbeit. ©er öfterreicfyifdje ©id)ter Seidjner (14 te^ 

3abjf)unbert) fagt, bafj nur ba3 ©elb f>errfd)e, <2ftamte3wort 
gelte nichts mefir, um ben ©lauben fte^e e§ fd)ted)f. ©ewalttat, 
^JJcorb unb Süge Ratten bie Oberljanb. — Sd>on QSaltber »on 
ber Q3ogelweibe flagt amSnbe feinet Seben3 in gleichem Sinne. 

(ES ift beuttid), ba^ biefen Q3erfatt ber grembgfaube, bie (Enf» 

») ©ctfe 603 bie 6\6. 

39 



wur^elung aui ber feelengeborenen, arfgemäfjen ©ottfd>au t>er= 
fdjulbcfc unb bie bamit oerbunbene SBetbeäöeradtfung unb Q3er» 
läfterung beg Siebe3leben3. — 9Dfom wirb ü)n barum aud) nid)t 
mit einer 9?eform be3 23abeansuge$ befeitigen fönnen. — Sie 
Etagen ber 2)id)ter in granfretd) unb S)eutfd)lanb beweifen, 
bafj er fd)on im jWötften 3af>rf>uttbert Ijeroortrat. geinrid) tum 
9lude (12. 3a^r^unbert) flogt 1 ), bafj bie 3«ben unb (Stiften 
nur an ©elberwerb benten, bie grauen feien nod) bi3 auf wenige 
gut, aber tva$ fümmert Sreue unb @f;re, wenn alle3 nad) ©e= 
winn giert. Q3on eblen grauen 23egünftigte werfen bie Q3er= 
fd>wiegenf>eit beifeite unb praßten mit ber ©unft, bie fie er* 
fahren. 

2)a3 2Beib unb ba3 <23erf;alten beg <2ftanne3 ju ü)m beseid)* 
net bie fittltdje öitye eine$ Q3oIfc^. 9}iod)ten bie ©ermanen 
raub unb fcart erfcfyetnen, fo ehrten unb arteten fie bod; bie 
grauen, unb 3ud)t unb Sitte waren baburd) gewäljrletftet. 

konnte bie germanifdje grau frei unb unbehelligt reifen, ju 
<pferb, ju QBagen unb über3 ^Jieer, fo fetjte fie fid) babei in ber 
nad)folgenben d)riftlid)en 3eit 3ubringtid)feiten unb übler 
9?ad>rebe an§. dürften unb ©eiftlid)feit aber führten auf ü)ren 
9leifen ju 9*eid)3tagen unb Konsilien einen §arem im ©efotge, 
ber bem be£ ®önig3 Salomo faum nad)ftanb. (Er umfaßte beim 
23afeter unb ^onftanjer Sensit nur 1500 „fa^renbe Fräulein". 
— ©ermanifdje Sitttid)feit fcatfe feine fäuflidje Siebe gebulbet, 
Wie e$ bie 9lömer nod) uom inerten unb fünften 3<rf>rf>unbert 
berichten. 23ifd)of <Siloianu§ fdjreibt, bafj bie Q3anbalen ben 
Sob auf öffentliche £lnfittlid)feit festen. Sie nörbtidjen germa* 
nifdjen Stämme, bie fid) länger u)ren arteigenen ©tauben unb 
ü)re 9?affenreüu)eit bewahrten, fiaben bie altgerüf)mte Sitten= 
reinf;ett nod) lange bewahrt. Vlad) ben Strafgefetjen Ijaben 
fid) ®ad)fen, ^riefen, 33länber baburd) au^gejeidjnet. 33omfaä 
berichtet 2 ), bafj bie 9?ieberfad)fen ein gefallene^ ^ftäbdjen 
zwangen, fid) fetbft ju töten, ebenfo würbe ber Q3erfü^rer ge-- 
tetet — 2)er d>rifttid)e Qtaat aber machte bie fäuflid)e Siebe 
jum ftaattid) gefdm^ten ©ewerbe, unb bie ®ird)e buibeta biß 
pm Sateranfonsit »on 1511 offiziell ba$ ®onfubtnat. 

9)atU baß germanifd)e 9)2äbd)en teilgenommen an ber 23it= 
bung feiner 3eit, fo würbe bie 23ilbung fpäter 2lHeingut ber 
gürftmnen unb Tonnen, gür bie anberen genügte ber "pfalter. 



*) ÜK. 5r. 108, 22. 
2 ) (Epift. 72. 



40 




» - 




•— -S 



9 



(Er wirb baß tvtiUifye (Erbauungbud). Sdmlen gibt eß nur we= 
nige, unb biefe finb in ber §anb ber Softer. So fem! bie grau 
immer me^r in llnwiffenljeit unb Q3erfladmng unb bamit in bie 
geiftige öörigfeit beß ^annei», au§ ber fie fid), in ber ^eftrgabj, 
^eute nod) nid)t frei gemadjt ijat unb iß nad) fird)ttd)em ©runb» 

fatj aud) gor nid)t fott. Sie jaljr^unbertetange 9J£inber* 

bewertung »ertummerte ü)re fd)öpferifdje 23egabung unb na|)m 
ü)r baß Setbftoertrauen.') 

QBo^er foßte fie eß nod) nehmen, Wenn fie fo mifjad)tet 
würbe, unb ®ird>ente^rer, bie bei allen „frommen" dtvaß gal= 
ten, al$ Steßöertreter ©otte§ fo biet Sd)impf über fie bringen 
burften, wie fie eß taten. So fünbete Sertuttian: „QSeib, 
bu foßft ftetS in Srauer unb £umpen geljen, beine 2tugen ooH 
Sränen ber 9leue, um oergeffen ju madjen, bafj bu ba$ 'TOett» 
fd)engefd)ted)t jugrunbe gerietet fiaft. SSeib, bu bift bie Pforte 
jur §Me. (E^etofigfeit mufj gewäbjt werben, wenn aud) baS 
^)Zenfd)engefd)ied)t jugrunbe gebj." Itnb Origineä: „Sie 
(Ef>e ift etmaß ilnljeittgeS unb unreine^." Unb 2tuguftt* 
n u ß : „Sie (Ef>etofen »erben gtängen im Stimmet wie teud)> 
fenbe Sterne, wäf)renb if>re (Eltern ben bunften Sternen giei* 
dien." Itnb 21 n f e l m, ber (ErjMfdjof üon (Eanterburö: „gtiefie, 
^eiliger 'TDiann, bie Untergattung mit grauen. 2lHe geuer ber 
£eibenfd)aft entjünbet baß QSeib. ®önnteft bu in fie hinein» 
fef>en, bu würbeft feljen, weld)en Sd)tnu$ ü)re Weifte §aut be» 
bedt. O, &trten, galtet bie QBötfinnen oon euren Serben fern, 
baß QBeib ift ber Sob ber Seele." 

Sie einzige ^ögtidtfeit, fid) nod) Selbftad)tung ju ermatten, 
war für bie Stftäbdjen ber 2ßeg in3 SHofter, um fo triefteid)t bie 
angeborene (Erbfünbigfeit burd) einen öeitigenfdjein 5U tterHct* 
ren. 2tud) burften fie alß Tonnen 23itbung tyaben, ja, u)re 
efftatifdjen Q3ifionen würben gepriefen, weit fie burd) bie tfjeoio« 
gifdje (Erjiefmng ü)rer 23eid)t»äter befdmringt waren. Siefe (Er-- 
güffe würben forgfam »erwa^rt, bie Tonnen fjeittg gefprodjen. 
Sie Zeitige öilbegarb (f 1179) lonnte „wie burd) ein QBunber" 
bie fämttidjen 23üd)er ber 23ibet au^wenbig ^erfagen. Siefe 
förperlid) unb feetifd) eingefargten, fünfttid) franf gemachten 
©efdjöpfe fafetten bann oon (Engeln unb Teufeln, »on Zeitigen 
unb Märtyrern unb oon »ernunftwibrigen QBunbern. Sie er« 
lebten überfinntidje Q3eräüdungäuftänbe, bie ber germanifd)en 
grau fremb gewefen waren unb mit ü)rer 3ufunftfd;au nifytß 



*) 2>r. meb. 5H. SubenbMff: „©cltfif^öpfuttfl." 

41 



gemein Raffen. QBobl entfprangen fie im ©runbe gleicher ger» 
mamfd)»tt>eiblid)er Q5kfen3art, aber fie ioar in eine falfdje, 
artfrembe 23abn gelenft. Sab bie germanifcf)»l)eibnifd)e Seherin 
in bie 3ufunft, fo funbete fie t>a$ Sdjidfal ibrel "Sollet au3 
ben 9?aturgefe£en, au$ ü;rer 9latur»er6unben^eit unb au3 ibrer 
Q3ertourgelung in ber Vergangenheit, ©iefe gab if>r bie Scfyau 
in bie 3ufunft be$ QBeltalt$ unb ber göttttd) gegrünbeten Orb» 
nung 1 ), fo tote fie beute bie 9letigionpJ?itofopbin ©r. <3Äatbilbe 
Subenborff in ibren Seelemoerfen 2 ) fünbet. Sie cfyriftlicfien 
Seherinnen aber ftrebten in ben Simmel uno perfcerrltdjten 
ttribematürlidje QBunber. 3bre Seele geborte nid)t mebr ibrem 
33otfe, fonbern erfebnte perföntid)e3, überfinntid)e3 (Erleben 
bjmmlifdjer QSonnen ober ein fieben nach, bem Sobe, ba$ ben 
9laturgefef$en roiberfprid)t. 8 ) 

Sin (Erberinnern an bie einftmalige $elbifd)e 3eit fd)lum» 
merte nod) im ilnterbenmfjtfein ber d)riftlid)en ©eutfcfyen grau. 
(E3 bridjt ja aud) beute immer ttrieber berpor, toirb e3 bod) in 
jebem ©eutfcfyen ®inbe nMebergeboren al3 fein beilige3 9?affe» 
erbgut, fo lange t>a$ 23tut nod) einigermaßen rein fliegt. So 
n>ebte bie grau be$ Mittelalter^ bie attgermamfdjen Selben» 
fagen in Seppidje unb QSanbbebänge. Sie liefe Sigmunbä 
Sdjiffe, reid) gefdmifjt unb bugoergolbet, auf3 Meer fahren 
ober Siegfrieb ben ©racfyen töten, 55a3 Perfdmttete QBiffen ein» 
ftiger ©röfee gab fie in ben grauengemädjern tpeiter. Sie er» 
gäblte ben S^inbern bie Sagen unb Märcfyen, in bie unfere 
Sinnen einft, in ber Sobnäf>e i^rc^ arteigenen ©taubenS, ba§ 
ernfte Sdjicffat tbre3 Q3olfe3 eingefteibet Ratten. ©amal3, atß 
fie e3 Por ben Übergriffen ber ®ird)e in ibre ©adjtammern ret» 
teten unb fid) Ijetmlid) guraunten oon bem 2)eutfd)en Scfynee» 
h>ittd)en unb feiner böfen Stiefmutter hinter ben fieben 23ergen, 
(bie <Ztai)t mit ben fieben S)ügeln), bie bie 2>eutfd>e Seele 
einfcrjnürt unb Pergiftet unb fie fdjliefelid) gum totabnlidjen (Er» 
ftarren, gur (Einfargung, bringt, au£ ber fie ber QBiebererwef» 
hing entgegenbarrt. Ober Pom ©omrö3d)en, ba3, aud) buref; bie 
grembe pergiftet, in tiefen Schlaf oerfinft unb »on 2>omen 
(oon fiügen unb gatfd)bett) eingefd)toffen wirb, bi§ ein ©rofeer 
Ü)re3 Q3oHe^ ber l 2Baf>rljett ben 2ßeg ebnet, t>a$ fiügengefpinft 
gerreifet unb bie ©eutfdje Seele befreit. — Um t>a$ (Erleben gu 

*) (Ebba: SSolusp«. 

2 ) ©iefje TCnjetge. 

3 ) 25r. Sttatfctlbe Eubenborff: „Sriumpfc be« Unf}erbli*feiin>illen8." 

42 



unterbmben, ba3 burd) foI<f>c (Erjäblungen gett>edt würbe, »er» 
bot man ben grauen im 23eid)tftubje, „3auberfprücf)e" beim 
QBeben unb Spinnen gu fagen. — 

2tud) bie germanifdjen 9lamen, beren Solang |>elbifd)en Stotj 
Wedte, mußten üerfdmrinben. (Statt ber Sigrun, ber SMmfrilb, 
©ubrun, Sunnibilt, bie Sonnengleidje, SiRatbitb, bie fraftooll 
S?ämpfenbe, ©ereilt, ©un^ilt erfcfyeint bie ®atbarina, 'üOiaria, 
Slnna, ja bie 3ofepbjne, (E^riffinc, 9lebeHa, (Eftf>er ufw., eben» 
fo wie bei ben Männern ber (Etyriftian, ber ^atob, ber ©atnb 
unb anbere. — &eute brängt bie S^irdje wieber barauf, bafj nur 
nod) d)rifttid)e 9lamen gewäblt »erben bürfen. So fürchtet man 
ba§ germanifd)»£etbifd)e Seetenerbe unb fein (Ertoadjen. — „©er 
Salteman (bie d)rifttid)e Sebre, b. 03.) iff morfd) unb fommen 
wirb ber Sag, an bem er flägtid) äufammenbridjt", flagte fd)on 
in banger Slbnung ber 3ube Seine. 1 ) 

2lud) bie Deformation brachte ber ©eutfcfyen grau feine er» 
beblicfye 23efferung tyxev (Einfdjätjung unb Stellung. Sie tonnte 
e£ ja aud) nxd)t, ba fie nad) Wie oor auf ber d)riftlid)en fiebre 
fufjte. 3war würben bie S^töfter aufgehoben, ber proteftantifdje 
©eiftlidje oom 3wang ber (£|>elofigfeit befreit unb bamit ©eut» 
fdjeS Sippenteben wieber bö^er bewertet, ©te grau betam wie» 
ber ein 2lnred)t auf bie Sreue tbreS ©arten.— ©iefen ©runbfatj 
l)at wobt aud; bie fatf)olifd)e ®ird>e, aber burd) 33cid)te, 23ufje 
unb Slbtafj wirb er hinfällig. — ©ie grau würbe »om 23eid)t» 
oater befreit unb ber (Bbe baburd) ibre feufdje 2tbgefd)toffenbeit 
jurüdgegeben. QBar fo glüdlid) ber ®ird;enpriefter au$gefd>at» 
Ut, ober bod) wenigften3 in feinen 9led>ten befdjränft, fo blieb 
ber ©begatte bod) nad) wie »or ai$ &au3priefter. Senn aud) 
Sut^er ift ber Sluffaffung: „QBo (Eoa nid)t gefünbigt i)ätte, fo 
fyätte fie mit Slbam jugleid) regieret unb geljerrfdjt al$ fein 
^Jtttgebjtfe. So aber gebort ibm ba3 Regiment, unb fie mufj 
ftd) oor xfym bilden al3 ibrem §errn." 3war tebnte aud) Suttyer 
fpäter ba§ Sitte Seftament »öHig ah unb fdjrieb: „QBa3 gebj 
mid) ber ^ofe^ an mit feinen 10 ©eboten, gebe bjn m ben 
3üben mit beinern ^ofe^." 2 ) — ©od) bielt Sutljer al§ (E^nft an 
ber orientalifcfyen Slnfcfjauung feft, bafj ba$ Sinnenteben unrein 
fei unb bie (Entbattfamfeit belüge. (£r fiebt, unter bem (Einfluf; 
be3 3uben ^aufuS, in ber (Bfye „eine Slrjnei wiber bie Stinbe, 
ein Spital ber Sied>en, auf bafj fie nid)t in fd>werere Sünben 



*) kleine: „Sur <3ef<f>id)fe ber Steltgion." 

s ) Eutfcer: „93on ben 3üben «tib t&ren £ügen." SubcnbDcff« SSetlag. 



43 



fallen." <$.§ ift Sutber wie ben meiften 2)eutfd)en Wobt nid)t 
flar geworben, bajj bamit biß (Ehefrau jur ftaattid) genehmigten 
©irne beS Cannes erniebrigt wirb. Ser Orientale rennt feine 
Seetengemeinfdjaft awifdjen 9D?ann unb grau. SaS QBctb ift 
ifjm Sachwert, Q33are, bie er erwirbt wie jebe onbere aud), bie 
er — in feiner 9)eimat — je nad) Vermögen — in beliebiger 
2lnja|)t in feinem §arem fyabm fonnte. gür QSerte, bie nid)t 
an ber 23örfe gebanbelt Werben, feblt bem 3uben jebeS Q3er» 
ftänbnR 9Äan fann ü;m barauS feinen Q3orWurf machen. 25a£ 
ift fo feine naturgegebene 2trt, aber man foHte bod) aiä 2)eut» 
fd)er fid) nid)t jübifdje 2)enfungart ju eigen machen unb jübifd>e 
grauenwertung. — (ES entfteüt Seutfdje Männer, wenn fte 
fagen: „Sie btonbe grau ftefrt beute bod) im ®ur3." 



£>aö gretyeiffe^men fcer £)etrffd)en grau 

So fab baS gange Mittelalter bie 2>eutfd)e grau in tiefer 
geiftiger unb forpertidjer Sörigfeit beS <2ftanne3. 2)ie ®ird>e 
fürchtete mit 9?ed)t in bem (Erwachen ber germaniftfjen grau 
ibre größte ©efabr. ©arum bie furchtbaren, 3abrbunberte wcu> 
renben &efen»erfo!gungen. Sie galten ben blonben grauen ber 
norbifd) beftimmten Sänber, benn nur |>icr baben fie fid) u)re 
Opfer gefud)t. Sie erftrebten ibre ptanmäfjige Q3ernid)tung, 
benn »orwiegenb würben 'Uftäbdjen, grauen unb Mütter »er» 
brannt. „9ftit wetdjen 23äd)en üon Sejen baS Sutbertum baS 
nörbtidje 2)eutfd)ianb überflutet bat, wiffen bie, bie in ®äite, 
gurdjt unb 3ittern bort wohnen" fd>rieb ein fübrenber Sefuit. 1 ) 
(ES wirb fo grünbüd) gemorbet, „bafj an manchen Orten nur 
mebr wenig QBeiber übrig finb". 2)er üon ben päpfttid)en 3"- 
quifitoren öeinrid) 3uftitoriS unb 3afc>b Sprenger »erfaßte 
„Öejenbammer" ift t>a$ ©efe^budj, nad) bem mit teuftifd)er 
©raufamfeit bis jum (Enbe beS adjtjebnten 3abrbunbertS ge- 
martert, gefoltert, gefdmnben unb gebrannt wirb. Q3erfünbet 
bod)j^»iefer „Sejenbammer": „gorfcfyen wir nad), fo werben 
wir nnben, t>a$ faft alle 9leid)e ber QSelt um ber grauen wil- 
len jugrunbe gegangen finb. QSäre nid)t bie Sd>led)tigfeit ber 
Söeiber, fo wäre bie SBett »on unjäbligen ©efabren befreit." 
3n ben 5?ird>en Waren bie 23rieffäften aufgebängt, in bie jeber 

*) 25elrio, <Pcof. ber Sfceologte (©ras 1679: „Disquisitionum Magiarum", 
Ui 6. 

(£. unb 5JI. fiubenborff: ,/SaS ©efceimmS ber 3efuitenmarf)t" 

44 



nad) SergenStuft 2tnfd>utbigungen werfen tonnte. (E3 würbe 
nid)t lange geprüft, ob bie 2tngeigen böswillige Q3erleumbung 
ober QBaJjr^eit waren, 25a3 foHte bie Softer erwetfen. Hnb mit 
Wie fiel öetbentum würbe ba3 alles ertragen! QSHe mutig gin- 
gen fie lieber in ben Sob, atß fid) bem 'priefter gu beugen ober 
Sdjulb gu benennen, oon ber t^re Seele nid)t3 wufjte, liefen fid) 
bie ©lieber au3 ben ©elenfen reiften, liefen über gtüfrenbe 
(Eifenplatten, würben mit Nägeln burdjboljrt, lebenbig evnge- 
graben ober bei langfamem geuer »erbrannt unb butbeten ba3 
ttHe^ unb wiberriefen nid)f. ^JJit eiSfatter ^örber^anb brad) 
9?om bie 23tumen unfereS Q3olte3 unb gertrat fie. QSar e$ 
eine $rau, bie fid) befonber3 ^eroorgetan fyatü, fo würbe fie 
nad^er Zeitig gefprodjen, wie 3of>anna b'2trc, ba$ Setben- 
mäbdjen oon Orleans, bie ü)r frangöfifd)e$ Q3oK befreite unb 
gum ©anf auf bem Scheiterhaufen enbete, weit fie „Männer- 
Keiber getragen" fyatte. 

9lom tvufyte WobJ, fo lange nod) norbifd)e§ 23tut in ben 
93ötfern pulfte, fo lange war e3 nid)f am 3iet. Se^alb ba3 
23lut ausrotten in S^reuggügen, auf Scheiterhaufen, in Kriegen 
unb nid;t gutetjt audt) burd) bie 9laffenmifdmng. Sie ©erma- 
nen Ratten an u)rem ©runbfatj, nur StammeSgenoffen gu heira- 
ten, tange feftge^atten. (Eljen mit hörnern waren ungültig. SMe 
d)rifttid)e Se^re oon ber wafillofen ^JZenfdjentiebe brachte 
Q3ergeffen biefer Seifigen ©runbfätje ber 9?affenreinl)eit. 
©eutfdje StanbeSgefetje machten bennod) (Eljen mit 3uben bi3 
in§ ad)tgel)nte 3<rf>rf>unbert jur Seltenheit. (Eine gefunbe, blutS- 
mäßige 2lble|mung war trot* ber Se^re oon ber „SluSerwäbit- 
£eit" biefeS Q3olfe3 bod) nod) geblieben. — ©er 3ube freittd) 
»erftanb e3 meifterlid), burd) feinen ©djeingegenfat* gegen baß 
(Etyriftentum, fein artanbereS Q3olf3tum gu Oerbergen unb fid) 
at3 ben 2tnber$gläubigen gu maxieren. Selbft unfere größten 
2)eutfd)en tieften fid) burd) biefe £ift täufdjen. Sie führte gu 
ber oerl)ängm3üollen ©ulbfamfeit griebrid)^ be3 ©roften gegen 
bie 3uben unb butterte einem Seffing 1 ) ben „9latJ>an", ber ben 
jübtfdjen 3ieten fo wertooHe £ntfe war. — ©iefe (Einteilung 
potitifdier unb geiftiger güljrer, baß Öffnen ber ©Gettos, oor 
allem aber bie frangöfifcfye 9le»olution mit ü)ren, oon ben 3u- 
ben ing Q3olf geworfenen, Sdjtagworten oon ber ©teid^eit, 
^reü)ett unb 23rübertid)feit rift alle Sdjranfen nieber unb führte 
gur wafjllofen 2lH»ermifd)ung. — 2)a£ war für bin 3uben ein 

*) £>r. 9». Subettbotff: „®er Mngefii^nte §re»el an Suf^er, Seflwg, SJlojart 
unb ©titlet." 

45 



großer Sieg. (Er madjte i|n gefeHfd)aft3fcu)ig. ©ie dürften bat» 
ten ü)n al$ ©elbgeber fd)on immer begünftigt, aber ben 2lb« 
ftanb Ratten fie gewabrt. ©er Stbel war in feine Stbbängtgfeit 
geraten, aber nad) feinen btonben Softem |>atte ber 3ube 
bißfyet oergeblid) »erlangt. 9lun öffneten fic^> ü)m bie ©eutfdjen 
SCbct^äufcr unb pertauften ü)m i^re 23tut3rein$eit. 2Beld) ein 
Sriumpb für 2lba3»er! 3Betd)e Sdjmad) für ben ©entfetten 
2lbel! 3fw folgte t>a§ 23ürgertum. ©ie 2lrbeiterfdjaft bewahrte 
fic^> aud) ^ier ü)r gefunbeä (Empftnben am tängften. 

©ie folgen zeigten fid) gar balb. ©aS 23lut be3 feigen, 
furd)tburd)5itterten, £änblerifd)en QSüftenüotfeS brachte bem 
belbifdjen ©etft unb (Ebelftnn be3 9lorben3 gäulni3 unb Q3er» 
berb. ©er 2lbel, ber einftmal3 bie Sd)lad)ten griebridjS be$ 
©roßen fd)tug, ber fid) aud) in ben greüpeittnegen nod) beröor» 
tat, trat in ben fpäteren Kriegen mebr unb mebr jurüd, unb 
ba3 23ügertum »erfümmerfe jum gwedbenfenben Spießertum. 

Q3iele fraftöoHe, norbifcfye Q3ölfer ftnb gugrunbe gegangen 
an ber Q3ermäbjung mit bem Orient. 3e gefunber unb ^ctbifcfjer 
fie waren, umfo länger behaupteten fie fid). — 23lut$reiribeit 
ift natürliche £eben3bebingung etneS Q3otfe3 wie jeber "pftan» 
jen» ober Siergattung. Sie rennen nur bie ^reujung ©leid)» 
fertiger, 2lrt»erwanbter. — Sebr grünblid) lernen bie ©eut» 
fd>en 5?inber SÜreujblütler »on Sippenbtüttern ober ®orbblüt* 
lern ju unterfd>eiben. Se^r wenig erfuhren fie bi^er t>on ber 
Q3erfd)iebenbeit ber "vWenfdjenraffen unb nid)t3 oon ibrer fee» 
lifd>en (Eigenart. 3n ber böd)ften ©efabr be3 9laffentobe3 fan» 
ben bie Q3ölfer bie (Erfenntni^ ber 23tut3bebeutung, bie ber 
3ube fid) burd) aUe 3abrb"«berfe bewahrte. (Er tt>ar in (Engtanb 
(Englänber, in granfreid) granjofe, in ©eutfefetanb internatio- 
naler ober aud) nationaler ©eutfd>er, aber überall blieb er blut3« 
bewußter 3ube. Sein Q3olf war ü)m immer ber bjd)fte Sßert. 
Sonft wäre er in ben anberen Q3ötfern längft untergegangen. 

— (Er wußte, baß wabllofe 9?affenmifd)ung Q3olf3tob bebeutet. 
Unb wir wiffen t>eute, baß bie Q3erfd)iebenbeit ber Q3ölfer 

gottgewollt ift, unb t>a^ bie Q3ötfer barum ein Wedqt Ijaben, 
ü)re gottgegebene (Eigenart ebenfo frei ju entfalten, wie e3 jebeS 
fiebewefen ber 9Zatur barf, unb baß biefeS '-Retyt ibre greüpett 
ift, unb fie anjutaften freuet beißt- — ©a3 t>öliifd)e (Erwadjen 
unferer 3eit gibt Hoffnung, ^ wir jurüdfinben ju un3 felbft. 
9lid;t burd) „3üd)tung" norbifdjer 'SJZenfdjen, fonbern burd) bie 
freiwillige 2lu$lefe nad) geiftiger unb feelifdjer 53erwanbtfd)aft 

— getragen oon bem Sdjön^eitibeat beä ITlorbenä. — 

46 



33on tiefen ©ebanfen geführt, fann baS ©euffdje Q3otf fdjon 
in wenigen ©efd)ted)terfolgen bem ürbilb feiner Sinnen lieber 
äljnlid) werben. 2)aS fagen unS bie "vCßenbetfdjen Q3ererbung» 
gefetje. — gür bie QJöIferfpinne 9?om=3«ba wäre ein fold) 
erwadjteS, ju fic£> felbft IjeimgefefyrteS SiegfriebSüotf freilief) 
eine fdjwere 92iebertage. Samm ü)r jielbewufjteS Einarbeiten 
auf einen europäifdjen QBettbranb 1 ), ber ba$ weljrlofe ©eutfd)» 
lanb jum S^riegSfdjauplatj mad)t unb fo bie Q3ötferöermifd)ung 
unb „eurafifd)»negrotbe 9?affe" herbeiführt, bie man erfelmt. 
2)enn felbftbewufjte Q3ölfer laffen fict> nid)t fnedjten. 

©ie norbifcfye grau f;at ben ®ampf um ü)re grei&eit, um bie 
Seitnaljme an 23ilbung unb (Einfluß auf baS Q3olfSgefd)eljen 
burd) alle 3at;rr;unberte geführt. Sie traf in biefem ®ampf 
aber immer auf ^ärteften QBiberftanb. 'Sßurbe (Einjelnen (Ein» 
flufj auf ba$ potitifcfje ©efd>er;en eingeräumt, fo waren eS meift 
foldje grauen, bie — wie eine (Eftfjer — burd) (Erottf auf 
(Staatsmänner unb Q3olfStenfer wirften, unb fo oft fdjwereS 
Unheil über bie Q3ölfer brauten. (ES räd)te fid) bjer bitter, bafj 
man bie grau nur gefdjledjtlid) wertete, unb eble, reine grauen, 
bie foldje Machtmittel »erabfdjeuten, fd)Weigen mußten. — 
9iftand)e traben fid) trotjbem, jum Segen iljreS Q3otleS, burd)* 
gefegt unb fid) burd; Satfraft unb SBeitbticf auSgejeidmet. So, 
eine (Elifabett; üon (Engtanb ober 'DDJaria Slperefia. Sie liefj 
fid) jwar burd) ü)ren 23eid)t»afer jju ben Kriegen gegen grieb» 
rieb, ben ©rofjen treiben, aber aU tf>r auS ^JZabrib iljre ganje 
Or;renbeid)te jugefanbt würbe, bie fie ü)rem 23eid)t»ater, einem 
3efuiten, anöertraut fyatte, »erbot fie ben Orben in Öfterreid). 
Sie mad)te aud) ben Sejenüerfolgungen in ü;rem fianbe ein (Enbe 
unb wanbte fid) gegen bie Freimaurerei. — 2)ie t;errfd>enbe 2lb» 
lefmung politifd) tätiger grauen fteHte i^ren So^n als ^Kit» 
regenten neben fie, hinter beiben ftanb als böfer ©eift ein 
S?auni<$ unb hemmte ^ftaria Srjerefia ebenfo wie bie Königin 
fiuife, bie eS tro$ aß ü)rer 23itten unb QBarnungen nid)t er» 
reichen tonnte, bafj ü)r ©emabj, ber ^d)Xoad>e griebrid) Qßit» 
Ijetm III., fid; aus ben gangen ber Freimaurerei löfte. Königin 
fiuife ernannte gar wobj beren t>erberbltd>en (Einflufj auf ben 
®önig. Sie wufjte, bafj nur ber ©eift eines Sd)iHer "preuften 
retten fonnte unb wollte ü;n nad) 23ertin f>olen. Sein £ob 
„3ur rechten 3eit" 2 ) »ereitette u)ren Sptan. Sdjiller glitte 
^reufjen wol)t »or einem Sma betoafyvt. 

*) Sie« ©eitcral Subenberff: „5BeltM«g bro&t." 

2 ) St. SR. Subenbcrff : „Det unflef tyntt grwel an Sut^er, £e«tng/5«ojart u.@d)tlltr. 

47 



23eibe Fürftinnen, bic reiche ^Jiütterlidtfeit mit potitifd>em 
Q3erftänbni3 »erbanben, empfanben bie ©e^eimorben at§ ©e- 
fa|>r für ben Qtaat. Satten fie 23raud;tum unb (Eibe ber 
Freimaurerei gefannt, fo Rotten fie bie fiogen gewifj aud) 
al3 unfittlid) betampft. QBüfjten bie S)eutfd>en grauen ber 
Freimaurer, welche enteljrenbe 9fta3ferabe üpre Männer in ber 
£oge mitmachen, unb bafj fie fid) burcf; ©ro^eibe 3U „blinbem 
©e^orfam" fingen taffen, um bim 3uben jur QSeltf>errfd)aft 
ju oerb,elfen, fo wäre ba$ fidjer ber rafdjefte Sob biefer gan» 
jen lid)tfd)euen ©el?eimtu3trämerei. Sie Frau, in i|)rem ^ut* 
tergefiu)l, Würbe bagegen tampfen, bafj i^>rc ®inber in Sfta* 
t>erei, (Enteignung, 2lrbeit oljne 2ofyn unb fdjliefttid) nod) in 
fapitaliftifdje Kriege geführt werben, bie nid)t ber Freist be3 
Q3olfe3, fonbern ber überftaatlid)en SGßeltfinanj bienen. Ober 
§at ein einziges Q3otf ben testen QSettfneg gewonnen? „S)er 
<¥>apft mar ber einige Steger", fdjrieb bie römifdje treffe bei 
ber (Einweisung be£ Senfmate 23enebiH$ XV., be$ Kriegs» 
papfteS. 

Itm ba3 (Erwad>en ber Frau 5U »erlitten, mufjte man bafür 
forgen, bafj fie potitifd) unwiffenb unb urfeil3lo3 blieb, bafj 
fie auf Sufjerlidtfeiten unb Vergnügen getenft, oberftäd)lid), 
gleichgültig unb ftumpf tt>urbe. ilnb bie Männer $äüe man nie 
in folgern Umfang in bie ©e^eimorben eingefangen, bjtte man 
fie nid)t oon Hein auf jur <2Beibe3oerad)tung erjogen, bamit fie 
fpäter t|>re „QSeüpeftunben" nid)t ju £>aufe fudjen, fonbern fidj 
in ben fiogen „oerebetn" taffen. 1 ) 2Bar in i|)nen bann, burdi) bie 
Narretei, bie fie bort mitmad)ten, ber ^anne^ftolj gebrochen 
unb bie Setbftadjtung ifmen genommen, fo glaubten fie gerne 
bie jübifdje Frauenwertung, um »or if>rer Frau unb fid) fetbft 
befielen §u tonnen, ©er jum blinben ©efwrfam erlogene ®ned)t 
mürbe bamit entfcpbigt, bafj er fein QSeib fned)ten burfte. — 

Q3ßie ber 3ube ein ©ebot braucht: „£afj bid) nid)t getüften 
betneS 9Md)ften SBeibeS" — 9Md)fter ift iijm nad) ber 23ibet 2 ) 
nur ber Q3otf^genoffe, — fo mufj aud) ber fiogenbruber fdjwören, 
„bie Frau b e 3 23 r u b e r 3 nid)t 3U »erführen". QSie mag 
e3 bei einem fo erweiterten ©ewiffen um bie 9Jioral mandjer 
23rüber befteHt fein? Sie f ollen auf biefe QBeife feft an ben 
Orben gefettet werben. 3e entfittlid)ter ber ^ann, um fo 
flrupellofer unb bamit um fo geeigneter, bie öon ben ©ef>eim« 

*) (£tii) Subenborff: „a3eniid>hmg ber gteimourerei." 
2 ) ?. SJlofeiS 1?. 

48 



orben »erlangten Q3erbred)en burcfoufü^ren. llnb je reiner bie 
Frau, bie ein burd) bie Soge ober fonft, burd) bie jübifdje 
©efdjlecrjtSetbJf, ©efunfener ju Saufe finbet, um fo meijr wirb 
er fie ju fned)ten fud>en. 3ft ifmt bod) ü;re 9*euu)eit ein fteter 
Q3orwurf feiner Q3erfommen|)eit. 

^ftan wufjte aud) wofjt, bafj bie Frau in ber ^fte^eit fid) 
3U fotd)en Q3erbred)en am QSolt 1 ), wie bie ©eljetmorben fie be» 
geljen, nid)t gebrauchen liefje. Sd)on bie 2lufnaf)mema3ferabe 
ber Freimaurer würbe bie Frau in gefunbem (EM unb aus 
IKeinlidtfeit* unb Sd)ön£eitgefü£t ablehnen, ebenfo t>a§ 
Schweigegebot ber Sippe gegenüber. 

2113 in ber Freimaurerreoolution öon 1789 bie franjöfifdjen 
Frauen ba§ 9led)t auf bie Sribüne forberten, wenn man fie auf 
ba3 Scfyaffotf fd)icfe, al3 fie fid) gegen bie £>inrid)tung beS 
S?önig3 wanbten, fid) gegen bie Sd>recfen3f>errfd)aft empörten, 
unb bie Seibin Charlotte (Eorbap bie 23eftie 9Karat erbotcfyte, 
t>a fd)lofj man alle potitifdjen Frauenoereine, „um ber öffent» 
lidjen Std)erlj)eit unb ber 9latur be3 2ßeibe3 willen". 2)a3 
Schlagwort oon ben „^Jienfdjenredjten" fyatie für bie Frau 
leine ©eltung, benn nur <2ftenfd) unb 9ftann galten atß tben* 
tifd). 2)ie wenigen Stimmen, bie üerlünbeten, bafj aud) bie 
„Frauen" ^enfcfyen feien, unb barum bie „ewigen 9led)te ber 
^enfd^eit" aud) u;nen juteil werben füllten, würben sunt 
Schweigen gebrad)t. 9)c"an f>atte bie Frauen juerft gur 23e= 
teiligung an bem llmfturj aufgeftad>ett, aber nur, um mit ü)rer 
Öilfe bie 'DOcadtf ju erringen. Sobalb fie i|)ren (Einfluß gettenb 
machen Wollten, entfd)ieb ba§ 9ted)t be3 förpertid) Stärferen. 
SBctfjrenb ber ©runbfa^ „©ewalt gef>t oor 9led)t" fonft al3 
unmoratifd) »erworfen wirb, §at er auf bie Frau immer 2tn» 
wenbung gefunben. 

Sie Slufflärungjeit be3 ad)tjer;nfen unb neunje^nfen 3a!)r= 
f;unbert3 hxafyte eine immer weiter um fid) greifende Stbfefjr oon 
ber 23ibet. Sie würbe befonber^ unterftütjt burd) bie naturwif» 
fenfd)aftlid)en (Erfenntmffe ber (Entwicklung be$ 2BeltaH3 unb 
aller Sebewefen 2 ), bie ba3 biblifdje Sd)öpfungmärd)en »öHig 
über ben Saufen warfen. Sie (Einstellung Frtebrid)3 be$ ©ro= 
fjen jur d)riftlid>en £ef)re 3 )/ bie if>m „^antafie be3 Oriente" 

*) Srtcfy Subenborff: „@tfjänblid>e @e£etmmffe btt ^)ei)Stabt", „ÄriegSfce^e 
unb SQolfetmorben". 

2 ) 2>r. 3R. £ubenborff: „Sriumpfc bes Unftertti#feifn>tflen«." 

3 ) „Snebnc&S bes (Srofjen ©ebonfen fiter Steltgten" oh« feinen SEBerfen. 
Subenborff« Söerlag. 

4 49 



war, feine gorberuttg nad) ©ewiffenSfreityeit unb religiöfer ©ulb» 
fantfett, bie etftifdje gretyeitle^re be£ 55eutfd)en 3beatt3mu3, 
bie ftd) r>or aUem mit Sd)iUer3 9lamen »erbinbet, bie ©eban- 
ten $ant3 »on ber Freiheit ftttttc^cn SanbelnS nad) bem fetbff 
ernannten inneren ©efetj, fte alle loderten aud) bie Feffetn ber 
©eutfdjen Frau. Sie brauten moraltfdje ©teidjwertung ber 
©efdjtedpter. 2)a3 9led)t auf Selbftbeftimmung unb freie <Ent» 
fattung ber 'perföntidjt'eit würbe enblid) aud) ber Frau wieber 
jugefprodjen. 

2)a3 Freiwerben t>on ber 33ibet bebeutete aud) ein Fretwer» 
ben »on ber djriftltcfyen Verneinung be$ ®örper$. ©ie ^erüden 
fielen, Friebrtd) 3atm toedü bie 2)eutfd>e 3ugenb nrieber gur 
(Ertüchtigung unb 2lbbjrtung. — 2)ie Befreiung geigte fiel) 
aud) in ber Frauentradjt. Sie lieft bie Sdjönfjett beg ®örper$ 
wteber jur ©ettung lommen, bie ficf) bann aber, unter bem fpä= 
teren Regiment be3 bigotten Friebrid) QBilrjelm IV., erneut in 
bie 9leifröde »erfrod). 

2tn bem öerrenftaubpunft würbe jetjf nur nod) fowett feftge= 
galten, als Siebe unb Stellung tfm begrünbeten. „2)er &atte 
mufj ü)r ftetS met)r al$ alle anberen e^rroürbig unb ad)tungwert 
erfdjeinen", te^rt Fid)te. 2llfo freiwillige Hnterorbnung ol)ne 
3wang, auä ber Übereinftimmung »on ©efübj unb SBtllen. 
Sonft fann ben ©atten nid)t augemutet werben, jufammen gu 
bleiben. So fagf Fid)te: „Seeleute fdjetben fid) beSljalb mit 
freiem QSiUen, fo wie fie fid) »erbunben b^aben. Sinb fie über 
bie 23ebingungen ber Sdjeibung einig, fo Imben fie ityren (Ent* 
fdjlufj bem Qtaate nur anzeigen. 9Zur in Streitfällen fann 
ber Qtaat bem SlntragfteHer Sitfe teiffen, unb jWar foH er fid) 
gum ©runbfatj madjen, aud) bei einfeitigem QSunfd; — 
namentlich ber Frau — bie Sdieibung ju erteiltem", 
benn o|me Siebe fönne fie nid)t jur Fortführung ber (Efye ge» 
gwungen werben, ©ie Forberung nad) ©ewiffen^frei^eit brachte 
aud) ben 5?ampf gegen bie fird)lid)e ©ericfytSbarleit in (El>e* 
fadjen unb gegen bie firdjtidie (Einfegnung mit fid». 23i3mard3 
grofje Zat, baß ®ird)enau3tritt3gefe£ unb bie (Einführung ber 
3i»itel>e (1873) förberte ben Freü)eitlampf ber 2)eutfd)en Frau, 
ben fie — wenn aud) oft unbewußt — immer geführt l>at. — 
Sie füllte gar wo|)t bie Letten, aber fie wufjte nid)t, wo 
fte »eranfert tagen. — 2)ie ©ewiffen^freiljeif, bie dufter 
ber „^enfdjenredjte", würbe aud) bie Stopferin ber 
Frauenred)fe. — 2tber wie ber Frei^eiflampf t, e § ®euffd)en 
2trbetter3 oom 3uben eingefangen unb abgebogen würbe, 

50 



fo bafj er im SHaffenfampf entartete, fo gerief and) ber 
greifceitwiUe ber ©eutfdjen grau unter jübifdje güf>rung. 
©er 3ube ernannte fef>r Wobi bie ungeheure ©efa^r, bie 
biefer gretyeitbrang — fowobj be$ 2lrbeiter3 al$ ber grau — 
für ifm barg. (Er natym fid) beSfjatb mit größter Eingabe feiner 
an, um ben Strom in eine 23al>n ju tenfen, bie ü;n fronte unb 
bod) bem ©rangen ber 3eit nachgab. — 2)ie 3übin ©olb- 
fdjmibt würbe bie gü&rerin be3 allgemeinen S)eutfd>en grauen» 
oerein3, ber Don ber 2)eutfd)blütigen Suife Otto-'peterS am 
18. Oftober 1865 — am SiegeStage oon fieipjig — gegrünbet 
worben war. 2lu3 einem urfprüngltd) ibeatiftifd)en greift» 
lampf würbe ein £ol>n» unb ^onhtrrenjfampf. — 9tfd)t au3 
©rünben ber 33erforgung %atU bie norbifd>e grau bie ©leid)» 
bered)tigung erftrebt, fonbern au$ bem greif>eitwiHen ««b 
<3Jienfd)enftot3 tyreS 9?affeerbgute3. Sie f<$te ftet) bafür and) 
ein, wenn fie au$ retd)ftem QBobileben in wtrtfdjafttidje iln» 
gewif#eit unb 9lot gebraut würbe, ©iefer ©eift würbe and) 
immer wieber »on ©eutfcfyen grauen in bie Bewegung hinein- 
getragen, fo »on einer SMtfje Sdjirmadjer, bie ba$ ftotje SBort 
prägte: „(ES ift ba3 SBefen ber (Efjre, bafj man für fie ftirbt." 
2tber ber jübifdje (Einfluß in ber güj)rung (3übin 2dk, 9Kor» 
genftern, 2lnita 2lug3purg ufw.) forgte bafür, bafj t>a$ 9led)t auf 
Strbeit in ben Q3orbergrunb gefteltt unb bie grau in ben ®on» 
furrenjfampf mit bem ^anne gebrängt würbe. Stnftatt jufam» 
menjufü^ren jur gegenfeitigen, naturgewoHten (Einheit unb (Er» 
gänjung, würbe neuer 3wiefpatt gefdjaffen. ©a$ 9led)t auf 
2lrbeit! 2113 ob bie ©eutfcfye grau — in ber ^e^rja^t — nid)t 
immer gearbeitet fyätte. — 2)er jübtfdje QSeltfapitaltemuS 
natym fid) jetjt if>re3 Slrbeit» unb (Erwerb$wiHen3 an. Sr öff- 
nete ü;r bie Sore ber gabriten unb nutjte fd>onungto3 i^re bil- 
ligere Strbeitfraft an§. ©ie grau, an ünterorbnung unb Ar- 
beit o^ne £o^n gewöhnt, würbe jum Stu^beuteobjeft ber ©rofj» 
inbuftrie, bie an ü)r am meiften oerbiente. — 

S)ie gorberung „Sie grau gehört tn£ Sau§" würbe bjer nid)t 
gettenb gemacht. 2)a3 junge ^JMbdjen würbe, o^ne jebe 9lüdftd)t 
auf feine forpertidje (Entwidtung unb o^ne jebe SluSbilbung für 
feinen fpäteren SauSfrauen» unb 9ftutterberuf — in bie gabrif- 
räume gebannt. Späteres Q3erfagen aller wirtfd)afttid)en unb er» 
3ie^erifd)en gäfrigtett führten nur ju leidet ju ungtüdlidjen (Etyen. 
Ungepflegte ®inber, ein »erwafirtofter Saukalt unb mißratene 
Speifen muffen bie Stimmung oerberben unb bie gtüdttdjfte 
(E£e jerftören. 

4« 51 



S)er 2)eutfd)e ^Kcinnerftaat na^m feine 9lüdfid)t auf bie 
(Ehefrau unb ifiren bju$ltd>en 23eruf. 2lud) fie würbe ofme 23c- 
benfen au^gemttjt, felbft bie werbenbe Butter würbe nid)t ge- 
fdjonf. 2)er (Einwanb be3 „fd)Wad)en ©efd)ted)te3", ber fonft 
fo gerne gemacht wirb, würbe ha md)t erhoben, yjlan »erlangte 
Don tyx, bafj fie jwei 23erufe ausübt unb jwei öerren bienf, 
aud) wenn fie baburd) ©efunbfieit unb <2ftutterfd>aftaufgabe ge- 
fcu)rbete, unb S^inber unb &eim litten. QBeber be3 leiblichen 
nod) be$ feelifdjen <3d)aben3, ben bie überanftrengte grau 
naljm, würbe gebaut, ©agegen würbe er t»on ben Geologen 
unb anberen immer wieber al$ (Sinwanb gebracht, fobalb bie 
grau fid) wiffenfdjaftlid) betätigte, obwohl nachgewiesen ift, 
bafj geiftige 23efd)äftigung bie 'Hftutterfdjaft in feiner SSeife 
fd)äbigt. QSobJ oerftinbete Sjeinrtd) öon £reitfd)fe: „SBeil wir 
ju Wein backten, ben grauen bie greü)eit ber 23ilbung ju gön- 
nen, ift tyeute nur eine Sftinbergatyl SDeutfdjer grauen imftanbe, 
ben fdjweren (Ernft biefer 3eit ju oerfteljen." Gobalb aber eine 
grau ftubierte, würbe fie fetbft »on if)rem eigenen ©efd)led)t 
als „23lauftrumpf" farrtfiert. Seiftete fte etma$, ober fyatte 
fie aud) nur ben 2>oltortttet erworben, fo würbe ba§ al$ ettoaß 
ganj 2lufjergewöt;nlid)e3 ^erüorge^oben, of;ne bafj man fid) ba- 
bei fTar machte, wie r»eräd)ttid) unb gering man bamit ü)ren 
fcetligften 23eruf, ben ^utterberuf, einfd)ätjte. Sie grauen- 
bewegung erfdjöpfte fid) in ber ©rünbung oon Q3olBrud)en, 
9?ä£fd)ulen, ®inberrnppen, ®inbergärten ufw., aber t>a$ Hm» 
»erfitätSftubtum erfd)lofj fie ber 3)eutfd)en grau erff im Sa^re 
1908. 9lad) adjtunbbreifjigjäfjrtgem fingen f;atte bie bürger- 
liche grauenbewegung enbtid) eine <2ftäbd)enfd)ulreform er- 
reicht, bie eine Reifeprüfung ermöglichte. 23i3 babjn mußten bie 
grauen, bie ftubieren Wollten, fid) in 9leat» ober ©pmnafial- 
furfen oorbereiten, würben aber nur an wenigen Unioerfitäfen 
immatrifuliert unb geprüft, ©o mufjte S?äfJ?e 6d)irmad)er nod) 
in granfreid) ftubieren unb in ber GrfjWeij promovieren; benn 
ber djrifttidj-fonferoatioe ©eift be^errfd)te oor allem nod) bie 
fogenannte obere 6d)id)t, wä^renb ber natürlicher empfinbenbe 
unb fortfd)rittlid)ere Slrbeiterftanb aud) ber grau oiet me^r 
©teid)ad)tung entgegenbrachte. 25er fonft fo ©eutfd) benfenbe 
spaut be fiagarbe »erlünbet nod) 1884 aii Programm ber ton» 
feroatioen Partei jur grauenfrage: „2)a3 9Mbcf;en, aud) ba$ 
ber beeren Stänbe, lerne, tvaß jeber <2ftenfd) tyeute wiffen mufj, 
lefen, fcfyreiben, redmen unb etwas Seimathmbe, tva§ e3 
aufjer bem, oon ber Butter gegeigten Striden, 9lä^en unb 

52 



®od)en lernen wirb, enffdjcibet allein fein ü;m oon ©oft ge« 
wiefeneS £eben. 3ebe3 QSeib lernt wirflid) nur »on bem 
tarnte, ben eS liebt, unb eS lernt baSjenige, toaß unb fo öiel, 
wie ber geliebte Sftann burd) feine Siebe als ifm erfreuenb 
^aben will. ©a$ 9legetred)te ift, bafj 'TOäbdjen betraten unb ü)re 
23itbung in ber (Ef)e gewinnen, ©od) aud) Sd)Weftern, Softer, 
Pflegerinnen werben burd) 23rüber, Q3äter, ®ran!e unb ©reife 
gu etwas gemacht werben, wenn fie bie Männer mit warmem 
Sergen bebienen." Sin Stanbpunft »on erfd)ütternber Q3er= 
blenbung in männlicher (Eitelkeit unb Setbftfud)t, bie eine golge 
jab^unbertelanger d)rifttid)er (Ergiefmng ift, ein trauriges 2lb» 
irren t>on germanifd)em ©enfen unb ©mpfinben. 

©er greüjeitwitle ber ©eutfcfjen grau trotte aber me^r 
unb me^r allen Qßiberftänben. SSftan mufjte ü)m ba|>er immer 
Wieber ein Q3entit öffnen, um ü)n Dorn richtigen QSeg, ber Seil» 
naljme am Q3olt'Sgefd)el)en, fernhalten. So gab man ber grau 
ben Sportplatz frei- t>atte man eS guüor für unfd)idlid) ge|)al= 
ten, wenn grauen fid) fportttd) betätigten, unb Waren ü)r aud) 
bjer enge ©rengen gebogen, fo würbe fie jettf auf Sportgebiete 
gelodf, bie ifjren Körper häufig für ü)re ^utterfdjaftaufgabe 
fdjwer fd)äbigen unb oft für immer ungeeignet machen. (ES finb 
gerabe bie gefünbeften unb gewanbteften grauen, bie fo für bie 
VottSoermetyrung auSfcfyeiben. — ©er Sport würbe gu einer 
Q3ot?^feud)e, bie, burd) erftrebte 9Morbleiftungen, über- 
anftrengte 9?er»en unb Sergerfrantungen geitigt unb mit for» 
perlidjer (Ertüchtigung nid)tS me|)r gemein |)at. — ©er norbifdje 
^enfd), ber torperlid)e ©ewanbt|)eit liebt, mufjte in folgern 
^afje bafür begeiftert werben, bafj er fid) unb bie Umwelt 
barüber »ergibt unb für nid)tS anbereS me|)r Sinn unb 3eit 
Jjat. So ftört er ben 3"ben nid)t bei feiner ^lanarbeit, bie Völ- 
ler gu foHeftioieren unb auSgubeuten. ©aS blinbe ©euffdje 
Q3olf fotl weiterhin als (Eintagsfliege leben, ofme Q3erwurge- 
lung in ber Vergangenheit, unb ben 23lid nur auf SageSereig- 
niffe richten, ©er 3ube aber beult in 3ar;r&unberten unb »er« 
folgt fall red)nenb feine weitgefteetten 3iele. Seine lörperlicfye 
llntertegen|)eit mad)te ifm gum fd)arffinnigen ^föcfjologen, ber 
genau bie Seele ber Völler ftubierte, um if>re Neigungen unb 
Sd)Wäd)en für fid) auSgunuijen. — (ES erftanben bie ^errtid)ften 
Sportplätze ofme jebe finangieHe S3efd)ränfung, wäfjrenb für 
gefunbe QSofmungen unb bamit für ein glücflicfieS Sippenteben, 
bie Kraftquelle eines Volles, nid)tS ober nur fef>r wenig gefefmf). 

23eim weiblichen Sport mad)te man genau ben gleichen gef>- 

53 



ter Jute bei bem Stubium unb ber Berufsarbeit ber grau, ^an 
berüdfid)tigte nid)t bie QSefen3üerfd)iebenbeit ber beiben ©e» 
fd)Ied)ter, wie fie grau ©r. Subenborff in if>rem 23ud)e: „2)a§ 
QBeib unb feine 23eftimmung" geigt. 2lu3 ber £atfad>e, bafj bie 
grau auf trieten ©ebieten oerfagte, weil fie eben au3fd)tiefjtid) 
^anneSgebiete finb, folgerte man immer wieber bie ^inber» 
Wertigfett ber grau, ©in ©ogma, tton bem man fid) burd>au3 
nidjt trennen wollte, benn, au3 ben bei ber Freimaurerei ange» 
führten ©rünben, fiel e3 ben meiften Männern gar ju fdjwer, 
ibren Serrenftanbpunft aufjugeben unb bie grau alß gteidjwer» 
tig, nur wefen$»erfd>teben ju achten. 

2)te 2öefenö^crf4)teben^eif ttonSDfamnunb grau 
unb t^re Q3ebeufmuj für @tppe unb ^3olf 

2lfle bisher öon ber grauenbewegung at3 (Erfolg gebuchten 
(Errungenfd)aften baben ber grau nur Seil« ober Scheinerfolge 
gebracht. — 2Ba3 ^alf ibr ber ©timmjettet, burd) ben fie fid) 
gleichberechtigt füllte. Sie befam gar nid)t bie Stn^abt Weib» 
lieber 2tbgeorbneter, bie ibrer «Stimmenäabl entfprad). — Sie 
burfte Männer wabjen, bie wieberum, unter 2tu3fd>attung ber 
grau, aber mit ibrer Stimmfraft, einen einfeitigen Männer» 
^iaat aufrichteten, ©a er ben göttlichen 9caturgefe£en juwiber» 
läuft, fann er feine ©efunbung bringen. 

Sie tapfere Q3ortampferin 25r. 5Mtbe Sdjirmactjer 1 ) fagte 
mit 9led)t: „2)ie Stuffaffung ber grau al$ eines minberwerti» 
tigen, funftioneö untergeorbneten ©efct)Iect)tS ift oöttig unger» 
manifd), unb nur mit böcfyftem 23efremben trifft man auf biefe 
2tnfd>auung getabe in üötfifd)en Streifen, bie aHeS 3übif d)=Orien» 
tattfd)e »erabfdjeuen. §ier fiijt e3 ibnen grünbltd) im 9caden. 
Q3öHifct)er grauengeift foH 2)eutfd)tanb erneuern? ®ommt ber 
Don einem beberrfcfyten, untergeorbneten grauen- unb Butter» 
gefd)led)t? QBa3 fonfer»ati»e unb nationale grauen t>mte r>iet» 
fad) nod) ber ©eutfd)en grauenbewegung fembält, ift bie Q3or» 
fteHung, fie fei unbeutfd) unb ungermanifd). ilnbeutfd) ift fie, 
infofern ba3 2)eutfd)e d>rifttid) germanifd) ift, im ©egenfatj jum 
beibnifd) germanifd)en. 9Jein, bie grauenbewegung, bie nur in 
germanifdjen Sänbern feimte unb nütjlid)e grücbte trug, er» 
ftrebt ber germanifdjen grau alteß (Erbgut jurüd. 2)ie ©erma» 

*) 3>r. Ääf^e ©«trmadjet: „Die S>cutf*e grau in gamtli«, Söoll unb <&taat." 
54 



nin war tpe^r^aft unb bJuStid), auf ©runb beiber (Eigenfd)aften 
l>od)gead)tet. Sie War fraftüoß, ftritt unter ben Männern im 
Stampf, fiel barin. Sie tonnte greube am Stampf, neben ber 
(Söttermutter grtgga fielen bie Sdjwertjungfrauen. 3u biefem 
ftarfen, reinen, wtffenben grauentum gebj unfer QBeg jurüct. 
2)er ©eutfdje ^annerftaat gerbrad) im Serbft 1918, ber »öl» 
ftfd)e Staat fann, wenn überhaupt, nur burd) 3ufammenarbeit 
aller Seiten unb beiber ©efd)led)ter aufgerichtet werben!" 

Sie Nationalen fe^en in SMtlje Sd)irmad)er eine ü)rer 
beften $ämpferinnen. Sdjabe, ba$ fie ü)re (Einteilung jur 
grauenfrage »öHig mifjatfjten. 9ftan gibt ber grau woty baß 
9led)t jur Berufsarbeit, aber leinen (Einfluß auf baß Qßoltfr 
gefdjefjen. 3a, man oerfünbete fogar: ©a3 5ßeib fei jur 3ud>t 
unb Hnjud)! gefdjaffen. Solcher Spnagogengetft im nationalen 
fiager geigt, in welche Sümpfe jübifdje Serualetbjf Männer 
führen fann, fo bafj fie bie grau nur noef) au3 ü)rer Sumpf« 
perfpeftiöe fefien unb teerten tonnen. 

©ie Natur §at bie QBelt aweigefd)ted)tlid) gefdjaffen, bamit 
fie aud) aweigefd)led)tlid) geführt wirb, ©ie Natur will bie 
Q3erfd)ieben&ett ber ©efd)led)ter. Sie tefmt jebe ,,©leid)fd)al» 
tung" ab. SBibernatürtid) unb barum abftofjenb wirft ber wet* 
bifd)e Wann ober baß Mannweib. 

3n bem QBerfe: ,,©a3 2ßeib unb feine 23eftimmung" jeigt 
grau ©r. 9ftatbjlbe fiubenborff al§ gad)ärjtin bie rorperlidjie 
unb feelifdje Q3erfd)ieben^eit »on <3Kann unb grau. 3um erften 
Wal mürbe bamit eine grünblidje unb fad)lid)e gorfdmng über 
bie fid) ergänjenben Begabungen ber ©efd)ted)ter gegeben. Sie 
mad)t eine (Enbe mit ber platten unb falfdjen Sonberung: ber 
Wann ift Q3erftanb, bie grau ift ©efübj unb aeigt baß üni>e\t 
im einjetnen, baß ^ännerftaaten unb ebenfo grauenftaaten 
bebeuten. — Wan $atti btefier bie 3Befen3»erfd)iebenli>eit ber 
beiben ©efdjlecfyter mit ber ja^r^unbertelangen Q3ormad)tftet» 
lung beß Cannes begrünbet. ©r. Wafyübe fiubenborff be* 
Weift in bem QBerfe: „©er ^Olinne ©enefung", bafj biefe 
Q3erfd)ieben^eit fd>on in ber oorgefd)id)ttid)en (Entwidlungjeit 
feftgelegt würbe, lange e$e eß ^enfdjen gab, alfo aud) elje iß 
eine Q3ormad)tftellung biß männlichen ober wetblidjen ©e» 
fct)led)t3 gab. — 

©ie 23üd)er, bie über bie ^Pfpd)ologie ber grau früher ge» 
fd)rieben mürben, ftellen eine me^r ober weniger befdjönigenbe 
ober getyäffige Slufjäbjung weiblicher Mängel bar. ©a3 Urteil 
be§ Cannes wirb immer burd) 3uneigung ober Slbneigung 

55 



gegen baß anbete ©efcblecbf beeinflußt fein unb oon perföntieben 
(Erlebniffen. 2Bo Männer pfpcbotogifcbe Urteile über bie ©igen» 
ort ber grau abgaben, tonnten fie ernfter Prüfung ntdjt ftanb« 
Ratten. 

•pfpcbologie ift eine no<b junge SBiffenfcbaff. — Q3tet» 
leicbj barum, weit fie bem <vKanne niebt liegt, weil er — 
bei ber Q3erfcbiebenbett feiner 3nterefferid)tung anbere ©e» 
biete ber gorfdjung betrugt. — (Erft al3 man ben grauen 
ben QSeg auf bie Socbfdjute frei gab, ftnb bier unwiber- 
leglicbe, grunblegenbe (Erfenntniffe gewonnen worben. ©ine 
Seutfdje grau unb Butter, bie neben tyrem ^utteramt 
nod) alß Srjtin für 9leroen« unb ©eetenbeilhmbe tätig war, 
f>at fie gefunben. 2lu3 tyren p|»tIofop^ifct)cn, mebijinifc^en unb 
naturwiffenfebafttieben Stubien unb aus ber feberifdjen Scbau 
ber germanifdjen grau, fcfyöpfte ©r. <2Jc*atbitbe Subenborff ibre 
reichen, babnbreebenben (Erfenntniffe, bie eine neue 3eit ein» 
leiten. 2>ie ^Phlebologie ber ©efcblecbter, bie fie in ibrem 
QSerfe: „2>a3 QSeib unb feine 23eftimmung" gab, tonnte au<b 
üon ber 5Biffenfd)aft nid)t umgeftofjen werben, ittn fo eifriger 
f)at bie überftaatltd) geführte 2öiffenfd)aft bie3 bebeutenbe 
QSerf unb feine Q3erfafferin totgefebwiegen. — 60 lange bie 
Sbeologie, bie ficf> am weiteften üon ber 2BabrbeÜ entfernt, an 
ber Spitze ber gafuttäten fdjrettet, wirb baß wobt aueb fo blei- 
ben. — 9Lftatbitbe fiubenborff geigt, Wetd)e gebier bi^ber 
bei ber Bewertung ber törpertieben unb feetifdjen (Eigenart beß 
QBeibe^ gemacht würben. <2ftan fpracb, ber grau eine ftärfere 
2tuffaffunggabe ju, bem ^anne eine größere Scböpfungfraft 
unb begrünbete beibe gefcbtedjtticb. ^an überfab babei, bafj ja 
aud) bie grau bem 5?inbe bie ^eimjetfe unb barüber binau3 nod) 
bie (Entwictlung febenft, fo bafj bei ibr bie geiftige Scböpfertraft 
ebenfo entwickelt fein müfjte wie bie 2luffaffunggabe. ©r. ^atbitbe 
Subenborff weift barum eine folebe Folgerung alß unwiffen» 
fcfeafttid) jurüd unb jeigt, ba$ bie Sluffaffunggabe ber grau 
auf ben ©ebieten eine gute ift, für bie fie 3ntereffe bat ""*> bei 
Singen, bie ibr gleichgültig finb, eine febteebte, unb bafj fie auf 
folgen ©ebieten QSertooHeS leiftet, benen fie ibre Slufmerffam* 
feit freiwillig juwenbet. — Q.ß ift bieS bei allen gemütSftarfen 
"DKenfcben fo, unb 5U ibnen rechnet oorwiegenb bie grau. (Ein 
Socbbegabter, einerlei Welcben ©efd)led)t^, fann oft febr bumm 
fragen auf ©ebieten, bie ibn niebt intereffieren. 23ei ber grau 
ift bie QSiUenSeräiebung meift Weniger ftraff al$ beim ^ann, 
beffen SöiHen bureb, ©cfjute, Seben unb 23eruf3pflicbten ftärfer 

56 



angehalten wirb, fid) aud) ©ingen jujuttJenben, bie if)tn nid)t 
liegen, ©ie grau bagegen ift weniger gewöhnt, fid) jur Stuf* 
merffamfeit 31t jttnngen. Sie wenbet fid) »on ü)r gleichgültigen 
©ebieten ab mit ber 23ef>auptung, fie nid)t 31t »erfte^en. SierauS 
folgerte man bann ben Sd)Wad)finn beS QBeibeS. 'Iftatlnlbe 
fiubenborff fdjreibt: „(ES ^anbelt ftct) bjer nur um eine Üner* 
jogen^eit, bie ber grau umfo metyr möglich wirb, ba bie Umwelt 
eS ü)r niemals übet nimmt, wenn fie elementare ©inge nid)t 
weift. <2ftan entfdjutbigt im ©egenteil gerne alle berartigen 
hänget mit ber ,,©ummf>eit" ber grau. 9^and>e ljod)begabte 
grau erflärt, ein ®urSbud) md)t ju Derftefcen." 

9ftan tann barauS folgern, bafj bie ©ebiete, benen bie grauen 
fid) mit Vorliebe freiwillig jutüenben, grauengebiete finb unb 
giemüd) Har abjugrensen, ftarer als beim 93lanne, ber infolge 
Schulung unb (Ersiefmng feine Stufmerffamfeit aud) ©ingen 
3uwenbet, bie ifjn wenig ober gar nid)t begeiftern. 

QBeit nad) biefer (Erkenntnis nid)t gewertet würbe, 30g man 
grauen 3U Berufsarbeiten tyeran, bie auSfd)ttef}tid) ©ebiete beS 
Cannes finb unb folgerte auS ü)rem Q3erfagen wieberum ifjre 
geiftige ^Kinberwertigfeit. (Entfdjeibenb muft fein, auf weldjen 
©ebieten fie QßertoollereS 3U geben oermag als ber ^Jlann. — 

©r. ^at&itbe Subenborff weift nad), wetd)e ©ebiete eine 
Söfjerleiftung ber grau ergaben, unb welche auS gleichen ©rün» 
ben auSfdjtieftlid) 9[ftanneSgebiete finb. Sie ftürjt bamit bie 
£el?re Don ber ilntertegen^eit beS weiblichen Q3erftanbeS, bie, 
feit bem (Einbringen jübifdjer grauenwertung inS ©eutfdje 
£anb, fo eifrige 9lad)beter fanb. Sie geigt, bafj 9fterffäf>igfeif 
unb ©ebäd)tntS beim 9ftäbd)en beffere ©urd)fd>nittSergebniffe 
geigten als beim Knaben. — QBenn nun aud) baS ©ebäd)tniS 
in ber bisherigen (Er3ie|)ung in feiner 23ebeutung weit über» 
fcfyätjt würbe unb me&r QSert barauf gelegt würbe, toten ©e- 
bädjtniSftoff a^ub^äufen als bie UrteilSfraft ju werfen, fo ift 
bod) gum ©enfen ©ebädrfniS unb <3fterrfcü)igfeit unbebingt er* 
forberttd). 

2ltS weiteren 23eweiS geiftiger ^inberbegabung beS QSeibeS 
fübrt man t>or allem aud) einen ftarfen fanget an £ogif, an 
folgerichtigem ©enfen an. 23ei gteid) exogenen Knaben unb 
<2Mbcr;en seigte fid), bafj bie "OTäbdjen matfcematifdje Stufgaben 
ebenfo gut löften. ©a gerabe ^at^ematif fd)ärffteS togifd)eS 
©enten forbert, fo ift bie gäbjgteit baju ber grau atfo ebenfo 
eigen, ©ie gotgerid)tigleit wirb aber burd) tyv ftärfereS ©e* 
mütSteben häufig beeinträchtigt, ©agu fommt nod), bafj ü)re 

57 



(Erjie&ung bie§ ©ebtet öerfümmem liefj, weit man iß für fie für 
unwichtig bjett; anftatt logifcfyeS ©enten beim 9J£äbd)en burd) 
Schulung unb Übung ebenfo ju förbern, wie iß beim Knaben 
gefc^ie^t. — ©a$ ^ännerurfeit über ben fanget an £ogif bei 
ben grauen leitet ftct) au3 i^rem £>au$frauen» unb SO'iutteramt 
£er, wo iß freitid) burd) baß ftarfe '•üiitfdjwingen xi)tiß ©emütS- 
lebend beeinträchtigt wirb. — Stuf ©ebteten, bie baß ©efübü- 
leben nid)t berühren, ift bie togifdje ©enffäbjgfeit ber Wiffen- 
fdjaftlid) tätigen grau bie gleiche wie beim <2ftanne, ja burd» bie 
\X)t eigene innere (Eingebung tommt fie oft ju richtigeren (Er- 
fenntniffen. ©a3 wirb fetbft »on grauenfeinben zugegeben. 

©iefe innere (Eingebung finbet fid> aud) bei gemüt^ftarfen 
Männern unb §at bie fd)önften Schöpfungen auf bem ©ebiete 
ber ®unft £ert>orgebrad)t. — QBenn iß, tro£ biefer gerabe ber 
grau befonber3 eigenen gäbjgfeit, wenig fd)öpferifd)e 5?ünft- 
lerinnen gab, fo l)at baß feinen ©runb cor allem in ber feeti» 
fdjen ( 23erfd)iebeni)eit ber beiben ©efd)ted)ter. Sie grau, meift 
felbfttofer unb aufopferungfäbjger, at3 ber 9?iann, »ergebt fid) 
oft »oHfommen in ber Eingabe für eine 3bee, fo wie fie ficf> aud) 
in ber fiiebe unb Eingabe für anbere »erfc^enft unb aufopfert, 
©erabe biefe (Eigenfd>aft gibt x\)t bie ^ftütterlidtfett unb bebingt 
biefe. ©er 9EJiann ift fetbftifdier oeranlagt unb mufj iß wieberum 
aud) fein, ©eelifdje (Ertebniffe finb i^m me^r Slnregung, at3 ba$ 
fie ü)n »ergeben. ©aoor fd)ütjt ifm fein ftärf erer Selbfter^altung- 
Witte. — ©a ber ®ünftler feine SSerfe auß tieffter feelifdjer (Er» 
griffentyeit fd)öpft, fo tann er fie nur bann geftatten, wenn fie 
tt)n nid)t aufgeben, unb er nid)t burd) anbere Stufgaben abge* 
lenft ttrirb. 

©urd) bie Slnterorbnung unb 2tb£ängigfett, in ber bie grau in 
benmeiftengällen nod) lebt, junädjft »on ben (Eltern, nad^er Dom 
Planne, finb ber (Entfaltung xl)xiß fd)öpferifd>en 3Birfen3 meift 
©renjen gejogen. Oft ftetjt aud) i^re Umgebung in ftarfem ©e» 
genfa^ ju tyrem 6d)affen. — 9iur grauen, bie einen ftarten 
greifjeitwillen ^aben, werben alle biefe öemmungen überwin» 
ben unb unwürbige geffeln fprengen. greilid) aud) nur unter 
ben tiefften, feetifdjen Qualen. — 

9lur wenige finb nad) ber ja|)r£unbertetangen (Erjietyung jur 
Sd)Wäd)e unb Unterwürfigkeit baju imftanbe. ©enn ein fotd)er 
•25kg will äufjertid) unb innertid) erfämpft fein; unb iß ift 
burd)au$ nid)t fidjer, bafj biefer Stampf fiegreid) bleibt für ben 
greityeitwillen unb bie gäbjgfeit biß Sdjaffenben. — 2tn Seu« 
felei unb 9iiebertrad)t ber Mitwelt ift fd)on mancher 3t>ealift 

58 



jerbrocfyen. — Sie gladjen unb Saften Werben einen folgen 
5Üampf immer ablehnen unb u)m fopffdjüttelnb gegenüber fielen. 
(Ein 2tHfag3leben ber ©ewobju)eit unb 23ef)arrung in ber geiftig 
genügfamften, nädjffen Umgebung befriebigt fie, Wäf>renb eß 
bem 3bealiften ©ift iff, ba3 ü)m jef;renbe Qua! ober Seelenfob 
bringt, wenn er fid) nidjf loSlöft. 

Sie geiffige unb wtrtfdjaftttdje Sörigfeif trägt fidjer bie 
Sauptfdndb an bem Mangel an genialen Schöpfungen ber 
grauen, Siefer fanget t)<xt aber aud) nod) einen anberen, 
fdnoerwiegenben ©runb. (Er ift baß jwangStäufige (Ergebnis 
einer ja^rfmnbertetangen 'Sflinberbewertung iljrer geiftigen 
gäbjgfeiten, bie einen ftarfen fanget an Selbftoerfrauen auß° 
töfen mufjte. — QBir wiffen, wie oft fd)ted)fe oäterlicfye (Er* 
jieljung, bie feine greiljeit ber geiftigen (Entfaltung gönnt, in 
f)od)begabten Söhnen fanget an Selbftoertrauen in eigenes, 
fritifd)e3 ©enfen unb Urteilen erzeugt unb fo ü)re fetbftänbige 
fdjöpferifdje fieiffung für immer unterbinbet. — ©er ®ünftter 
mufj Selbffoertrauen f;aben ju feiner fieiftung. (Er mufj fid) baju 
innerlich berufen fügten. 3weifel am können öernid)tet feine 
Sd)affen3fraft, ebenfo jerftört geljäffige S^rttif bie Stimmung 
baju. SaS Selbftöertrauen ju iljrer fieiftung würbe ber grau 
in all ben d)riftlid)en 3afcrf;unberten fortbauernb genommen, fo 
bafj grauen, bie ©uteS leiffeten, oft ibre Schöpfungen unter 
^ännernamen öerbargen, in 9?ücffid)t auf baß Vorurteil gegen 
weibliche Seiffung. 

9lod) f;eute wäd)ft in triefen Sippen baß ^Jiäbdjen unter bie» 
fer ^OJinberbewertung auf. „Mulier taceat in ecclesia" hält ber 
©^mnafiaff feiner Scfywefter entgegen, bie fid) erlaubt, ein 
eigenes Urteil ju f;aben, baS üon bem feinen abweid)t. „3d> pre 
gern, Wenn fluge Banner reben unb freu' mid), Wenn id) iljnen 
folgen fann". SieS QSßort Sorotf;ea3 genügt and) f;eufe nod) 
ben meiften grauen. Sie galten baß fogar fd)on für geiftige 
9legfamfett. (Erft wenn einmal bie grau jaf;rf;unbertefang wie* 
ber if;re »olle ©leid)bered)tigung befifjt, fäfjt fid) »ergleicfyenb 
feffffeüen, ob fie weniger Sdjöpfungfraft befifjt als ber 9Kann. 
So lange fie unter bem 23leibrud geiftiger ^Überbewertung 
lebt, werben nur ffarfe 9iaturen fid) burd)fefjen. — ©aneben 
werben grauen, bie an Setbftüberf;ebung franfen, burd) iljre 
(Erjeugniffe gerabe wieber ben 23ewetS fümmerlid)er, fd)öpferi* 
fd)er fieiffung ftüfjen, an bem fo gern feffgefcalten wirb. — Sie 
ffarfe (Entwidtung ber ^antafie, bie gerabe ber grau eigen unb 
if;re 23egeifterung für atleS Sd)öne, bie fie ja in ü)rer £)äuSltd)* 

59 



feit entfaltet, fagt un<§, bafj eine richtige (Erstehung fie ju 
fd)öpferifd)er Kraft auf aEen ©ebieten ber Kunft befähigen 
Wirb, wenn alle triefe Hemmungen unb Suggeftionen ber "Silin* 
berbegabung weggeräumt finb. Senn fd)öpferifd)e Sat bebingt 
feetifd)e greift. 

©te beftenfieiftungen wirb ber fd)öpferifd)e 9!ftenfd) auf ©e* 
bieten ooEbringen, bie ü)n begeiftern unb feine Seele erfaffen, 
alfo nid)t jwedgeboren finb. ©r. ^ftatfntbe Subenborff weift 
nad), bafj ba3 3ntereffengebiet Don <3ftann unb grau ein oöEig 
»erfdnebene3 ift. ©a$ tarnt man fdjon im KinbeSatter beobaä)* 
ten. ©arum mufj Ijier ein ©efd)led)t3unterfd)ieb »ortiegen. ©a3 
Heine <2ftäbd)en beobachtet in ber (Eifenbaljn bie 'vftitfaljrenben 
unb iljren ©efic£)t3au3brud, ber 3unge fragt nad) bem 23au ber 
Sofomotwe. ©er Genfer; intereffiert ba3 'JJiäbdjen mef>r at3 
bie Sad>e. ©arau$ erttärt fid) aud), bafj bie grau, oon Siebe 
ergriffen, barüber oft eine, ü)r öortyer fef>r wichtige Sätigfeit 
gurüctfe^t. ©a3 ift ber grunbfa^tid)fte £lnterfd)ieb ber beiben 
©efd»ted)ter. — <2ftatbjtbe Subenborff fü^rt jum 23ewei3 
ein 23eifpiet au3 bem täglichen £eben an. (Ein weiblicher 23e> 
amter bebient fid) jahrelang eine3 SelegrapljenapparateS, oljne 
fict) barüber ©ebanfen 5U mad)en, wie biefer gebaut ift. ©er 
9Jiann fübjt ^DWfjbe^agen, wenn er mit einem 3nftrument ar» 
beiten foE, beffen Konftruftion er nid)t fennt. (Er arbeitet aber 
jahrelang mit Q3orgefet}ten ober Kollegen, beren feelifdje (Eigen* 
art um oöEig gleichgültig läfjt. 9Zur beren Seiftung intereffiert 
ilm. Über feinen (E^aralter Weifj er meift ebenfo wenig wie bie 
Selegrapbjftin über iljren Stpparat. ©ie grau bagegen empfin» 
bet Unbehagen, wenn fie mit einem 9JZenfd)en jufammenarbei» 
ten foH, über beffen Seele fie im Unttaren ift. Sie fud)t, burdj 
Q3ergleid) feiner dienen unb QBorte, Klarheit ju finben über 
feine Sanblungen, ob er fid) natürlich, unb ed)t gibt ober ^eud)ett. 
Sie fommt frier aud) formell sur richtigen (Erfenntni3, fo lange 
nid)t ftarfe ©efübj^regungen für ben 23etreffenben tyx folge» 
ridjtigeS Urteil erfd)Weren. 

So finb aEe ©ebiete, bie pfpd)ologifd)e 2tnteilnat;me erfor» 
bem, üor aEem bie 'pfpdjologie felbft, gtüdtidje Slrbeitgebiete 
be3 QSScibe^. ©a fie bisher faft au3fd)ltefjlid) 00m 9)lanne be= 
arbeitet würben, fo aeigen fie grofje Süden unb geringe (Ergeb* 
niffe gegenüber ben 2öiffenfd>aften, bie mit ber ^fpdjologie 
nid)t3 ju tun t;aben unb baburd) glüdtid)fte$ Slrbeitgebiet be3 
9ftanne$ finb, wie ^pfif, (Eljemie, Sedmif, <3Äatf;ematit, (Eb> 
rurgie, aud) 23otanif unb 3oologie. 

60 



Wtofopfrie ift ©ebiet beiber ©cfctjtcrfjfcr, ba ba<§ Überbe» 
ttmfjtfein jenfeif^ ber ©renjen »on 9laum unb 3eit ift, unb fo 
öon 9Jiann unb grau in gleicher QSeife erlebt toerben fann. 
2lud) frier t)at bie geifttge <2fttnberberoertung ber grau if>re 
fd)ßpferifd)e Seiftung bteljer gehemmt. 

©a bie QSiffenfdjaft früher au3fd)liefjttd)eg 2trbeitgebiet be$ 
9Wanne3 roar, fo ift fie in männlichem ©enfen aufgebaut. ©ie 
grau fiebj fid) baburd» gezwungen, fid) fd>on auf ber Schute 
mcmnlid)e$ ©enfen anjueignen, tva§ ttrieberum für fie eine (Er* 
fd)roerni$ bebeutet, ©aburd) erfdjeint ü;r 3ntereffengebiet Hei» 
ner als e3 in SSaljr^eit ift, benn »tele ©ebiete ber 2Biffenfd)aft, 
3. 23. ©efd)icr;te, (Etfrif, Siteratur unb Sprachen tiefen fid) aud) 
au$ roeibtid)er 23egabung aufbauen. ©a bie3 bi^er nid)t ber 
gaU voar, unb bie ftubierenbe grau auf <3ftanne3arbeit auf» 
bauen mufj, oerliert fie oft rafet) bie anfängtidje 23egeifterung 
für ein Stubium. ©ie grau follte ba3 geben, tt>a$ üjr eigen 
ift unb fid) nid)t männlid)e$ ©enfen aneignen. So roürbe bie 
grau bie ©efd)id)te nid;t nad) ben friegerifdjen (Ereigniffen 
werten, fonbern nad) ben feeltfdjen 3ufamment;ängen, bie fie 
herbeiführten. 3Ba3 eine grau gerabe auf biefem ©ebiete 3U 
leiften »ermag, unb ju tt>etd)en genialen (Ergebniffen ü)re Sie» 
fenfdiau fie fü^rt, i>a$ hrirb un3 bie <pritofopbje ber ©efd)id)te 
öon ©r. ^atbjlbe fiubenborff*) beweifen. 

(Eine ftarfe ^e&rbegabung geigt bie grau auä) für Sprachen. 
Scfpn ba3 Keine 'JJiäbdjen lernt fdmeller fpredjen unb ift toort» 
getoanbter at$ ber gleichaltrige ®nabe. ©te gteidje überlegen» 
tyeit ift aud) im Stuffatj feftgefteHt. ©a3 im allgemeinen ftärfere 
Sd)önf)eitempfinben fptelt bjer jtoeifetloS mit. 

©iefe Sd)ön^eitfe^nfud)t, bie bem QSeibe befonber3 eigen, 
ttrirb nur ju gern al$ ©efallfud)t unb (Eitelfeit gefd>mä§t. ©a3 
ift ortentalifdjeS ©enfen. ©ie 2Büfte fennt feine Sd)önf)eit. 
Sie ift Sd)öm)eit unb greube feinblid). ©er 3ube beurteilt 
barum aud) allen 23efiij me£r nad) feinem ©etbtoert aU nad) 
feiner äftf>ettfd)en QBirfung. — 2tnber$ ber 92orbe. Seine 
Seele erfüllt getrieben^ ein tiefet Seinen nad; Sd)önf>eit. (Er 
füt>tt fid) bebrüdt unb »erlebt, toenn feine Umgebung biefem 
Sdjön&eifempfinben nriberfpridjt unb fud)t bann 33ergeffen im 
Sintoegträumen über 9?aum unb 3eit. — So mag ber Orien» 
täte wobj ben Sd)önrjeitroiHen be$ 9lorben3 — ber if)tn fo 
fremb ift ttrie bem ©eutfdjen bie 23egeifterung für alte Kleiber 

*) 3» 93crt«reti«nfl. 

61 



unb £umöen — at§ (Eitelfeit em&finben. Uni aber foll fein 
nüchterner 3tt>ecfgeiff bte (E^rfurdjit Bor ber Sd)önf>eit nicfyt 
rauben. Sie ift un£ ein ©otteSfunfe, ber un3 hinaufträgt über 
fo Biet Sctfjlidjteit be3 SllltagS. #ufjert fid) biefer Sd)önl)ett» 
ttnHe bod) aud) in ber ganjen gottburdjfeetten 9?atur, in "^pflanje 
unb Sier. Sie alle ftreben banad), fo fd)ön ju fein, als ber 
Kampf um3 ©afein e3 ü)nen nur irgenb geftattet. — 2Bie arm 
unb fd)al wäre baä £eben otyne ben göttlichen QSunfd) jur 
Sd)önfceit — o$ne bie 23Iumen, oljne ben Sang ber Q3ögel, 
olme bie 2tnmut ebelgebtlbeter <2ftenfd)en. — (Eitelfeit ift er nur 
ba, too er jur ©ünfetyaftigfett entartet, ©afj fie ben Männern 
ebenfo oft eigen ift als ber grau, ba$ betoeift i^re Sitet» unb 
Orben^freube. — 

3toeifetto3 »erführt aber aud) bie tneift rein äufjertidje (Ein» 
fd)ä^ung be$ SBeibeS Bon feiten be3 Cannes gar Biete grauen 
jur (Eitelfeit unb ©efaHfudjt. ©a fie nur als ©efd)tecr;t3tt>efen 
getoertet nmrbe, fo fab. fie e3 aU if>re Stufgabe an, alleS ju ftei» 
gern unb ju entttricfetn, tvaß fie bem ^Kanne anjie^enb mad)i, 

unb Berirrte fid» fo fetbft bis jur fünfftidjen 23emalung. 

3£re 9Äinberbett>ertung £atte all i^re Slbtoege im ©efotge. 

©er ^ann fab, fid) allein als ber jur Kulturarbeit berufene 
an unb fd)tofj bie grau »on ber 'üDtttttnrfung auS, bie ü)n fo 
gtücfltd) ergänjen tonnte. &at bod) bie 9?atur bie Seelen ber bei» 
ben ©efd)ted)ter fo aufeinanber abgefttmmt, bafj überall, wo eine 
^e^rtoertigfeit be3 Kännel Vorliegt, eine Sdnoädje ber grau 
Borlpanben ift unb umgefe^rt. — So ift ber 'DiJiann im aKgemei» 
nen felbftfidjer oerantagt. (Er mufj e3 im £eben3fampfe fein, (Er 
ift batjer meift aud) ftärfer abhängig Bon allen £eben3genüffen 
unb Neigungen, ©ie grau bagegen erträgt förderliche (Entbel)» 
rungen: Smnger, ©urft unb Sdmterjen teidjter unb gebulbiger. 
©a3 QBobJergeljen ber i|>r lieben 'DSftenfdjen liegt t&r Biet me^r 
am öerjen al3 ba3 eigene. Sie nimmt felbft ünglüd unb £eib 
auf fid), um anbere baoor ju betoa^ren. 

greilid) gibt e$ aud) bjer 2lu3nal?men: gemtfjfüdjtige unb 
felbftifd)e grauen, bie infolge jeglicher QSiUen^udjt unbe» 
t»errfd)t if>ren Sdjmerj unb i^re Saunen äußern unb in Spfterie 
entarten. Straffe SKiHenSsudjt in ber Kinberftube, fo tote ©r. 
QKatbJtbe £ubenborff fie in bem 23ud>e: ,,©e3 KinbeS Seele 
unb ber (Eltern 2lmt" Bon ben (Eltern forbert, bewahrt beibe 
©efd)ted)ter am fidjerften Bor ^öftertfcfyer 3ügeltofigfeit, bie fid) 
ebenfo Ijäufig beim tarnte finbet. ©er uneigennützige 'SÄenfd) 
ift Bor \t>v am beften gefdjütjt. ©ie 2tfin SWafj bei unferen 

62 



Sinnen beweift, bafj 23ef>errfd)t|>eit ati Sugenb bei germanifdjen 
Sßeibei gefeiert würbe. 

©ie ausgeprägte Selbfttofigteit ber meifien grauen, bie fie 
gur ^ftutterfdjaft mit all ü;ren Opfern befähigt, würbe in ber 
d)rifttid)en 3eit auf bie eigene Sippe befd>ränft. ©iefe enge 23c« 
grenpng führte gar mandje grau jum Sippenegoiimui, ber 
nict>t über feinen Keinen &reü bjnauibacfyte, füllte unb forgte. 
— ©er enge $reti, in ben fie gebannt war, mufjte i£r 23lidfetb 
einengen. 

9lod) Ijeute wädjft bie ^fte^rjatyt ber 9M>d)en in foldjer 23e» 
grenjung auf unb mufj babei ftumpf unb oberftädjlid) werben. 
2lli ©attin begnügt fie fid) bann bamit, Q33eibd>en ju fein unb 
erftredt u)re Slufmerffamfeit nur auf bie fteintidjen Sorgen bei 
2ltttagi. ©er 5?üd)en5ettel, bie SHeiberfrage, womögttd) nodj 
bai Sun unb Sreiben ber Vlaüjbaxn begrenjen bai Sntereffe. 
3nnerlid) baburd) unbefriebigt, feelifd) unerfüllt, Wirb fie — bei 
männlid)er ©utbfamfett — gar |>äufig jur „S^tatfdjbafe", ba ein 
fiarfei 23ebürfnii nad) 2luitaufd) ber ©ebanfen (Eigenart bei 
gefü&liftärteren 3Beibei ift, unb £öl?ere 3iele feinen ©ebanten 
fehlen. — Sai 23eobad)ten ber anbern füljrt ju 9ieib unb 'DDftfj» 
gunft unb tötet ben ©oft in ber Seele. — Ober ei entartet mit» 
unter aud) 3um „&auibrad)en", ber burd) Heinlidjen 3anf über 
9lebenfäcf;lid)feiten ben grieben bei &eimei ftört, weit feine 
großen Stufgaben ba finb. 9tod) abftojjenber ati ber männliche 
Sörann ift ein törannifdjei QSeib, bai ©utarttgfeit unb 
Sd>wäd)e bei ©atten mit ©iftatur beantwortet. — ©er px 
Öaufe 2Bitlenlofe fpielt bann Wieberum häufig brausen ben 23e» 
febjigewaltigen. 

Itnfere 2fljnen wußten bie SDWitterlidtfett ber grauen 8« 
fd)ä£en. 3f>r SOfttfübJen, ü)re £>ilfibereitfd)aft, ü)r ^ftid^tge» 
füfjl nutzten fie für bai Q3olt. „Sdju$, Sdjirm, Seilfam, ©ut= 
fein, Seile, ©lang, greunbtid), griebtid)" ^eifjen bie §otben 
öom Setiberg in ben ©öttertiebern ber (Ebba. 

©te (Srfenntnii oon ©r. ^ftattjilbe fiubenborff mad)t ein 
(Enbe mit ber ^eute nod) tyerrfdjenben ©teidjgültigrett ber grau 
gegenüber ifcrer Mitarbeit am Q3olfe. Qia§ 95Zäbd)en jum 
Q3olfigeift, jur QBiUeniftärfe unb Setbftbjlfe erlogen, wirb ati 
9Kutter aud) ü)re 5?inber wieber in gleid>em ©eiffe leiten, ^an 
braucht nid)t gu fürchten, bafj ü)re weibliche Stnmut barunter 
leibe. — „QBeibltdje 33egabung burd) (Energie ergänjt, füf>rt 
pr aHerglüdlid)ften Entfaltung ber QSeibttd)feit", fagt ^atb/dbe 
fiubenborff. — ©ie §elbifd)e (Erbfeete, bie fid) burd) 

63 



SBeitblicr, Wut, Sapferfeit unb Selbftbeberrfcfrttng in ber ©e= 
fa^r au^eidmet, fcf>eibet am beutlicbften ben norbifctjen ^en» 
fdben »on ben ^ftenfcfyen anberer 9laffen unb ift ibr untrüg» 
ttd)ftc^ ^fterrmat. ©iefe3 9?affenerbgut follte audj) beim 'vtftäb» 
d)en geftärft werben. 

(Eine (Erhebung, bie bie pfpctjologifctjen (Erfenntniffe uon 
©r. ^atfjitbe Subenborff jugrunbe legt unb fo bie beften 2tn» 
lagen be$ ©eutfcfyen (Erbgutes Wecft unb ü)m feine Scf)Wäct)en 
unb gebier bewufjt tnadjt, um fte ju überwinben, tonnte un3 
fcfyon in wenigen 3abrje^nfen ein gotteSftolaeS, reinem unb ftar= 
re§ Männer- unb grauengefcf)lect)t fdjenfen, t>a$ bem Hrbitb 
unfereS Q3otf3tum3 wteber ähnlich, ift unb burdj) (Einfielt »or 
neuen LlnbeitSwegen gefct)ürjt wirb. ©aS ift ber QBiUe be3 
„SebrptanS ber fiebenSfunbe für ©eutfct)t>olrjugenb", ben grau 
©r. W. Subenborff in forgenber 'vSftüfterlicbfevt i^rem Q3otfe gab. 



Aufgaben tmb ©feflimg fcer grau 
im ttöifrfcfyen £)euffd?lcmb 

©te gabigteiten ber grau würben Ufyex öom Staate in 
feiner QSeife genügt, ©a$ §at fict) bitter geragt. 2Bie e§ jutn 
Segen be$ Q3olfe3 gegeben follte, fagt ba§ <2öerf : ,,©a$ SBeib 
unb feine 23eftimmung." 

©ewtft bleibt bie gftutterfdjaftaufgabe immer ber beiligfte 23e» 
ruf ber grau, aber er gibt ü)r nur jwet Safyxifynte i^reS £eben3 
einen au^reidjenben SBirfungfretS. Q3orber unb naef/ber feblt e3 
gerabe ber grau, bie frembe £>ilfe im Saukalt beranjieben 
fann unb mct)t beruftict) arbeitet, an Sätigleit. — Setjon für ba3 
3ungmäbd)en ift bie ©ewöbnung an 9lid)t^tun ebenfo »erbäng» 
ni3»oU wie für ben Sobn ber fogenannten oberen Stänbe. 
Scfjon frübjeitig foHten barum beibe ©efd)tect)ter ^ur pflicb> 
treuen 2lrbeit berangejogen werben, fei e$ anfangt auch, nur in 
ber Übernabme Heiner fieiftungen für bie Sippe. Sie erjieben 
jugteid) aud) baju, nid)t nur bem eigenen 3ct), fonbern einer 
weiteren ©emeinfetjaft gu bienen, ber Sippe, unb fpater auch, 
bem Q3olfe. 

(Eine grünblict>e Q3orbilbung jum SauSfrauen- unb Butter» 
beruf febit noct) beute, obwohl biefer immer als oberfte Aufgabe 
ber grau ertannt würbe. — SBerat bie ©eutfdje grau fiel) tro$» 
bem in ber Sluffaffung ber 9ftutterpftict)t oor ben grauen »ieler 

64 



anberer Q3ölfer au3äeid)net, fo, weit e$ tyr unjerftörbareS 9laf- 
fenerbgut war. 

(Eine minbefteng einjährige ßdmlung müfjte ba3 3utt«,mäb' 
d>en in allen, oon ber §au3frau unb Butter geforberten S^ennt» 
niffen ausüben, in ber ©äugtingS» unb SSranrenbjlfe, im 5?o» 
d>en, 9lä£en unb fauberen , orbmmgmäfjigen 2ßirtfd)aften, in 
ber 23lumen- unb ©artenpflege, ©ine torpertid)e (Ertüchtigung 
burd) geeigneten Sport, unb eine feelifdje unb geiftige Q3orbe» 
reitung für ü)r <3)iutteramt müfjte bamit »erbunben fein. QBie 
ber $nabe für bie QBe^r^aftigfeit begeiftert ttnrb, fo t>a$ 9Jläb- 
d>en für feine gftutterfdjaftaufgabe. — Unter ber d>riftlid)en 
Stuffaffung ber Unreinheit be£ SBerbenS, rotrb barüber nod) 
l?eute ööttig gefdmnegen. — 2)a3 Spielen mit puppen im 5?in» 
bemalter ift bie einzige (Erjie^ung jum fcöd)ften unb Ijeitigffen 
2lmt be$ SBeibeS. — (ES ift eigenartig, bafe im 3eitalter be3 
9laffeertt>ad)en3 Negerpuppen unb Sebbpbären in bie ^Biegen 
ber Keinen 2>eutfd)en 9!ftäbd)en gelegt »erben unb bie blonbe, 
blauäugige ^Puppe »erbrängen. 3a, ber 3ube arbeitet mit <2JZe* 
t^obe! (£in ®inb, ba§ eine Negerpuppe ^erjt unb betreut, bem 
hnrb ba3 2)eutfd)e 23lut3betouf}tfein fdjion früb, jerftört. — gür 
bie 2trt «unb Q3olf3erl)altung aber ift nidjti» fo bebeutungooll 
al§ eine grünblid>e (Erjte^ung jur NaffenerlenntniS. — Sie 
bieten unglüdtidjen (Efcen finb eine furdjtbare 2tnflage gegen 
ben (Staat, ber bjer bi^er alleS oerfäumte. 

5)er oötfifdje Qtaat toirb Sßanbel fdjaffen, um bie ©efun* 
bung beS Q3otfeä ju ftdjern. — 23egrüfjen3tt>erte ©efefce für bie 
(Erbgefunb^eit tourben erlaffen. — Sie 2lble£nung ber d)rift» 
Itdjen fiefcre mufj i|)nen folgen; benn fie ttnH ja bie 2lHoer» 
mifdjung, bie e i n e Serbe oljne ilnterfd)ieb ber Naffen unb ben 
Sriumpb, be3 <3ftinbertt>ertigen*) über ben burd) 23lut unb ©e» 
finnung ©eabelten. — 2lrm in 2lrm mit ber ®ird)e toirb fid) 
bie Stufnorbung nid)t erreichen laffen, oerfünbete bod) "piuS XL 
(1927): „S)a3 (E^rtftentum fdjtiefet bie 3ubengegnerfd>aft au3; 
benn bie 3uben finb baä au$ertt>äf)lte Q3otf ©otte$." 

(Eine ootfö» unb raffenbetoufjte (Ergie^ung toirb ben ©ebur* 
tenrüdgang o^ne ©efetjeSparagrapfyen aufgeben. — ©a3 
'pflidjtbenmfctfein am Q3olfe läfjt fid; nid)t fommanbieren. (E3 
mufj au3 ber Seele tt>ad)fen unb freier QSiHe fein. ^Olan lann 
e3 ben grauen nid)t oerargen, bafj fie gebärfeinblid) würben, 
unb bafj felbft bie §öHenoerangftigung fie nidjt ju bem für fie 

*) £or. 26-28. 

5 65 



fo aufopferungootten $inberreid)tum erjog, ben ber Qtaat 
Wünfd)t. 2öo£er fotlte bie grau ba$ 'pflidjtbewufjtfein ^abcn, 
ibrem Q3olfe gefunbe Slmber ju fdjenfen, ba ftc bod) ba3 Q3olf$« 
gefdjefcen gar nidjf ju fümmem Ijatte, unb ba# Schweigegebot 
fie von ber Mitarbeit au3fd)tofj. — ©ie Sefmfudjt nad) bem 
&inb, bie fo mancher unehelichen Butter jum Q3er&ängni3 wirb 
unb meift »oreiligeS, mitleibtofel aburteilen oon feiten ber 
eigenen 'DD'tttfdjweftern finbet, biefe Sefcnfud)t ift fd>on mit bem 
erften ®inbe gefttHt. 'Tlux ftarf mütterlid) oeranlagte grauen 
nehmen freubig »eitere <2ftutterfd)aft mit allen if)ren '•Jftüfjen, 
Sorgen unb 23efd)Werben auf fid). — 55a$ 23ilb unferer Stirnen, 
u)re £eben3beja£ung unb i&re reine Stuffaffung oon ber öeilig- 
feit be$ 92ßerben3 wirb beiben ©efd)led)tern baß befte Q3orbilb 
unb ber fidjerfte Sdm£ oor (Entartung unb Unmoral fein. 

2>a3 23ewufjtfein, ba$ fie bie Verantwortung an ber Q3oH» 
fraft fommenber ©efd)ted)ter tragen, wirb fie oor fittlidjer Q3er» 
wa^rtofung unb oor gefunbfieitfdjabigenben, feimjerftörenben 
9?aufd)- unb 9laud)giften bewabren. 5)ie ©efd)id)te gibt genug 
93eifpiele, an benen gejetgt werben fann, wie Sun unb Unter- 
Iaffen (Einjetner fid) auswirft bi$ in fernfte 3eiten. 

(Ebenfo Wie für bie Q3orbilbung jum ^utteramt mtifjte ber 
»ötfifdje Staat Sorge tragen, bafj bie grau in ber Seit ber 
'üOcutterfdjaft oor einem boppetten 23eruf gefd)üt}t ift unb fid) 
ganj ü)rer ^eiligen 2tufgabe wibmen fann. — Sie fcat ofcnej)in 
burd) ben &au$frauenberuf nod) 2trbeit genug, ©ie 2tuf5ud)t ber 
5?inber follte ü)r aber bie widrigere fein. — 2)ie gortfdjritte ber 
Secrmif erleichtern tyr tyeute bie Saugarbeit unb foHten oon ber 
Öauöfrau and) fo gewertet werben, bafj ü)r 3eit bleibt für ü)r 
^utteramt. ä)abei ift eß burd>au§ nidjt wünfd)en$wert, Weber 
für bie Butter nod) für bie $inber, baß fie fid; unau£gefet*t mit 
ü)nen befd)äftigt. — Sie ©ermanen fannten fein weid)lid)e$ 
33erjieben unb Spielen mit ben ®inbern. — SacituS fdjreibt: 
„3n jebem Saufe wadjfen S^inber fceran ofine große Stmftänbe." 

2>er ^ftenfd) fd)äf$t baS am meiften, toaß er nid)t ununter- 
brochen befifct, unb fo follte aud) bie Butter ba$ 3ufammen« 
fein mit i^ren ßtnbern jur geierftunbe Werben Iaffen, fobalb 
baß 2llter beß ®inbe$ eß erlaubt unb fie fd>on früb. ju größter 
Setbftänbigfeit ergießen, bamit fie jur (Eigenentfaltung unb 
Setbftbjtfe fommen. — 3)a3 ®inb entwiefett fid) am gefunbe- 
ften in ber ©efeUfdjaft oon ©leidjattrigen. — (Ein (Erwadjfener 
fann fid) nidjt fo oöHig in feine Seele bjneinbenfen, beffen 

66 



befter Spielfamerab bleibt ber SttterSgenoffe. 1 ) 

Sinb bie Kinber ^erangetuacfjfen, fo wollen fie tbre eigenen 
QSege geben, ©ie Butter foHte i^nen bann bie greü)eit ber 
(Entwidtung gehören unb oon ber 9catur lernen. 2)a$ Butter» 
tier wibmet firf) nur fo lange ber Pflege feiner 23rut, bte biefe 
flügge ift unb fabig, fid) fetbft ju Reifen. So manche grau will 
aud) bie erwachsenen Kinber nod) bemuttern, anftatt fid) neue 
Stufgaben ju fteKen unb ü)re Slrbeitfraft, foweit fie ba$a in ber 
Sage ift, für ba3 Q3oK3wobt etnsufe^en. Q3oH$feinblid)e Gräfte 
oerftanben ei bi^cr, bie 9ftitwirrung ber reiferen grau ju 
unterbinben. ^an mad)te fie als „alte 3ungfer" ober „Sdjwie* 
germutter" lädjertid). "TOandjmat mit 9ted)t, benn u)r ®rang 
jur Betätigung wußte oft fein anbere$ Strbettfelb aU ben 
jungen Saukalt tynt Kinber. — galfd>e, einfeitige (Erjiebung, 
bie nicht über bie »ier Sßänbe bwau^benft, räd)te fid) aud) bier- 

— (Eine richtige geiftige Q3orbiIbung in ber 3ugenb wirb bie 
reife grau, bie über 3eit unb 2lrbeitfraft öerfügt, in työtyxz 
Aufgaben, bie bem Q3oKe bienen, bineinWacbfen taffen. — 2)a3 
„Sdjtuden unb Schweigen", baß man ü)r jumutet, wirb fie 
bann al3 unwürbtg abtebnen. — 3n ber 9iatur gilt erft bie 
reife grud)t, unb fie fotlte immer bie Sebrmeifferin bleiben; 
benn bie 9caturgefei$e finb gottgewollte Orbnung. 

3n ben greuben unb Seiben ber «üKutterfdjaft wäcbft unb 
reift bie grau feetifcb unb wirb baburd) für ibre Slrbeit am 
Staate befonberS geeignet, ©ar »tele Süden, bie burd) ein« 
feitig männlid>e Betätigung entftanben finb, tt>ären burd) bie 
Kulturarbeit ber grau auszufüllen. 

<2Jcatbitbe Subenborff fagt, e$ ift ein 9cad)teit, bafj bie grau, 
bie Butter ift, »om Sebrerberuf au3gefd)loffen tt>irb. Sie tonnte 
leichter ba§ 23anb 3U ben Kinberberjen fnüpfen, baß erjieberifd) 
oon fo großem (Einfluß ift. (Ebenfo toüßte fie beffer, ben Sebr> 
ftoff in eine erfreuliche, erfrifchenbe gorm ju bringen unb foHte 
barum jur Aufarbeitung ber Sebrbücber betcmgejogen werben. 

— (Erft feit furjer 3eit bemübt man fid), ben Sebrftoff in eine 
gorm ju bringen, bie bei bim Kinbe Seilnabme unb Q3erftänb- 
nxß erwedt. 

gür bie beranwacbfenben Knaben ift ber weiblich-mütterliche 
(Einfluß — aud; in ber Schule — ebenfo wichtig, wie bie männ- 
liche (Erjiebung in (Ergänzung ber weiblichen, für baß 9)cäbd)en. 

QSkrtooH Wäre bie Mitarbeit ber grau aud) in ber SJftebiain, 

*) Dr. SSKaf&tlbe Subenborff: „£>e8 £inbe« ©eele unb bct (Eltern %mt." 
5« 67 



in ber Stauen- unb ®tnber$ilfe, auf bem ©ebiete bcr 9ler»en» 
trnb Seelenbeilfunbe. 5)r. ^atbjlbe Subenborff, bie »iele 3<$re 
als 9?er»enärgtin tätig war, fdjreibt, baß e3 gang unoerftänb- 
üd) ift, baß man ©ciftcöfrantc nod) „in 3wang3jaden" ein» 
preßte, um fie unfd)äbtid) gu madjen — gu einer 3eit, ba man 
auf anberen ©ebieten ber ^CRebijtn fcfyon bie fdjwiertgften Ope- 
rationen oornafjm, unb bafj ber ^e^Icr gemad)t wirb, (Erfah- 
rungen au$ (Eingefallen auf anbere gu übertragen, ofcne bie 
Seele be£ föranfcn gu erforfcfyen. 

©iefer gebjer würbe aud) auf bem ©ebiete ber 9?ed)tfpre- 
d)ung begangen. Seelifdje SSeweggrünbe würben nid)t berüd» 
fid)tigt. 'Sftan fetjte für beftimmte gebjtaten beftimmte ©trafen 
feft unb ftellte ein Schema ober eine 92orm auf, anftatt — wie 
e3 grauenart ift — jeben (EtngelfaH nad) feinen inneren 3u» 
fammen^ängen unb 33eweggrünben gu be^anbetn. ©ann Würbe 
ba$ gefprodjene 9led)t nid)t fo fjäufig Unrecht bebeuten. — 2Cuf= 
gäbe ber grau wäre e$ audj, bie ©laubwürbigfeit ber 3eugen 
gu prüfen. Sie 2tfin Q3erwaljre febjt bem 2)eutfd)en ©eridjt 
fceute. &§ wirb ja aud) „römifd)e3 9led)t", nid)t 2)eutfd)e3 
9led)t gefprocfyen. 

Sine 23ereid)erung unb Vertiefung Würbe bie Mitarbeit ber 
grau a\xä) in ber ©efdridrtforfdmng, in ber ®unfigefd)id)te unb 
fiiteratur bebeuten, ebenfo auf bem ©ebiete ber fogiaten gür» 
forge unb ber Spotittf. — 9Wat|nlbe fiubenborff forbert „nid)t 
meljr unb nid)t weniger, als ba% bie grau fid) eine ^otifif 
fcfyafft, bie alß (Ergangung ber männlichen 'politif 23ebeutung 
für ben Qtaat gewinnen fann unb baß gefamte polittfdje £eben 
fittlid) burd)bringt. 5)ie grau tonnte baut iljrer felbftlofen 
QBtHenSridjtung bie 9ledjte aller oor Stugen r;aben unb bafür 
forgen, bafj ben ^adjtgetüften einzelner, im 3ntereffe be3 ©e» 
famtwobieS, 3iele gefetjt würben." 

Itm bte3 Streben gu oerwirftidjen, müßte bie grau oor allem 
felbfi mithelfen. <vlftej)r nod) aiß ber <2ftacr;twitle beß Cannes ift 
bie ©leicfygültigfeit ber grau ein Sjemmni3. 3^rß rein gefd)led)t» 
tidje Bewertung, t»on feiten be$ Cannes, £at fie im Saufe ber 
3a|)r^unberte erfcfjredenb t>eräußerlid)t. — Sie muß fid) t$re3 
2Berte3 für ba3 <2}olf unb iljrer Mitverantwortung am Q3olf3» 
gefdjefcen bewußt werben. — 

2)agu bebarf fie »or allem einer 9ted)t$fteHung, bie ber ©eut* 
fdjen grauenwürbe entfpricfyt. 23eibe ©efd)led>ter müßten fid) 
gegen ein 9led)t auflehnen, baß bie Butter im Q3otfe fo ent= 
münbigt, wie baß heutige ©efefc eß tut. — ®er d>rifttid)e 

68 



©runbfafc, ber <2ftann berrfd)e, weit er ber 9ftann ift, leitet äße 
e^eredjtltdjen 23eftimmungen beS Bürgerlichen ©efetjbucfyeS. 
„2>em <3ftanne ftebj bie (Entfdjetbung in allen, baä gemeinfdjaft» 
lid)e ebetid)2 fieben betreff enben Slngelegenbeiten 51t." (§ 1354, 
«bfa* 1). 

©ie meiften grauen leben in oMiger ElnfenntniS ber ©e» 
fefje. Sie erfahren beren Särte unb üngered)tigfeit tneift erft, 
wenn fie felbft 9led)t fudjen. — QBie tonnte bie grau eS fonft 
ertragen, bafj fie entmünbigt wirb, wenn fie fid> ibrer beiligften 
Slufgabe weibj unb Butter wirb. Sie felbft, wie ber "SOfoum, 
müfjten fict) bagegen auflehnen, bafj ibre £lnterfd)rift nid)t für 
coli gilt, weil fie „unmünbig" ift, unb bafj fie bamit einem 
Säufer ober ©eifteSfranfen gleidjgefteHt wirb. 

So fpielt fie benn aud) in oieten (Eben bie 9\oHe beS älteften, 
unmünbigen SÜinbeS, baS für feine Seiftungen ein Safcfyengetb 
befommt. — 9kd) bem beutigen ©efe§ gehört baS in ber (Ebe 
gemeinfam (Erarbeitete allein bem Spanne. Sie grau barf tyr 
Q3ermögen nid)t felbft oerwalten, wäfjrenb bie berufstätige 
Sod)ter eS barf. Sie iff alfo redjtlofer als ibr ®inb. — 3n allen 
bie S^inber betreffenben gragen entfdjetbet ber <2Äann. — 2lud) 
wenn fie ibre "pftidjt jufjaufe treu erfüllt, barf fie fid) gegen 
ben SSiUen xbreS ©atten feine wirflidje greibeit aufjerfcäuS* 
lieber Betätigung fdjaffen. (ES fei benn 3Utn ^iterwerb, niebt 
aber aus ibealiftifeben ©rünben. 

So lange bie ©eutfebe grau fold) jübifebe 9?ecbfSffeHung 
gleichgültig erträgt, unb ber "OTann fid) niebt feftämt fie binju- 
nebmen, ja fid) noeb bläbt, ber &err über fein QSeib ju fein, 
fo lange ift fein Slufftieg mögtid). (Er fann nur auS SDeutfcber 
grauenwertung fommen. 2>enfen bie einjelnen Sippen wieber 
©eutfeb, fo wirb fid) bie bösere Stellung ber grau bureb ibre 
fittlid) reinigenbe Straft aud) auf baS Q3otf auSwtrfen unb 
anbere 9led)tSfpred)ung forbern. — (Ein ©eutfeber Siebter, 
®arl 23ulling, fam auf ©runb reieber (Erfahrung in (Ebeprojef» 
fen ju bem (Ergebnis, baft „jebe gorm gefefclidjer Slutorität 
beS (EbemanneS für ihn felbft eine febwere fitttidje ©efabr be» 
beutet unb unvereinbar ift mit bem 9lecbt ber grau auf greibeit 
in ber <ptid)terfüllung." — 

®ie greibeit ber Selbftentfaltung, beren jebe Siermuffer fid) 
erfreut, foöte man wabrlid) aud) ber ^enf djenmutter gönnen. 3« 
QBabrbeit geniest fie aber in ben meiften (Eben nur ber SKann. 
(Er gilt als ber bureb (Erfahrung unb Setbftbeberrfdjung Über« 
legene, obwohl er eS burcbauS nid)t immer ift. — 2)aS 'TOäb» 

69 



d>en wirb meift fd>on in biefer Stuffaffung erjogen. Sine (Er- 
hebung jum prüfenben ©cnfen unb urteilen wirb e§ baüor 
fcbü^en, in ber (Ebe »om <2ttanne aHe$ fritiflo$ binjune^men. — 
2lud) bem <2ftanne muffen feine gebier bewufjt gemad)t »erben. 
— 2)ann entwidetn fid) beibe (Satten in ber (Ebe unb reifen 
oneinanber. Obne fid) ju beengen, entfalten fie frei unb ffarf 
ibre ^erfönlidjfeit unb bringen fie jur 2tu$wirhmg auf Sippe 
unb Q3otf. 

©ie patrtard)atifd)e (Ebe, wie fie burd) ba$©efet$ feftgelegt ift, 
^at in 2)eutfd)Ianb ben grauentpp gefd)affen, ben fogar Q3öl» 
!ifd)e beute nod) preifen: baß bulbenbe ©reichen, ba# ©oetbe 
feierte, unb (Ebamiffo tn feinen grauentiebem befingt, baß d)rift« 
liebe 3beat. (Ein unfertige^, geborfameS, linblid) ergebenes 
SBeib, ba§ alß „nieber« ^Jiagb" ju bem ,M^m Stern ber 
&errltd)teit" in (Ebrfurd)t unb (Ergebenheit auffdjaut. 3ene3 
„$ätbd)en »on Settbronn", ba3 einen steift begeisterte. 3n ibm 
tt>ie in ben anberen 2)eutfd)en 2)id)tern rang freilid) aud) immer 
baß germanifd)=bcfbifd)e grauenibeal mit bem orientalifd)-ffTa« 
»ifdjen unb lief} neben einem ^ätbdjejt eine 'pentbefilea er» 
fteben. 

®ie grau, bie, meift nod) feelifd) unreif, in bie (Ebe gebt unb 
abnungloS, obne eigene^ Urteil, bem fetbftänbiger erlogenen 
9ftanne gegenüberftebt, wirb junäcbft in fd)Wärmerifd)er 23e- 
geifterung btefe ünterorbnung niebt al$ würbeloS empfinben. 
Sdjliefjlid) wirb aber bod) ibr 2)eutfd)es greibeitfebnen jur 
(Entfaltung ü)rer Sperfönlidjfeit brängen. Sie wirb fid) ibre 
eigene Meinung unb ibr Urteil bilben. Stimmt eß nun nid)t 
mit ber QBettanfcbauung beß <2ftanne3 überetn, fo ift — fofern 
ber (Satte unbulbfam unb ^errifd) ift — ber 23rud) ba. (Er t>at 
bißfyex bei feiner grau feine eigenen 2lnfid)ten erlebt, fo beutet 
er fie je^t al3 £ro§ unb ^einbfeligfeit. (Er glaubt, ba% baß ©lud 
burd) ibre Sdmlb jerftört fei unb bebenft niebt, bafj 23ebaup» 
tung perföntidjer (Eigenart göttlicher Sd)öpfungwiHe ift. — 9?ur 
ber feelifd) grofje, freie Wann wirb fid) einer gfeid) frei unb 
grofj benfenben ©attin freuen. Sie meiften Männer finb in- 
folge (Erhebung unb Umwelt bagu fyeute nod) nid)t fäbig. — 
©in Q3orbilb fann ibnen aud) §\ev ber grofje gelbberr fein, ber 
fid) jur fieben^gefäbrtin bie grofje ^PbilofoPbin fyolte. 

2ln bem 3wiefpalt jwifeben greibeitwiHen unb (Erbaltung 
einer fatfd) begonnenen (Ebe gebt gar mand>e grau feelifd) ju« 
grunbe. Sie gebt bem 23rud) ober einer Märung au3 bem 
QBege, inbem fie fd)einbar ben SBißen beß Wanneß tut, ibn 

70 



aber £eimlid) bod) umgebt. Sold)e dbemoval wirb fogar nod) 
als befonbere Q&eißbeit gepriefen, ein trauriges 3eid)en beS 
Q3erfalle3. So laS man in einer ©eutfcfyen 3eitung unter ber 
Überfcfyrift: „Q3Me fefjte id) meinen ^ann" folgenbe 9!JJorat- 
le^re: „Sie grau mufj Sdjaufpielerin fein, um fid) bie Siebe 
beS Cannes ju erhalten. Sie mufj ibn umfd)meid)etn, aud) 
Wenn fie babei §eud)eln mufj. Sie wirb bann alles bei ü)m er« 
reichen." — Sie 9lebefta mit bem £infengerid)t ift erreicht. — 
SaS ^eilige 23anb ber (E&e, baß Q3ertrauen, ift entweiht. — 
(Eine 5) e u t f d) e grau wirb lieber ben 23rud) oolljte&en, aud) 
tt>enn er fie »or fcfywerfte (Entfdjeibungen fteHt, als einem 
Planne SBeib ju bleiben, ber ityr nid)t bie greü)eit geiftiger 
(Entwidlung unb 33etätigung gönnt, bie er bod) für fid) felbft 
aud) beanfprud)t, unb um beren (Erlaubnis er bie grau ja aud) 
nid)t bittet. 

2)ie ©efunbung beS fiiebeSlebenS wirb mit Seutfd)er 
grauenwürbigung gleid)laufen. Sie gegenfeitige 2td)tung ber 
©efd)ted)ter wirb fie mit fid) bringen. — Sie wirb bie Seutfdje 
Q.be fo geftalten, wie ©eneral Subenborff unb feine grau fie 
un$ jeigen: 

„2>er SSunfd) jebeS gefunben, reifen ©eutfdjen ^enfdjen 
mufj iß fein, burd) einen 53unb auf SebenSbauer mit einem ge« 
funben, eblen unb gteid)gefinnten 2Befen beß anberen ©efd)ted)« 
teS feine 2trt ju ergangen unb ju erbten. 5)ieS erft ift eine 
toabti Q.be ©eutfd)er 2trt. 3n biefer (E&e fte&en <2ftann unb 
grau aiß gleichwertige, aber wefenS»erfd)tebene S^ameraben 
nebeneinanber." 

„"vOWnne fann jum (Erweder ober jum SDWrber ber Seele wer« 
ben", fagt < D0 r 2at^)itt>c fiubenborff. SBie eS jebeS ^enfdjen eige- 
ner freier (Entfcfyeib ift, wie er feine Seele entfaltet, ob er ööfcen« 
ftug ober Siefenfteuerung toäbit, ob er nad) einer ge^Itat — in 
iljrer Haren (ErfenntniS — fid) aufrafft jum 2lufftieg ober nod) 
tiefer finft, ob er fid) jum ©ott ober Teufel geftaltet unb fo fid) 
unb anberen Svmmet ober Solle bereitet — fo ift eS aud) fein 
freier QSille, ob er (Erfüllung ber <2Jiinne in 9tieberungen wcu)lf, 
in flüchtiger, geiftig genügfamer Slnnä^erung unb baran förper« 
lid) unb feelifd) jugrunbe gel?t, ober ob er eine Seelengemein- 
fd)aft fud)t, bie ibn ju pd)ftem gtuge begeiftert unb xbn jur 
©ottoerbunben^eit fütyrt. — — ©erabe bie "SÄinne fann bie 
beften unb ftärfften Gräfte in einem SSKenfcfyen weden, in bem 
5Bunfd)e, beß ©etiebten würbig ju fein. Sie fann aber aud) 
3U tieffter Q3erfommenfcett führen. 

71 



^at&ilbe Subenborff jeigt aud) bjer bic SBege jur ©efun» 
bung. Sie fc^rctbt in bem QSerfe: 35er ^ftinne ©enefung: 
„23eibe ©efd)led)ter muffen in i^rer 3"9enö erfahren, bafj e3 
eine Selbftt>erad)tung unb Setbft^erabfe^ung rüdfid)ttofefter 
2lrt bebeutet, wenn ein "vCftenfd) jur innigften, förperlidjen ©e» 
meinfd)aft irgenbeinen beliebigen anberen <2ftenfd)en wäbjt, ber 
i£m nod) nidjt einmal jur greunbfd)aft gut genug erfd>einen 
n>ürbe. (Sine Sd)eu oor ber Q3erle<jung feiner työd)ften ©tüd$» 
fäbjgfetten mufj im 'SJlenfdjen fd>on in ber 3ugenb gewedt wer» 
ben." — 

35ie boööeffe 9J2oral führte baju, bafj bic Banner burd) 
früb, geübte 'pofygamie ju einer bauernben 9ttinnebegeifterung 
unfähig mürben; bie grauen aber — unwahr gegen fid) felbft 

— gewedte 9DWnne ableugnen, ba in ü)nen md)t meljr baß 23e» 
Wufjtfein ber 9?ein^eit ber Sinne lebenbig ift, wie bei unferen 
2tlmen. — ©erabe bei ber norbifdjen grau finb ibre Siebet 
unb greunbfdjaftgefüljte für ben Wann fcäufig ganj frei »on 
ferueHem 35enfen. — 9fttr feiten ift aber ber 35eutfd)e ^Eftann 
fäbig, ft»ld>e grauengunft fo rein unb grofj ju werten, wie fie 
gemeint ift. — 

grau «jftatbjlbe fiubenborff fagt: „35a eine Q3ergeiftigung 
ber Spinne bei ber grau oiel häufiger ift, fo mufj fie bem 
tarnte Reifen, fid) cor bem Siefftanb ju retten." „S5a$ 3ung- 
mäbdjen mufj fid) bewufjt werben, bafj fie 2ld)tung »om anberen 
©efd)led)t nur erwarten fann, wenn fie tym Q3orbitb ift in ber 
9?eüu)ett ber Sitten." 35te ©egenwart einer grau fann bie 
Sölje einer 'OTännerunter^altung beftimmen. — 

3)a3 &od)jiel burdjgeiftigter ^EJlinne fann freitid) aud) wie- 
ber nur erreicht werben, wenn bie grau nid)t me^r in geiftiger 
ilnterorbnung lebt, unb wenn bie (Efce auf raffifdjer unb bamit 
feelifcfyer Q3erwanbtfd)aft beruht. — QBie foH eine &)e fid) 
glüdlid) geftalten, bie raffifd) entgegengefetjte ^enfdjen »ereint. 

— Slntworten bod) tyre Seelen auf gleid)e3 ©rieben fällig »er» 
fd)ieben unb fommen fc nid)t jum ©leidjftang. — 

Sie meiften (Etyen werben nur burd) £iufjertid)feiten ober 
fd)Wärmerifd)e Sugenbbcgeifterung jufammengefüfjrt — r*on jü» 
bifd>en QBirtfdjaftoerträgen gang gu fd)Weigen. (Ein Sinljwrdjen 
auf bie Seele be$ ©efäljrten, ob fie mitfdjwingt unb mitftingt, 
febjt. So wirb fie fpäter oft nur burd) ben trägen Q3erweilung» 
Willen, ober au$ wirtfd)aftlid)en ©rünben, jufammengeljatten 
unb bietet ein fläglidje^ 23ilb fpiefjbürgerlidjer •Serfümmerung. 

— 35ie förperltdje Sd)öm)eit »erfäUt, bie Sd)ön^eit ber Seele 

72 



ift bem Slltern nid)t unterworfen. Sie fcmn fid) — biß gum 
Sage beß (Erlöfd)en3 im Sobe — immer ^errtidjer entfalten, 
um ü)ren Scfyöpfungfinn ju erfüllen: ©ottüolftommen^ett ju 
fein! 

©tefer Sd)öpfungfinn be3 QSeltallS, ben bie 'pbjtofopbjn ber 
Seele <2)latbjlbe Subenborff mit ü)ren religionpbjlofopbjfdjen 
QBerfen ber SiJZenfcfybeit gab, h>eift bem QBeibe feine bödjfte 
unb fceitigfte Slufgabe ju. S)ie 2lufgabe, bie iß aud) bei unferen 
Sinnen erfüllte, unb ber jutiebe bie 9?atur ü)m bie reiche, tiefe 
Seele fd)enlte: 5?a3 ©öttlidje in ber 2Belt ju fünben, ju wef* 
!en, ju ftärfen unb t>or bem Untergang burd) ©ottfeinbfcfyaft ju 
bewahren! ©a$ ift feine beiligfte unb böd)fte 23eftimmung. — 

(£ß bebarf baju nid)t be$ "priefterrodeS unb ber 'priefter* 
tt)etr;e, bie eingelne 'profefforen ü)m £eute fogar anbieten. — 

9J2an erinnert fid) plötjtid), bafj bie germamfcfye grau in 
ü)rem Q3olfe ba3 2lmt ber ©otttunberin fyatte. Sie ift auf ein- 
mal nidjt me£r erbfünbig unb minbertoertig. ^an miH ü)r bie3 
2lmt jurüdgeben, fie jur „"priefterin" machen unb meint, ba$ 
fie baju gar nid)t erft — ttne ber Wann — einen %?d anlegen 
muffe. 

Wan fürdjtet baß (Ertnadjen ber ©eutfdjen Brau, unb will 
baß 'prieftertum, unb bamit bie geiftige unb feelifd»e 23eben> 
fdjung ber Q3ötfer, auf alle gälle retten, fei eß aud) unter 'preis» 
gäbe männlichen 9!flad)tnnllen$ unb männlicher Übergebung. — 

©ie 5)eutfd>e grau ttrirb fid) nid)t me|)r täufdjen laffen. Sie 
banft für bie 9?abbinertrad)t unb überlädt fie gerne bem 
"OTanne. Sofern er eine gefunbe, Seutfdje Seele Ijaf, xoxxb er 
aud) erwadjen unb fie abwerfen, wie eß ber mutige, ehemalige 
fattyolifdje Spriefter granj ©riefe getan Ijat. „£o£ »on 9?om 
unb <li>rifto" ruft er ben ©eutfdjen ju, benen ber fceitigfte unb 
£öd)fte QBert nod) nid)t t^r 2)eutfd)fein ift. 

<S,ß ift fein 3ufaH, bafj gerabe eine grau ben greiljetttampf 
für bie ©eutfcfje Seele aufgenommen Ijat. 1 ) (Er tonnte nur »on 
einer grau ausgeben, ©enn üon niemanb unb nxd)tß fyat bie 
d)rift£id)e £e|>re fo fd)led)t gefprodjen alß »on ber grau, ©arum 
ift eß ibre Slufgabe, ba3 23anner ber greiljeit in biefem Kampfe 
üoranäutragen. — 9lur bie Befreiung com Orientgeift gibt ü)r 
bie Stellung in Sippe unb Q3oß, bie ben ©ermanen abette unb 
ftärfte. 

"TOögen bie Sluttenträger unb t^rc Sörigen baß SBeib weiter» 

*■) Dr. VRatf>iltt fiubenbotff : „eriöfung »on 3«[u £$rifto". 

73 



bin für unrein, minberwertig unb erbfünbtg Ratten. 2>er 35eut- 
fd>e "Jftenfd) wirb ficb frei madjen Don aEem OrientaliSmuS. 
2)te 2)eutfd)e grau wirb feinet 'priefterrodS, feinet 2Beib* 
raud)S unb anberen JMtS bebürfen, um in Sippe unb 33olf 
23egeifterung für aUeä ©rofje, §obe unb Sdjöne ju weden. Sie 
wirb au3 bem tiefen, reinen unb ^eiligen Quell ü)rer Seele 
fdjöpfen, au3 bem (Erleben ber göttlichen "SBünfdje jur greibeit, 
SBa&rbeit, ©djönbeit, jur ©üte unb Siebe. QDann werben bie 
Seutfdjen wieber lernen, gottwibrigeS öanbeln ju baffen, gött- 
liches 3U lieben. 2>er SeibenSweg unfereS Q3olfe3 wirb ibnen 
bie gebier unb ©efabren unfereS 23tutei bewußt machen unb 
fie ftärfen in ber (ErfenntniS unb 2lbwebr ber Q3olf3feinbe. 

S)enn wo bie 2)eutfd)e (Ebe »erwirflid)t ift, ba braucht ber 
'TOann feine gebeimen ^ännerbünbe mebr, um fid) 3U »erebeln 
unb ju erbeben. 2)er grau wirb ber 23etd)töater enfbebrlid), ber 
ibr, für ben bemütigen ©eborfam unter ben QBiUen beS Can- 
nes, bimmtifcben £obn oerbeifjt. 

Sobalb unfere grauen erfennen, bafj ibre bauernbe, perfön- 
lid>e Unterorbnung nid)t gottgewollt ift, fonbern orientalifd)e3 
^nedrtfcbaftprinjip, t>aä fie »on ibrem Q3olfe trennt, Werben 
fie bie 9lolle ber Wienerin unb 9Kagb, ober be$ SpieljeugS, 
als unwürbig unb unfittlid) empfinben unb wieber gotteSftolj 
unb belbifcb werben. 

Sie werben erfennen, bafj ibr QSHrfungreid) nid)t an ber 
SauStüre 3U (Enbe ift, wenn aud) t>a§ §eim ibr Seiligtum bleibt, 
— t>a§ Heiligtum, baß e3 einftmatS war, at$ unfere Slbnen nocf) 
feine ßürdjen, feine Werfer ber Seele fannten, ba$ Heiligtum, 
beffen grieben ju ftören ibnen greoel galt. 

'jytit ben böberen unb weiter geftedten 3ielen wirb bie 2)eut» 
fdje grau in ©emeinfcbaff mit bem Spanne für bie ©efunbung 
unb (Erhaltung ü)re3 Q3olfe3 fämpfen. — Siebt fie bod) um fid) 
ber feine tiefe, feelifd)e unb wirtfd>aftlid)e 9lot, fiebt, wie ge- 
heime, internationale < 30 f läd)tc ibrer Sippe bie SebenSmöglid)' 
feit nebmen, bafj junge 2)eutfd)e feine (Ebe mebr aufbauen fön« 
nen, fein ®inberlad)en mebr erflingt, bie 3ugenb boffnungtoS 
unb forgenüoll »erfümmert — obne 2trbeit, ober in 2trbeit — 
obne Sobn. 2)enn bie 9?ot3eit, bie beute über bie (Erbe babin- 
3iebt, ift gewifj feine „gottgewollte", fonbern eine mit Softem 
berbeigefübrte. 

2luf bid), 2)eutfd)e grau fommt e$ beute an. 'TOan wufjte 
Wobl, warum man bid) iabrbunbertetang erniebrigte unb bid) 
nod) weiter in S^nedjtfdjaft, in Hnmünbigfeit unb geiftiger £ln» 

74 



reife Ralfen will, ©u foHft bie 3ufammenbänge bei SGßettge« 
fdjebeni nicfyt erlernten. — ©er gaben ber (Ewigfeit, an betn 
bie dornen fpannen, würbe abgeriffen. — 2lui ber Vergangen» 
beit entwurzelt, oerftebft bu bie ©egenwart nidjt mebr. 9[ftan 
weifj, Weld) parte Straft jum kämpfen unb ©urcbbaKen beine 
Seele birgt. 3n beinen reinen Sänben rubt t>aä Sd)icffal beiner 
$inber, beinei Q3ottei. Soll ei fic^ burd; beine < 2?Jit^)itfc nod) 
einmal ju böd>fter, reinfter 23tüte entfalten unb fo ber QBelt 
jur ©enefung »erben burd) bai Q3orbilb feiner fttttidjen unb 
htltureöen £>öbe, wie einft — ebe frember ©eift über bie Sllpen 
tarn, — ober foll ©eutfd)lanb unb mit ibm bie SBelt im (Ebaoi 
untergeben? 

3n ber Sobna&e göttlicher SBettorbmmg töfte eine ©eutfdje 
grau bai 9*ätfel, t>a§ 3abrtaufenbe umfonnen unb umfragt 
batten unb gab 2tnttt>ort auf bie fragen nad) bem Sinn bei 
SeinS, bei SBerbeni unb bei Sobei. — Seiner &afj lobert ibr 
entgegen »on aßen, bie ibre Sbrone ftürjen, ibre 3wingburgen 
5ufammenbred)en feben, in benen Sabrbunberte gftenfdjengeift 
geängftigt unb gelned)tet würbe. — ©er Sob nid)t geinb, fon» 
bem ^itfdjöpfer ber 9Jtenfd)enfeete, bie ibm ibre ©ottbewufjt« 
beit ban!t, ben Sriumpb bei SlnfterblidtfeitwiHeni. — Staä 
©eifteiwerf oon ^atbitbe Subenborff wirb leben, wenn alle bie 
fiügen» unb fiäftermäuler längft »erftummt, »ergeffen unb an fid> 
felbft jugrunbe gegangen finb. 

(Ein bangei 2tbnen, wa^ ba§ (Erwadjen ©eutfdjer grauen be- 
beuten fann, burefoittert bie QSeltoerfd)Wörer. — ©er gelbberr 
bei SEßeltfriegei bat ben $ampf gegen fie aufgenommen. (Er 
treibt fie aui ibren ftärfften Stellungen. Sein 3iet: bie (Einheit 
öon 23tut, ©taube, 9led)t, Kultur unb 2Birtfd;aft hebeutd bie 
Rettung aller Q3ölfer unb bie freie (Entfaltung ü)rer gottgewoH* 
ten Dölfifcben (Eigenart. — ©u, ©eutfdje grau, follft mitbetfen, 
bein 93olf ju greü)eit unb 2Boblfabrt ju fübren unb feiner 
Seele ben 2Beg ju fid> felbft, jur ©eutfdjen ©ottfd)au, au jeü 
gen. — SBad)fe an beiner Aufgabe! — 

©er gelbberr unb bie ^büofopbin geben bir mit ibren 
QBerfen bai 9lüfrjeug für ben beigen 5?ampf beinei Q3otfei. 
9lu$e ei. — ©ann wirft bu beine ®inber nid)t 5U Sftaoen unb 
jum Sd;lacbtopfer 9?om»3"bai grofjjieben. ©u wirft beinern 
Q3olf i>ai ^ctbifd)c ©efd)led)t fd>enfen, bai — ebrbaft unb 
webrbaft — ©eutfdje QSßefeniart jum böAften entfaltet unb fo 
bie Q3olfierbaltung unb ©otterbattung fiebert. 

So wirb ein freiei, reinei <23otf auf freier (Erbe! 

75 



$e|imtiung öucrff Deutfrfje 50eltonfrf)ouung 

erfireben unferem S3olfe fcte SDBerf« »on 35r. meb. 9ttatJ>ilbe Subenborff : 

2>atf iWrio unfl feine ©e|Mmmung 

©ebeffef 4.- [Run., geb. f.JO »3». 192 ©eilen. 11. bis 13 Soufenb. 

3u8 ibretn reidjen SOBiffenS» unb (Erfabrungfd)al| jeigt bie §a<fy» 
ärjttn für <Pfi>d)ologie bte (Stgenart bcr betben ©efdjledjter, bte 33er* 
fd)iebenbeit ibrer Anlagen unb QSegobung unb forbert Q3etdfigung bet 
grau auf ben ©ebieten, für bte Sftebrbegabung unb böbere Setftung 
ber grau nadjgeroiefen ftnb. 3n gegenteiliger (Ergänsung erfüllen fo 
beibe ©efdjlecbter ben göttlichen ©inn ibrer 5BefenS»erfd?iebenbett jum 
Jßetle bes 35eutfcben SJ3olfe8. ©te ©eutfcbe grau rampft burd) £>urd). 
arbeiten unb 93erbretfen biefes SOBerfes für ibre SBürbe unb greibeif. 

$et JlKnne (Benefung 

©ebeftet 4.- 5X2R., geb. ?.- 5K9JI. 208 ©etten. 11. bt« 13. Saufenb. 

93on nichts $at bte cbriftlicbe Sebre fo fcblecbt gefprocben als »on 
ber SDtinne, unb bocb tfi gerabe bte SJltnne eine Äraft, bie ju fcobem 
gluge ber ©eele begeifiern fann. 35aS SSergeffen »on Dlaum unb 3«'^ 
»on 3tt>erf unb Stuften, wit es bas ©innen unb ©ebnen nach bem ge- 
liebten SJttenfcben gibt, fann bie ©elbfifcböpfung jur SBolltotnmenbett 
gewaltig förbern. ,/Der SOJinne ©enefung" ift ein 2ßerf, baß jur ®e» 
funbung bes Siebeslebens unb ber (Ebe, ber Kraftquelle »ö'lfifcber 5Bie» 
bergeburt gelefen unb »erbreitet »erben foflte. 

Deutfdfcc <$ottgfau6e 

®<t>t\t<t 1.50 SX3K., geb. 2.- DttSi 84 ©etten. 28.— 30.Saufenb. 

35eutfcher ©ottglaube ift bie ©runbforberung »ölfifcber SBieber* 
geburt. Sftur ber bat ein Dtecbt, ftcb »ö'lfifcb ju nennen, ber ben (Sin* 
Hang »on 33lut unb ©lauben wtebergefunben fyat. — ©eit er unferem 
93olfe genommen würbe, ringt bie 2>euffcbe ©eele — wenn auch früher 
unbewußt - tbn wieber ju finben. £>te ©eutfcbe ©efcbicbte ber legten 
taufenb 3abre tft ein fortwabrenber Kampf gegen ben grembgeift, 
gegen ben ©laubenSjwang unb bie *Priefterberrfchaft, bie 35eutfcber 
greibeitwifle ablehnte. 35ie Jfjetmfefcr jur 'Beutfdjen ©otterfenntniS 
tann allein unfer 93olf »or weiterem Sßerfafl unb Untergang retten, 
ginbet jte burcb biefes SöolfSbucb unb bte ©eelenwerfe ber fpbtlofophin. 

76 



$ec $ttk iltfptung und Wtfm 

von £>r. m«b. üiRaf^tlbe Subenberff 

35teö breibänbige 5Berf ber *Pbilofopbin ber ©eele gibt bte long» 
erfebnte Untwott auf ba$ Sffiarum ber ©cböpfung, auf bte §rage na<b 
ibrem ©inn: 35ie gottbewußte Sftenfdjenfeele tbr ©inn, bog 3Derben 
beg SEBclfaüö bte 93orftufe }u biefem ©cböpfungjiel! 35er ©eelenlebre 

erfter 35onb: 

^opfunggcft^i^tc 

©heftet 3.- 5X9JI., geb. 4.— 5X311. 108 ©eilen. 7.-9. Saufenb. 

2Ber bte 9ftenf<benfeele ernennen wiß, muß bat 2Berben beö 2Belf* 
aflö miterleben, »om $fber unb Urnebel bis bin i«? SOlenfdjenfeele. 
ökue SBiüenaerfcbetnungen fübrten }u immer beeren ©tufen ber 
SBacbbetf. Tille biefe SSBtflenöoffenbarungen unb ®rabe ber Sikwußt» 
bett finben ftcb wieber in ber SDtenfcbenfeele, bie fo sunt Spiegel ber 
SBeltfcböpfung wirb, unb bie Unbewußtbett ber £tü\ttlt, wie bie Unter« 
bewußtbeit ber Sierfeele, umfaßt unb bureb bie ibr geworbene gemußt« 
bett bereidjert. 9Bobl war bie naturgefcbtcbtltcbe Sntwicflung betannt, 
aber ibre treibenbe Äraft würbe mißbeutet: ber Sßifle be« (Böttlicben 
jur 33ewußibeif war basi ©cböpfungjiel! (£$ fanb feine (Erfüllung in 
ber Sttenfcbenfeele. 

35er jweite 95anb: 

©efceftef ?•— 9*9N., fle&- ö.— SX3R. 246 ©dien. 4. unb ?. Saufenb. 

jeigt bie SBirfung ber unbewußten unb unterbewußten ©eelenfräfte 
auf ba$ 23ewußtfein. Unjerftörbar bureb Srjiebung unb ©cbtcffal tra< 
gen wir baß Unterbewußtfein in ber ©eele. 3 n 3«*«« <«f« innerer 
Srfdjütterung briebf ti bewor unb beftimmt unfer $un. 35en ,/Jreu« 
banber beg Dtaffeerbguteß" nennt es barum 35r. Sttatbilbe Subenborff. 

35er britte 93anb: 

4tetöjif#pfimö 

©e^efW 4.?0 SXSJt., geb. 6 — [ROT. 210 ©eilen. 

fagt unö, ba% e« jeber ©eele, unabbängig »on Diaffeerbgut, Umwelt 
unb ©djicffal mö'glicb ift, ibr«» göttlichen ©inn ju erfüllen. Jfticbt als 
©nabengefdjenf »on außen unb bureb (Erlö'fung, fonbern freiwillig burd> 
feine eigene .Kraft tann ber SOtenfd) bie angeborene Unsoßtommenbeit 
jur S3oHfommeni>eif enfwttfeln, inbem er fein ganjeö 1\xn in Sinflang 
bringt mit ben in ibm rubenben 2Bünf<ben jum ©uten, SBabren, 
©cbönen. 

77 



$ct tfede Witten unö (Beßalten 

1. Seil: ©es ÄmbeS ©eele unb ber ©Kern 7(mt 

<3e6ef'*l 6.- SXSÖt. 584 ©eilen. 7. bis 9. Saufenb. 

©te ernften ©efafcren, bie bem Äinbe brojjen, beffen ©elbfier&al» 
tungwiflen nidjt »oßfommen ift, jeigt fcier bie ©eelenarjtin, (Erjte&ertn 
unb SDlutter. SSBobl ^ot baS .Rinb einen natürltd;en @dju$, ber es um» 
fdjtiefit, wie bte fdjirmenbe Jpülle bte junge Q3lüte, ober bte erwacbenbe 
Vernunft ift ©efabr für bte @eele, unb es ift bat;er fettige fPfltcfyt ber 
(Eltern, bem Ätnbe bureb. @<bärfen fetner 2)enf* unb Urteilskraft unb 
burd) ftroffe 28illen6$ucbt ben mangelnben ©elbftfdmlj ju fiebern unb 
burdj (Einwirken auf baS Seelenleben fein ©eftalten vorzubereiten. 

Üe^cplan ttt Ztbtmtünßt füc Deutfdfaolkjugatö 

3tuf9eflc0t von £>r. SOlat^tlbe Subenborff. 
®e6ef<«< ?0 Stpf. 26 ©eilen. 10. bi« 12. $aufenb. 
©iefer Se^rplon tft fein Unterrid)tS»lan im fcerfö'mmlidjett (Sinne, 
fonbern fteflt gonj neue OJtdjtltnien auf, um bie feelifaje unb fö'rper« 
liebe (Entfaltung beö ©euffdjen .Kinbes ju erreichen unb es fo jur fpä« 
teren VolfS« unb ©otterfcaltung ju befähigen. 3)ie gottgewollte (Eigen* 
art eines Voltes ift nur gefiebert, wenn Srjiefcung unb ©d)ute ftd) frei 
mad)en »on allem $retnbgetfi. 

4tatt §tiliQmfäzin oflet $ eienjefi^cn « Utah fie&en 

1 . Seil : ßtnb&ett unb 3ugenb. SOZatfcilbe Subenborff (©r. web. ». Äemni*) 

Seinen 3 — SÄ9R. 240 ©eilen mit 8 SSilbbeilagen. 5. bi» 6. Saufenb. 
Unter ben Jpanben ftarf fd>ö>ferifd)er 9Kenfä)en wad>ft jebeS 2Berf 
weit über baS »on ifcnen felbft Erwartete. (Eö ift ju bejweifeln, bafi bie 
«Pbilofopfcin SKatbilbe Subenborff bte gütte ber Lebensweisheit, beS 
jjbumorS, beS ©emüteS unb beS tiefften SebenSernfteS vorausgeahnt 
$at, bie in biefem tiefen unb reichen SSBerfe enthalten ift. £>en @egen 
beS elterlichen (Erbgutes unb VorbilbeS, ben fte felbft erlebte, ftrafclt 
fte in biefem 2Berfe auf unenblid) viele ©eutfefce aus unb gibt ibnen 
obenbrein nod) aü* ben 5Xeid)tum an (ErfenntniS, ben fte fid> felbft burd) 
bte ganj aufjergewö'&nlid)e „Antwort" auf bie (Einjelfdjidffale ifcrer 
3ugenb erwarb. 

mein <Blüä im fj oufe ßuöcnöotff 

»o« Jjjenn» «on Sempelboff 
Seinen gebunben 3.10 9t$9l. 244 ©eilen. SÖlil fünf abbilbungen. 
©afj unter bem (Einflufj wetblid)er (Erjie^ung bie Sntwitflung 
männlid>er 2BefenSart nid)t @d>aben leibet, fonbern im ©egenteil 
burd) Vertiefung beS ©emüts. unb Seelenlebens ftd) umfo reid)er ent. 
faltet, bas fagt uns bie grüfcjugenb (Erid> Subenborffs, bie $ier wie- 
bergegeben wirb. 

78 



f dofung öon |efu UT^cfJio 

»on S>r. SJtatfcilbe Subeitborff 
93i>tf«f»u«flabe 2.- DJ3JI., gebunben 4.- £«3Jl. 376 ©eifen. 28. bi« 32. 3aufenb. 

Sie SHebe jur SJBabrbeit unb jutn ©eutfdjen 93olf bat bieg Q3ud) ge» 
f Raffen. (£ö öffnet ber 35eutfd)en ©eele boö $or in bie Heimat; ob fte 
ben Jpetmweg wäblt, bleibt ibr freier (Entfdjeib. Sin 93olf fann nur 
gebeten, wenn 33lut unb (Seele im (Einflang bleiben. X)ie ©egen« 
itberfteflung ber ©eutfdjen unb d)riftlid)en SDtoral jeigt, bafj §remb« 
glaube ©eelengift ift für ein SBotf. 

fiin Jtefe|fcr tuft: „Äo* öon 3tom und Ot^etjlo 77 ! 

*Bt» Sranj ©riefe 
©treffet 1.50 SX3R. 89 ©eiten. 11. bi« 13. Saufenb. 

(Ein ehemaliger fatbolifd)er *Priefter fagf unö, wie er in ernfter 
§orfd)ung ju ber Überzeugung fam, bafi bie fafbolifdje Geologie Irr- 
tum ift. ©eine (Ebrltdjfeit »erbot ei tbm, weiterhin einer .Sirdje an» 
jugebören, beren Setyren er niebt mebr glauben fonnte. (Sine weitere 
Söertiefung feiner ©tubien gab ifcm bie Überjeugung, bafi bh £ebre 
SJtrifti feine göttliche (Eingebung ift unb febon baburd) ibre ©laub» 
würbtgfeit »erliert, bafj bie «on Sbrtftuö propfcejeite balbige SSBieber. 
fe^r ju Mjeiten feiner jünger ftd) nid)t erfüllte. @o fanb ©riefe aud) 
ben 9Beg jur (Erlö'fung »on (Ebriftuö unb jur Srfenntni«, bafj eine 
frembe ©lauben«Iei>re ben ©eutfd)en Sebenssbaum jum 2(bfterben 
bringen mufj. 

Uec Ucug öon tfimri 

»on £rnft @*ulj 
©ebeftet 2.- £R59l. 112 ©eiten. 4. bi« 6. Saufenb. 

©tefeö 95ud) ift »on Ijofcer 35ebeutung. Überjeugenb weift ber 95er. 
faffer nad), bafj aud) bat alte Seftament feine „Offenbarung" ift, fon» 
bern jufammengetragene«, »orwiegenb aud) inbifd)e« ©eifteSgut ent» 
bält, baö, mit jübifdjem »ermifdjt, an bid)terifd>er ©d)önbeit unb 
innerlichem SBert tief unter feinen Quellen ftebt. 35aö 35ud) ift eine 
wertsolle (Ergänjung ju bem SBerfe grau 35r. SDtatbjlbe Subenborffö: 
Srlb'fung »on 3efu <S£>rifto. 

$uidf pauluö öon (Buörun jum (Steffen — 

»cn ©eneral ^ ubenberf f unb J&on« Äutrtb, 

(2>er 3ube ^aulus unb bie grau - $öon ber ©ubrun jutn ®retd)en, 
ein 3(u8fd)ttitt au« bem ©eutfeben Sftiebergang.) 
sprei« 10 Slpf. 16 ©eiten. 

79 



f ciumpfj ötä ilitjht&lirfjfcittmüen* 

von Dr. ÜRatt)tIbe Subtnborff 

©entfiel ?.— SÄÜJl., gefc. 6.— MSR. 422 ©etfen. 7.-9. Saufenb. 

Ungtfärjl« SBolfSouSgnbe ge&. 2.?0 [R3Jt. 

35ie ©etynfucfyt »on ^ofcrjjunberten, bie Stnftong fud)fe jwifdjen 
ptyilofopfcifcben unb nofurwiffenfdbaftliäjen Srfenntniffen, ^ct bier ibre 
(Erfüllung gefunben. 3» ftböpferifdjer ©cbau fcot bie <pbilofopbin ber 
©eele ein einbeiflidjeö SHJeltbilb gefeboffen, „wie bie SQernunft eS 
fab", unb „wie bie ©eele es erlebte". — 2)ie ©efcnfucbt nad) Unfterb» 
liebfett ift eö »on jeber gewefen, bie ben $ob ju erfennen unb ju über» 
winben ftrebte. 35ie Sftoturwiffenfdjaft fogt und, bofj Unfterblicbteit 
ben ältefkn 3(bnen ber 20tenfd$ett gegeben toav, bajj jene urfprüng» 
liefen (EinjeHer, aus benen ftcb olle £ebewefen in Millionen Rohren 
enfwicfelten, ein Sobegmufj nidjt tonnten, nur bie 'SobeSmöglicbfeif. 
(£in (Erberinnern on biefe einfimolige Unfterblidjfeif ift notb in jeber 
©eele wo* unb erfläri bie ©efcnfucbt, fte wieberjugewinnen. — 3ene 
unfterblidjen Sinjeüer führten ein wunfebgefattigteö 35ofein, bod) in 
tiefer Unbewufjtbeit. — @ott ober erfebnte 53ewufjtfetn. ©o mußte bie 
Unfterblicbfeit bem SBunfcbjiel ©ctteö jur Q3ewu§fbeit jum Opfer ge« 
broebf »erben. 35iefe »erloren gegangene Unfterblicbteit }urücf}ugewin» 
nen, würbe jur ©e&nfucbt oller, nun btm "JobeSmufj unterworfenen 
(Entwitflungftufen ber SOtenfcbbeit unb trieb fte ju immer größerer 
Sffiocbbeit, bis enblid) im gottbewufjten SÖtenfdjen boö ©cböpfungjiel er» 
reiebt war unb in ber gott» unb jenfettssverbunbenen SDtenfcbenfeele im 
Sriumpb be$ UnfterblicbteitwiHenö feiern burfte. 



Wafyzt md} fte jeeityrit 

beS ©eifteö, euer fceiligfteö ®ut. ©tärft fte om 

^eiligen l£&ull $eutftfjet Riaft 

jur 3ctf bie einjige 3ei*f<brift, in ber ©enerol Jubenborff 

unb Sr. Sflaflbilbe Subenborff febreiben. 

9ttonatöbejug burd> bie «Poft 0.60 DISO*., 

bur<b ©treifbonb 0.70 £Kütt. 



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